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NACHGEFRAGT: Reto Wyss: «Kann mir die Vorbehalte auch nicht erklären»

Als Bildungsdirektor hat Regierungsrat Reto Wyss (CVP) die Entwicklung und auch die Kontroversen um die Einführung des Lehrplans 21 direkt mitverfolgt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt er die Signifikanz des neuen Lehrplans für den Kanton.

Reto Wyss, was bedeutet die Einführung des Lehrplans für den Kanton?

Der Start mit dem Lehrplan 21 stellt einen wichtigen Meilenstein dar, und zwar in mehrfacher Hinsicht. So vollendet diese Umsetzung die Schulentwicklung der letzten Jahre im Kanton Luzern, in dem die Unterrichtsentwicklung im Zentrum stand. Zudem wird erstmals ein ganzer Lehrplan für alle Fachbereiche in einem Schritt eingeführt. Und drittens ist diese Umsetzung natürlich auch ein grosser Schritt in der interkantonalen Zusammenarbeit.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Neuerung gegenüber dem bisherigen Lehrplan?

Meines Erachtens nach ist es die Kompetenzorientierung. Die Lernenden sollen in Zukunft nicht nur Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen, sondern diese auch in konkreten Aufgaben, zum Beispiel zur Lösung von Alltagsfragen, anwenden können. Diese Neuerung wurde oft missverstanden, denn man meinte, dass das Wissen nicht mehr gefördert werde. Das ist aber grundlegend falsch, denn Kompetenzen bauen auf dem Wissen auf.

Eine häufig gestellte Frage betrifft die Aussagekraft und Lesbarkeit der Zeugnisse. Sie liessen dies durch eine Arbeitsgruppe prüfen. Zu welchem Fazit kommt man?

Wir haben die Beurteilungsaspekte und die Übertrittsverfahren durch Fachpersonen aus der Schule und der zuständigen Dienststelle eingehend überprüfen lassen. Aufgrund dieser Überprüfung haben wir nun nur kleine Anpassungen vorgenommen, denn die bisherigen Verfahren und Instrumente haben sich bewährt. Zum Beispiel sind die Fachbezeichnungen angepasst worden. Oder es findet neu in jedem Schuljahr ein Beurteilungsgespräch mit den Eltern statt. Den Lehrpersonen stehen zudem für die Beurteilung der Lernenden neue Fremdbeurteilungsunterlagen zur Verfügung.

Wie erklären Sie sich den Widerstand und die Initiativen in diversen Kantonen gegen die Einführung des neuen Lehrplans?

Ich habe Verständnis, dass eine solch grosse Neuerung zu Beginn auch Skepsis und Vorbehalte auslöst. Aber nach genauer Begutachtung des Lehrplans und nach den zahlreichen sehr positiv verlaufenen Einführungsveranstaltungen und -kursen kann ich mir diese Vorbehalte eigentlich aktuell auch nicht erklären. Ich lade deshalb alle ein, sich mit dem Lehrplan und der Umsetzung auseinanderzusetzen, denn so können die vorhandenen Vorurteile am besten beseitigt werden.

Im Kanton Luzern wird der Lehrplan 21 durch die Volksinitiative «Bildungsreformen vors Volk» hinterfragt. Ist eine Abkehr überhaupt noch möglich?

Es wäre auf jeden Fall nicht so rasch möglich, denn der Kanton Luzern müsste einen eigenen Lehrplan entwickeln, da die heutigen Lehrpläne bereits mehr als 20 Jahre im Einsatz sind und natürlich inhaltlich Lücken aufweisen. Möglicherweise müssten in einigen Fächern sogar neue Lehrmittel entwickelt werden, da die aktuellen Lehrmittel natürlich für den Lehrplan 21 konzipiert wurden. Auf jeden Fall würden Millionenkosten auf den Kanton zukommen, was angesichts der finanziellen Lage sehr schwierig erklärbar wäre. (io)

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