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«Nachgefragt»: Auch das reformierte Zürich wollte an Zwinglis Helm glauben

Das Landesmuseum Zürich gibt den angeblichen Helm Zwinglis als Leihgabe nach Luzern. Wir haben mit Erika Hebeisen, Kuratorin und Waffenexpertin am Landesmuseum Zürich, darüber gesprochen, wie sich die Sicht auf diesen mysteriösen Gegenstand aus dem 16. Jahrhundert verändert hat.
Simon Mathis
Erika Hebeisen.

Erika Hebeisen.

Erika Hebeisen, die Luzerner betrachteten Zwinglis vermeintlichen Helm nach der Schlacht in Kappel als Kriegstrophäe. Welche Bedeutung hatte der Helm für Zürich, als er 1848 der Stadtregierung übergeben wurde?

Der stramm reformierte Zürcher Oberst Ziegler hat den Helm wiederum als Kriegsbeute interpretiert – diesmal nach dem Sonderbundskrieg. Die Übergabe an die Regierung war ein pompöser Festakt. Spannend ist, dass das reformierte Zürich begann, an die in Luzern geprägte Geschichte des Helms zu glauben. Wie in der Zentralschweiz sehnte man sich auch in Zürich nach identitätsstiftenden Dingen zum Vorzeigen.

Was ist danach mit dem Helm geschehen?

Man hat ihn im Zeughaus ausgestellt, und zwar in einem Reliquienschrein neben dem Schwert Zwinglis, was den Glaube an die Echtheit des Helms noch erhärtet hat.

Wie hat man aufgedeckt, dass der Helm nicht echt ist?

Gewisse Zweifel bestanden schon immer. Wir haben das Reformationsjubiläum als Anlass genommen, in diese Richtung weiter zu forschen. Nun ist fachlich klar, dass er wohl nie Zwinglis Helm war.

Hat er dadurch seinen musealen Wert verloren?

Keineswegs. Seine Geschichte hat sich lediglich vom 16. ins 17. Jahrhundert verschoben. Er ist nun nicht mehr so eng mit der Reformation verbunden, dafür umso enger mit dem Konflikt zwischen katholischer und reformierter Schweiz. Die 300-jährige Geschichte kann man dem Gegenstand nicht mehr nehmen.

Der Helm wird aber schon wieder zurück nach Zürich kommen, oder?

Klar, der Helm ist eine Leihgabe. Wir freuen uns, ihn dem Historischen Museum Luzern anzuvertrauen. Es ist eine schöne Gelegenheit, seine Geschichte zu präsentieren und zu diskutieren. (sma)

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