Nach Widerstand von Anwohnern: Corona-Testcenter wird vom Alpenquai auf die Luzerner Allmend verlegt

Am Mittwoch hätte das Drive-In-Testcenter bei der Kantonsschule Alpenquai in Betrieb genommen werden sollen. Nach Diskussionen mit den Anwohnern hat sich der Kantonale Führungsstab jetzt doch umentschieden.

Livia Fischer
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Das Schnelltest-Zentrum bei der Kantonsschule Alpenquai

Das Schnelltest-Zentrum bei der Kantonsschule Alpenquai 

Bilder: Jakob Ineichen, Luzern, 24. März 2020

Das geplante «Drive-In»-Testcenter für Corona-Patienten wird doch nicht bei der Kantonsschule Alpenquai in Betrieb gehen. Dies bestätigt der Kanton Luzern auf Anfrage. Neu wird das Zentrum auf der Luzerner Allmend errichtet. Der Eröffnungstermin bleibt unverändert und ist auf Mittwoch, 25. März, um 13 Uhr geplant. Der Grund: Bei Anwohnern im Tribschenquartier sind die Pläne des Kantons auf Widerstand gestossen.

Am Montagabend wandte sich Raphael Bachmann, Inhaber der Confiserie Bachmann mit Produktionshauptstandort im Tribschenquartier, an den Regierungsrat Guido Graf. Er teilte seine Bedenken mit, bat die Regierung, den Standort für das mobile Testzentrum nochmals gründlich zu überprüfen. Auch weitere Anwohner sowie die IG Tribschenquartier äusserten Kritik.

Vinzenz Graf stellt sich am Dienstagmorgen den Fragen der Anwohner.

Vinzenz Graf stellt sich am Dienstagmorgen den Fragen der Anwohner.

Daraufhin leitete Guido Graf am Dienstagmorgen eine Begehung in die Wege. Die besorgten Anwohner sollen sich vor Ort ein Bild von der Anlage machen und offene Fragen klären. Der Zivilschutz hat die Zelte aufgeschlagen, Christos Pouskoulas, Projektleiter und Leiter Gesundheitsversorgung des Kantons, sowie Vinzenz Graf, Stabschef des Kantonalen Führungsstabs, warten bereits.  

Christos Pouskoulas leitet das Projekt des «Drive-In»-Testzentrums für Corona-Fälle.

Christos Pouskoulas leitet das Projekt des «Drive-In»-Testzentrums für Corona-Fälle.

Ihr Ziel: Sie wollen den Anwesenden klarmachen, dass für die Bewohner der Tribschenquartiers keine Gefahr besteht. Pouskoulas erklärt erneut, wie das «Drive-In»-Testcenter funktioniert (wir berichteten). Er betont: «Es gibt eine Zutrittskontrolle. Getestet wird nur, wer von seinem Hausarzt angemeldet wurde.» Massenkontrollen seine darum ausgeschlossen. Die Ärzteschaft werde direkt durch das Projektteam informiert und erhalte einem Downloadlink für die Anmeldung.

Vertrauen der Bevölkerung fehlt

Raphael Bachmann ist das Sprachrohr vieler Anwohner des Tribschenquartiers.

Raphael Bachmann ist das Sprachrohr vieler Anwohner des Tribschenquartiers.

Bachmann bezweifelt, dass die Testpersonen tatsächlich nur mit dem Auto vor- und dann wieder wegfahren. Er befürchtet, dass sie nach dem Test bei einer Tankstelle aussteigen, in ein Einkaufszentrum gehen oder eine Apotheke aufsuchen – und somit weitere Personen in Gefahr bringen. Mehrere Anwohner stimmen ihm zu.

Das Misstrauen in die Bevölkerung scheint ein zentrales Problem zu sein. Pouskoulas appelliert an den Glauben in die Mitmenschen:

«Wir haben keinen Grund, davon auszugehen, dass sich die Betreffenden nicht an die Anweisungen des Hausarztes halten.»

Ein weiterer Punkt von Bachmann: Mit dem Testcenter würde man die Kranken aus dem gesamten Kanton Luzern mitten in die Stadt holen. Pouskoulas entgegnet, dass es natürlich im gesamten Kanton Personen gebe, die mit dem neuen Coronavirus infiziert seien – in der Stadt Luzern und der Agglomeration verzeichne man aber die meisten Coronafälle. Er stellt klar: «Alle, die einen Test brauchen, müssen sich auch testen lassen können.»

Zunächst keine Einigung in Sicht

Bachmann stellt klar, dass er keinesfalls das gesamte Projekt verhindern wolle. Nur die Lage des «Drive-In»-Testcenters sei eben sehr unglücklich gewählt. Er und die rund sechs weitere Anwesende verstehen nicht, warum ein Familienquartier als Standort gewählt wurde. Neben der erhöhten Ansteckungsgefahr sprechen sie den psychischen Druck an, der auf den Risikopatienten laste, wenn sie direkt vor ihrer Haustüre ein Testzentrum für Kranke sehen und somit noch massiver mit der Coronakrise konfrontiert werden würden. Als Alternative schlagen sie die Allmend vor.

Pouskoulas verweist auf die Nähe zum Labor und die IT-Infrastruktur – die Kantonsschule Alpenquai sei eben die optimale Wahl. Argumente, die für die Anwohner nicht genügen. Die Diskussion dreht sich im Kreis. Pouskoulas liefert immer wieder die gleiche Antwort; versichert den Anwohnern, dass für sie kein zusätzliches Risiko bestehe – die Bereiche seien klar abgetrennt. Den Kritikern leuchtet es nicht ein; auch sie beharren auf ihren Standpunkten.

Happy End für die Anwohner des Tribschenquartiers

Unmittelbar nach dem Gespräch bestätigt Pouskoulas noch, dass das Testcenter am Mittwoch voraussichtlich wie geplant am Alpenquai in Betrieb genommen werde. Allerdings weist er schon da darauf hin, dass die «Drive-In»-Station kurzfristig verlegt werden könne, sollte sich der Kantonale Führungsstab umentscheiden. Und tatsächlich – nur zwei Stunden nach dem Gespräch bauten die Zivilschützer ihre Zelte bereits wieder ab.

«Eine Nachbarin hat mich um 13 Uhr via Whatsapp über den Abbau informiert», erzählt Bachmann. Eine halbe Stunde später habe er dann einen Anruf von Vinzenz Graf erhalten: Das Testcenter werde auf die Allmend verlegt. Wie der Kanton später mitteilt, waren die Widerstände seitens der Anwohner und des Gewerbes ausschlaggebend.

Bachmann ist froh. Nicht weil er Angst um sich selbst gehabt hätte, sondern weil es eine Belastung für das gesamte Quartier gewesen wäre. Er ist überzeugt:

«Das ist der einzig richtige Entscheid. Es wäre unverantwortlich gewesen, hätte man die Anwohner dieser Gefahr ausgesetzt.»

Auch wenn sich die Verantwortlichen davor etwas «quergestellt» hätten, lobt der Unternehmer jetzt die Regierung: «Dass der Regierungsrat so schnell reagiert hat, zeugt von Führungsstärke. Hut ab!»

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