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Interview

Nachgefragt: Darf ich wegen des Fuchsbandwurms nun keine Waldbeeren mehr essen?

Die Spitäler in Zürich und Bern verzeichnen immer mehr Fälle von Fuchsbandwurm. Wie sieht die Situation in Luzern aus? Wir haben mit dem Chefarzt für Infektiologie des Luzerner Kantonsspitals gesprochen.
Raphael Zemp

Nicht nur am Inselspital Bern macht man diese Beobachtung, sondern auch am Universitätsspital Zürich: Die Anzahl Patienten mit Fuchsbandwurmbefall nimmt stetig zu – wenn auch auf tiefem Niveau. Schweizweit kämen laut Expertenschätzungen jedes Jahr 50 bis 100 Patienten dazu, schreibt der «Tagesanzeiger» am Mittwoch. Wie stark der Kanton Luzern davon betroffen ist und was man gegen den heimtückischen Wurmparasiten tun kann, erklärt Marco Rossi, Chefarzt für Infektiologie des Luzerner Kantonsspitals (Luks).

Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie des Luks.

Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie des Luks.

Verzeichnet auch das Kantonsspital Luzern steigende Fuchsbandwurmfälle?

Marco Rossi: Wir sehen hin und wieder vereinzelte Fälle von Bandwurmbefall. Ob die Fallzahlen in der Tendenz zu- oder abgenommen haben, können wir indes nicht sagen. Darüber führen wir nicht Buch, auch weil keine Meldepflicht gilt.

Die Krankheit kann tödlich enden. Bei welchen Symptomen sollten die Alarmglocken schrillen?

So einfach lässt sich das nicht sagen. Denn das Perfide am Fuchsbandwurm ist: Man merkt lange nicht, dass man davon befallen ist. Betroffene tragen die Krankheit meist Jahre unbemerkt mit sich, bevor die Diagnose gestellt werden kann. Dies geschieht gelegentlich zufällig bei Röntgenuntersuchungen wegen anderen Fragestellungen oder bei der Abklärung von Organbeschwerden. Denn die Würmer bilden in der Leber und anderen Organen Zysten, die sehr langsam wachsen.

Wie lässt sich die Krankheit behandeln?

Die Behandlung hängt vom Stadium ab. Ist der Befall lokal, dann führt ein chirurgischer Eingriff zum Ziel. In fortgeschrittenen Stadien braucht es eine Kombination von Chirurgie mit langdauernder Medikamenteneinnahme. Im Extremfall braucht es eine lebenslange Therapie.

Die Patienten bleiben aber zumindest vom Tod verschont.

In seltenen Fällen können Ableger des Fuchsbandwurms ins Hirn gelangen und damit zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung führen. Dies kann trotz maximaler Therapie zum Tod führen. Bei den meisten Patienten lässt sich die Krankheit durch eine Langzeitbehandlung kontrollieren. Doch eine lebenslang notwendige Medikamenteneinnahme stellt eine erhebliche Belastung dar.


Eine Studie der Universität Wien hat herausgefunden, dass Jäger nicht häufiger als die nichtjagende Bevölkerung am Fuchsbandwurm erkranken, obwohl sie regelmässig in Kontakt mit Fuchskadavern stehen.

Dieser Befund erstaunt mich nicht. Denn nicht nur der Fuchs ist von diesem Parasiten befallen, sondern auch andere Tiere, wie etwa der Hund. Von den Hunden ist ein viel kleinerer Anteil befallen als von den Füchsen. Da die Menschen aber viel häufiger Kontakt mit Hunden haben dürfte dieser Übertragungsweg eine wichtige Rolle spielen.

Was heisst das konkret: Wer ist denn nun besonders gefährdet?

Wer mit der Natur und Tieren in Kontakt ist, der ist einem grösseren Befallrisiko ausgesetzt.

Darf ich fortan keine Waldbeeren mehr essen? Oder wie sonst kann ich verhindern, gar nicht erst von diesem tückischen Wurmparasiten befallen zu werden?

Dass man Beeren, aber auch Obst und Gemüse wäscht, macht Sinn. Nicht verkehrt ist auch ein hygienischer Umgang mit Tieren, insbesondere mit Hunden. All diese Schutzmassnahmen sind zwar gut gemeint, aber letztlich kaum umsetzbar. Denn es ist unrealistisch, dass man sich etwa nach jedem Kontakt mit dem eigenen Hund die Hände wäscht. Vor allem sprechen wir, wie bereits mehrmals betont, von einer sehr seltenen Krankheit. Wenn nun Eltern ihre Kinder deswegen nicht mehr in den Wald schicken, wäre dies die falsche Reaktion. Denn Kinder sterben viel eher im Strassenverkehr, als am Fuchsbandwurm.

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