NACHWUCHS: Gesucht: Junge, engagierte Fasnächtler

Die Maskenfreunde suchen per Inserat Fasnächtler. Und selbst die grossen Zünfte und Gesellschaften haben Nachwuchssorgen.

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Mit Nachwuchsproblemen: die Vereinigung Luzerner Maskenfreunde, hier am Fasnachtsumzug 2008 gemeinsam mit dem Tambourenverein der Stadt Luzern. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Mit Nachwuchsproblemen: die Vereinigung Luzerner Maskenfreunde, hier am Fasnachtsumzug 2008 gemeinsam mit dem Tambourenverein der Stadt Luzern. (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

50 Mitglieder haben die Maskenfreunde derzeit – «vor zehn Jahren waren es noch 100», sagt Vorstandsmitglied Alois Häcki. Von den 50 Mitgliedern sind nur 20 aktiv. Per Zeitungsinserat sucht die Vereinigung Luzerner Maskenfreunde darum «wilde Fasnächtler». Ziel sei es, zehn junge Fasnächtler für die Maskenfreunde zu gewinnen, sagt Häcki. «Jung, das heisst bei uns unter 50.»

Noch können die Maskenfreunde mit eigenem Sujet am Umzug teilnehmen, doch es werde schwieriger, den Wagenbau zu bewältigen. «Zur Not muss man dann eben Abstriche machen. Denn mehr Arbeit für den Einzelnen, das geht nicht», sagt Häcki. Die Inserate seien eine mittelfristige Massnahme, um der Überalterung entgegenzuwirken.

Überalterung in den Zünften
Auch bei den grösseren Zünften und Gesellschaften werden die Fasnächtler immer älter. «Obwohl die Strassenfasnacht immer noch wächst, wird es für die Zünfte schwieriger, geeignete junge Leute zu finden», sagt Andréas Härry, Sprecher des Luzerner Fasnachtkomitees (LFK). «Die Jungen für die Fasnacht zu begeistern, ist einfach, sie zum Schaffen zu bewegen, schwieriger.»

Noch gebe es zwar kein akutes Nachwuchsproblem, aber: «Die Personaldecke wird allgemein dünner. Es reicht noch aus, aber wir haben keine Reserven mehr», sagt Härry, Mitglied der Maskenliebhaber Gesellschaft der Stadt Luzern. Obwohl sich derzeit noch genügend Junge finden liessen, sei es schwieriger, die richtigen Leute für die Zünfte zu gewinnen: «Früher konnte man warten, bis die Leute kamen, heute muss man selber aktiv werden.»

50 aktive und 50 Ehrenmitglieder haben die Maskenliebhaber heute. «Die Krise ist bei uns noch nicht ausgebrochen: Wir können diejenigen ersetzen, die von den Aktiven in die Ehrenmitgliedschaft übergehen», sagt Härry.

Die Fidelitas Lucernensis kämpfe jedes Jahr mit Personalproblemen beim Wagenbau, sagt Vize-Dominus Harry Gisler. «Wir sind immer wieder gefordert, ausreichend handwerklich geschickte Leute aus unserem Kreis aufzubringen beziehungsweise zu motivieren. Aber irgendwie klappt es immer.» Das Durchschnittsalter bei der Fidelitas liegt bei etwa 55 Jahren.

Die Wey-Zunft ist stolz, dass sie ihr Durchschnittsalter senken konnte. «Obwohl wir einige fast 100-Jährige haben, dürften wir bald unter die 50 kommen», sagt Präsident Werner Rast. Doch auch für die Wey-Zunft sei es schwierig, interessierten und engagierten Nachwuchs zu finden: «Dafür braucht es grosse Anstrengung aller Zünftler.»

Fritschi hat genug Gefolge
Frei von Nachwuchssorgen ist die Zunft zu Safran. 18 Neuzünftler hat die älteste und grösste Luzerner Zunft im vergangenen Jahr aufgenommen, heuer sind 12 Anwärter im Aufnahmeverfahren. «Das ist eine sehr erfreuliche Anzahl junger Zünftler», sagt Beat Lötscher, Präsident der Aufnahmekommission. Zwar ändere sich auch hier die demografische Zusammensetzung, doch mit rund 440 Zünftlern hat Fritschis Gefolge keine Nachwuchssorgen.

Auch die Guuggenmusigen müssen sich keine Sorgen machen. «Die Zahlen bleiben ungefähr gleich. Es gibt zwar immer wieder Guuggenmusigen, die sich auflösen, aber dafür entstehen auch neue mit sehr tiefem Durchschnittsalter», sagt Linus Jäck, Präsident der Vereinigten Guuggenmusigen Luzern. Über 90 Gruppen mit gesamthaft etwa 4000 Mitgliedern sind hier organisiert. Insgesamt schätzt Jäck die Zahl der Guugger in Stadt und Agglomeration Luzern auf 6000 bis 8000.

Obwohl es für die meisten Zünfte schwieriger wird, muss man sich um die Fasnacht an sich also keine Sorgen machen.

Das bestätigt auch LFK-Präsident und Wey-Zünftler Roger Ulrich. Er beobachtet, dass die Bereitschaft, bei Fasnachtsanlässen einzuspringen, bei vielen noch gross ist. Und: «Die Freiwilligen, die uns helfen, haben auch ihren Spass daran.»

Silvia Weigel/Neue LZ