NACHRUF: Luzerner-Kantorei-Gründer Franz Kaufmann ist verstorben

Als Gründer der Luzerner Kantorei hat er für unzählige Kinder und Jugendliche eine musikalische Heimat geschaffen. Jetzt ist Franz Kaufmann im Alter von 84 Jahren verstorben.

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Franz Kaufmann 2010 in seinem Arbeitszimmer in Sempach, mit seinem Buch «Musik erleben, lernen und geniessen» in seinen Händen. (Bild: Roger Grütter (7. Dezember 2010))

Franz Kaufmann 2010 in seinem Arbeitszimmer in Sempach, mit seinem Buch «Musik erleben, lernen und geniessen» in seinen Händen. (Bild: Roger Grütter (7. Dezember 2010))

Er sei «der wohl musikalischste Nicht-Musiker», schrieb unsere Zeitung 2010 über Franz Kaufmann. Er sang als Bub im Chor und spielte im Schülerorchester Cello, doch für eine seriöse Musikerkarriere habe ihm «die Disziplin gefehlt», wie er selber sagte. Die Innerschweizer Musikszene hat er geprägt wie kein Zweiter – mit interessanten, klug provozierenden Buchpublikationen, vor allem aber mit der von ihm 1992 gegründeten Luzerner Kantorei, einem Chor für Buben und Mädchen von 5 bis 20 Jahren.

Am 28. März ist Franz Kaufmann im Alter von 84 Jahren gestorben. Das Karfreitagskonzert der Luzerner Kantorei mit dem Orchester Emmen wurde spontan zum Gedenkanlass für den Verstorbenen. Mit Werken von Arvo Pärt und Luigi Cherubini berührte es die Anwesenden tief.

Kaufmann war überzeugt, dass die musischen Fächer in der Schule zu kurz kommen. Mit der Kantorei verfolgte er drei Ziele: Sie soll von professionellen Lehrpersonen geleitet werden, gleichberechtigt auch für Mädchen zugänglich sein und auch Kindern aus ländlichen Gegenden Chancengleichheit bieten. Tausende junge Menschen fanden in ihr eine musikalische Heimat und konnten «ihr Talent und ihre Freude am Singen unter gleichgesinnten Freunden entfalten und durch Konzerte und Auftritte Erfolg und Anerkennung erfahren», wie es auf der Website des Chors zu Recht heisst.

Franz Kaufmanns Bewunderung galt nicht nur Aufführungen im KKL und im Luzerner Theater, sondern auch den hochstehenden Konzerten der Blasmusik, des Jazz und des Jodelns. Das machte er in seinem Buch «Musik erleben, lernen und geniessen» deutlich. An die Musikschulen stellte er auch ganz praktische Forderungen. Um etwa Verkrampfungen und Fehlhaltungen zu verhindern, brauchten die Schüler vom Anfang bis zum Schluss «die besten Lehrer».

Franz Kaufmann war von Beruf Gymnasiallehrer. Von 1965 bis 1999 unterrichtete er an den Kantonsschulen in Luzern und Reussbühl. Ich selber durfte während sechs Jahren bei ihm Französisch lernen. Er war ein strenger, fordernder Lehrer. Aber auch einer, der einem mit seinem immensem Wissen und seiner von Neugier und Offenheit geprägten Art ein Fach auf unvergleichliche Weise näher bringen konnte.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch