NACHTS IN LUZERN: Heisse Party in und vor den Beizen

Verkehrte Welt am Schmutzigen Donnerstag: Statt zu frieren, genossen die Fasnächtler auch noch spät abends milde Temperaturen. Frühlingsgefühle waren da unvermeidlich.

Natalie Ehrenzweig
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Besucher tanzen im «Stadtkeller» zur Musik der Wäsmali-Chatze. (Bilder: Philipp Schmidli (Luzern, 23. Februar 2017))

Besucher tanzen im «Stadtkeller» zur Musik der Wäsmali-Chatze. (Bilder: Philipp Schmidli (Luzern, 23. Februar 2017))

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

Die Fasnacht 2017 wird manchem Beizer in Erinnerung bleiben. Weil der Frühling schon vor der Fasnacht ausgebrochen war, blieben die Lokale halb leer. «Den Winter haben wir halt schon vertrieben», sagt ein Bruchpilot lachend, der abends vor dem Restaurant Portofino sein Steinpilz-Risotto isst. «Das ist das erste Mal, dass wir an der Fasnacht draussen Znacht essen», sagt seine Begleiterin. Es sei angenehmer, wenn man an der Fasnacht nicht friert oder nasse Füsse bekommt, finden die Buchrainer.

An der Fasnacht sind wir uns gewohnt, vor den Beizen anzustehen, um reinzukommen. Und dann wieder anzustehen, um einen Tisch zu ergattern. Das war dieses Jahr nicht so: Sogar in der Wirtschaft zur Ente, der Stammbeiz der Vereinigten Guuggenmusigen, gab es freie Plätze, und man konnte gemütlich reinspazieren. «Wenn es so warm ist, dann merken wir, dass mehr Leute draussen sind», erklärt eine Angestellte. «Doch langweilig ist uns trotzdem nicht. Und kalt und nass soll es ja auch noch werden. Die Nacht ist noch jung.»

Tarzan und Gorillas im Dschungel

Die Gassen sind – für den Schmutzigen Donnerstag – recht voll. Auch zwischen dem Bistro du Théâtre und der «Ente» ist kaum ein Durchkommen. Im Bistro werden die Fasnächtler im Dschungel willkommen geheissen. Die tolle Dekoration haben sich einige Fasnächtler zu Herzen genommen. Im Lokal werden auch Gorillas und ein Tarzan gesichtet. «Mein Motto gefällt mir besser», meint eine Steampunkerin aus Inwil amüsiert.

Seit 5.10 Uhr am Donnerstagmorgen spielen im «Stadtkeller» Formationen und Guuggenmusigen praktisch ohne Unterbruch. «Wir sind das zweite Mal hier an der Fasnacht. Und natürlich kommen wir wegen der Guuggenmusigen», sagen zwei Stanserinnen an einem der vordersten Tische. Sie freuen sich auf die Pilatusgeister und die Wäsmali-Chatze. Kaum stimmen die Wäsmali-Chatze ihr erstes Stück an, schunkeln die beiden Frauen mit. Auch das restliche Publikum tanzt und klatscht zu alten Hits wie «Er hat ein knallrotes Gummiboot».

Kein Gehör für die Musik hat ein junger Mann von den Ämmer Chacheler. Er braucht dringend ein Stück Papier, um den Namen seiner Eroberung zu notieren. Es scheint ernst, denn er malt neben dem Namen ein Herz.

Gut Platz findet man auch im «Fritschi», im Restaurant wie auch in der Bar. Es hat fast weniger Leute als unter dem Jahr, sodass man sich irgendwie ver­loren fühlt. Dafür tummeln sich draussen viele Verkleidete. Dort werden epische Kämpfe ausgefochten, so beispielsweise zwischen einem Mädchen mit «Star Wars»-Schwert und Cäsar. Wer den Sieg davontrug, ist nicht überliefert.

Das warme Wetter treibt die Fasnächtler nach draus­sen, auch wer gar nicht unbedingt an die Fasnacht wollte, stürzt sich angesichts der Milde noch in ein Kostüm, um durch die Gassen zu schlendern. Und wer dachte, dass eine Eisbärverkleidung für die Fasnacht schlau ist, weil man dann schön warm hat, erleidet fast schon einen Hitzschlag, auch wenn Räume gemieden werden. Doch der Rest der Fasnacht soll ja nicht ganz so warm werden. Am Montag sind 14 Grad vorhergesagt, abends um 22 Uhr noch 4 Grad. Das freut die Eisbären sicherlich.