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NACHGEFRAGT: «Careplay»-Verantwortlicher Casino Luzern: «Wir überwachen die Gäste nicht systematisch»

Diemo Kästner ist beim Casion Luzern zuständig für das Sozialkonzept «Careplay». Dieses soll dazu beitragen, dass aus der Spielfreude keine Spielsucht wird. Kästner erklärt, wie das Casino Luzern dieses umsetzt.
Diemo Kästner, «Careplay»-Verantwortlicher beim Casino Luzern. (Bild: PD)

Diemo Kästner, «Careplay»-Verantwortlicher beim Casino Luzern. (Bild: PD)

Obwohl das Vorgehen gegen Spielsucht den kommerziellen Interessen der Casinos widerspricht, hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren viel getan. Damit sich das Spielvergnügen in einem normalen Rahmen bewegt, leistet auch das Casino Luzern einen Beitrag. Zuständig für das Sozialkonzept Careplay ist dort seit neun Jahren Diemo Kästner (40). Der gebürtige Deutsche erklärt, welche Massnahmen intern getroffen werden, bevor das letzte Mittel der Sperre ergriffen wird.

Diemo Kästner, was halten Sie von Spielsperren?

Wir sehen Spielsperren als wichtiges Mittel an, damit unsere Gäste auf das Problem Spielsucht sensibilisiert werden. Es geht dabei nicht darum, jemanden durchgängig vom Glücksspiel abzuhalten. Aus unserer Erfahrung wissen wir aber, dass Spielsperren einen grossen Lerneffekt zur Folge haben können. Und nur schon die Möglichkeit einer Sperre kann einem Gast einem Denkanstoss geben. Wir begrüssen das Mittel daher sehr und setzen es auch selber um.

Selbst wenn dem Casino dadurch Einnahmen entgehen? Diese sind ja der ganzen Gesellschaft von Nutzen. Mit dem seit Jahren sinkenden Bruttospielertrag sinken auch die Steuerabgaben an die AHV.

Auch dann ist der Spielerschutz natürlich höher zu gewichten. Wir wollen ein sozial verträgliches Glücksspiel anbieten und gute Rahmenbedingungen für den Gast schaffen. Er soll Spass haben und sich wohl fühlen. Sollte er eine zu starke Affinität fürs Glücksspiel entwickeln und sogar in finanzielle Schwierigkeiten geraten, nutzen wir das sicher nicht aus, sondern gehen das Problem direkt an.

Indem Sie eine Sperre veranlassen?

Das ist erst das letzte Mittel. Ist eine Sperre ausgesprochen, dann haben wir wenig Einfluss auf die Entwicklung eines Gastes. Wir leisten deshalb schon vorher Präventionsarbeit, indem wir Kampagnen durchführen und im Casino Infobroschüren und Selbsterhebungsbögen platzieren. Mit Letzterem kann sich der Gast selber testen, ob er eine Affinität zum Glücksspiel hat, die über das normale Ausmass hinausgeht.

Und wenn das der Fall ist?

Dann verweisen wir ihn auf die Suchtberatung in Luzern oder die Hotline des schweizweiten Sozialkonzepts Careplay. Sehr wichtig ist zudem die Beobachtung im Casino: Alle unsere Mitarbeiter, die mit Gästen in direktem Kontakt sind, werden von der Hochschule Luzern speziell darauf geschult, gegen Glücksspielsucht vorzugehen. Gemeint sind etwa Croupiers, Barkeeper oder Angestellte bei der Kasse. Erkennen sie Anzeichen von problematischem Spielverhalten, sind sie angehalten, das sofort zu melden. Beim betroffenen Gast überprüfen wir dann beispielsweise die Besuchsfrequenz und beobachten die Entwicklung der Einsätze. Gibt es Auffälligkeiten, suchen wir das Gespräch.

Wie wird problematisches Spielverhalten denn erkannt?

Klassisch sind die Beobachtungskriterien: Wie häufig und wie lange besucht jemand das Casino? Verändern sich die Einsätze – sei es von hoch auf tief oder von tief auf hoch? Und gibt es eine Veränderung im Sozialverhalten? Ebenso kann problematisches Spielverhalten aufgrund der Aussagen des Gastes erkannt werden. Etwa wenn jemand sagt, dass er eigentlich nicht mehr so oft hätte kommen wollen. Oder, wenn der Gast sich negativ über seine finanzielle Situation äussert. Das kommt durchaus vor. Manchmal kommen auch Hinweise aus dem Umfeld des Gastes, von Angehörigen oder dem Arbeitgeber. Da wir ein mittelgrosses Casino sind, haben wir zudem ein überschaubares Gästefeld. Käme jemand täglich ins Casino, würde das auffallen. Wir intervenieren aber erst, wenn ein Grund besteht, und überwachen die Gäste nicht systematisch.

Wie geht das Casino danach vor? Oder anders gefragt, was kommt auf einen Gast zu, der wie von Ihnen beschrieben auffällig wird?

Zunächst nimmt sich dem Fall der Casino-interne Sozialrat an. Er bespricht, wie man dem Gast am besten helfen kann, und stellt ihm Fragen zu seiner finanziellen Situation und zu seinem Spielverhalten. Besteht kein Grund zur Sorge, wird entschieden, dass er weiterspielen kann. Gibt es aber eine Diskrepanz zwischen den Aussagen zu seiner Besuchsfrequenz und den tatsächlichen, vom Casino registrierten Zahlen, dann fordert der Sozialrat Dokumente über seine finanzielle Situation ein: einen Betreibungsregisterauszug, Einkommens- und Vermögensnachweise, Lohnabrechnungen und Kontoauszüge. So können wir uns ein Bild über seine Situation machen und entscheiden, ob wir ihn sperren oder nicht. Wenn er sich weigert, die Dokumente zu liefern, wird er auch gesperrt.

Als Gast hat man ja auch die Möglichkeit, sich selber zu sperren. Wie oft kommt das vor und wie oft wird die Sperre vom Casino veranlasst?

Aus unserer Sicht können wir sagen, dass um die 70 Prozent der Spielsperren freiwillig sind, sprich von den Gästen selbst initiiert sind. 30 Prozent der Sperren gehen auf unseren Entscheid zurück. Man kann also von einer grossen Eigenverantwortung reden. Das zeigt auch eine Studie, die 2016 von der Hochschule Luzern durchgeführt worden ist: Am zweithäufigsten gaben die Befragten präventive Gründe für die Sperre an. Viele sperren sich also schon, bevor sie in finanzielle Schwierigkeiten kommen und bevor sie ein Spielproblem entwickeln.

Und was war der häufigste Grund?

Dass der Gast gesagt hat, er habe zu viel Geld verloren. Das ist natürlich von der subjektiven Wahrnehmung abhängig.

Präventive Gründe und eine grosse Eigenverantwortung. Das klingt so, als wäre Spielsucht nicht wirklich ein Problem.

Das kann man so nicht sagen. Fälle, in denen der Gast sein Spiel nicht im Griff hat, gibt es auch. Sonst hätten wir ja nicht 30 Prozent angeordnete Sperren.

Werden Gäste, die sich entsperren lassen, bei zukünftigen Casino- Besuchen genauer beobachtet?

Ja. Zunächst werden dafür gemeinsam mit dem Gast Zielvorgaben definiert. Etwa wie häufig er ins Casino kommen will, welches Budget er einhalten will oder welche Spielangebote er nutzen will – zum Beispiel kann er sich auf Poker beschränken. Und wir empfehlen, nicht allein, sondern mit einem Partner ins Casino zu kommen. So sind die Sensibilität und die Eigenkontrolle grösser. Bis zu zwei Monaten nach der Sperre schauen wir dann, ob der Gast die Vorgaben einhält. Tut er das nicht, verlangen wir erneut finanzielle Dokumente. Läuft es gut, führen wir zum Abschluss nochmals ein Gespräch mit ihm. Zu erwähnen ist, dass pro Jahr nur 10 Prozent aller, die sich sperren lassen, eine Aufhebung beantragen. Die Übrigen bleiben bis auf Weiteres gesperrt. Daher steigt auch die Zahl der Spielsperren kontinuierlich an. (gjo)

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