NAMENSSCHUTZ: Luzern steht auch für Keramik, Kosmetik – und für Milchprodukte

Was ist Luzern? Weit mehr als eine Schweizer Stadt, wie unsere Recherche zeigt. Das hat historische Gründe – und kommerzielle. Sogar ins Gesicht streichen lässt sich Luzern.

Gabriela Jordan
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Geschirr namens Luzerne, hergestellt in Singapur. (Bild: Screenshots der Firmen-Internetseiten/Getty)

Geschirr namens Luzerne, hergestellt in Singapur. (Bild: Screenshots der Firmen-Internetseiten/Getty)

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Jeder kennt das frittierte Gebäck namens Berliner, den berühmten Hamburger oder das nach der französischen Hauptstadt benannte Kondom Pariser. Weniger bekannt ist, dass auch der Name Luzern für viel mehr als eine Schweizer Stadt steht. Wie eine Internet-Recherche zeigt, heissen weltweit allerlei Dinge und Orte Luzern – oder Lucerne. So etwa Ortschaften in den US-Bundesstaaten Colorado, Washington oder Kalifornien. In Letzterem gibt es auch den Lake Lucerne (Luzerner See) und das Lucerne Valley (Luzerner Tal).

Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass Luzern ein antiker Kolonialname war. Dieser wurde – vermutlich von Schweizern – mehrfach nach Nordamerika übertragen. Der Lake Lu­cerne beispielsweise soll seinen Namen einst wegen der Ähnlichkeit zum Vierwaldstättersee erhalten haben. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» einmal schrieb, nannte die dortige Bezirksverwaltung in einem Dokument aus dem Jahr 1888 die Gegend «Switzerland of America» und wollte potenziellen Zuzügern so die Region anpreisen.

Viele Produkte oder Dinge, die unter dem Namen Luzern zu finden sind, haben ihren Ursprung deshalb in den USA. Zum Beispiel die Kosmetikartikel der amerikanischen Firma Luzern Laboratories, bei welchen «Luzern» in silbriger Schrift auf der Verpackung prangt. Laut der Homepage haben die Gesichtsmasken oder Reinigungswässerchen aber eine Verbindung zur Schweiz: Die Produkte sollen hochwertige Pflanzen aus den Schweizer Alpen enthalten. Ob die Firma den Namen deswegen wählte oder ob das Label bei ihr allenfalls als Synonym für Ästhetik oder Qualität gilt, ist unklar.

Auch gibt es die Pflanze namens Luzerne oder Alfalfa, die jedoch nichts mit oben genannter Firma zu tun hat. Die Luzerne gehört zur Pflanzengattung des Schneckenklees und wird weltweit als Viehfutter angebaut.

Geschirr: 28 Millionen Stück pro Jahr

Ebenfalls aus den USA stammt die Firma Lucerne Foods, die vor allem für ihre Molkereiprodukte (Lucerne Dairies) bekannt ist. Unter dem Namen Luzerne produziert die Schwesterfirma eines singapurischen Konzerns wiederum Keramikprodukte – bis zu 28 Millionen Stück pro Jahr. Die Schüsseln, Teller oder Tassen werden unter anderem in Luxushotels wie Mariott und Four Seasons verwendet wie auch bei den Singapore Airlines.

Manchen Leserinnen und Lesern ist wahrscheinlich das Automodell Buick Lucerne ein Begriff. Es wurde von General Motors bis im Juni 2011 hergestellt.

Auf Wikipedia findet sich zudem ein Eintrag über den Luzerner Hammer, eine Stangenwaffe, die auch Falkenschnabel genannt wird. Sie wurde zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert im Krieg vor allem vom einfachen Fussvolk benutzt. Seinen Namen verdankt der Hammer einem Massenfund in der Nähe «unseres» Luzerns. Der Hammer wurde übrigens auch schon auf Ricardo versteigert. Und unter der Bezeichnung «The Lucerne» hat er sogar Eingang in das Computerspiel «Dark Souls III» gefunden. Dort dient er dazu, Schilde zu durchbrechen.

Vergangene Gerichtsfälle zeigen, dass gleiche Namen auch zu Krach führen können. Prominentestes Beispiel ist wohl der jahrzehntelange Namensstreit zwischen zwei Brauereien um den Markennamen Budweiser. Kürzlich kündigte zudem das isländische Aussenministerium an, gegen eine britische Supermarktkette vorzugehen, die sich nicht nur «Iceland» nennt, sondern zunehmend auch Produkte unter diesem Namen verkauft.

Gemäss schweizerischem Namensschutz sind Städte und Kantone berechtigt, gegen eine widerrechtliche Verwendung ihres Namens vorzugehen. Das gilt auch für Luzern. Dies erklärt auf Anfrage Philipp Berger, Kommunikationsbeauftragter des Kantons. Eine solche Intervention sei aber nur möglich, wenn tatsächlich eine Beeinträchtigung rechtlich schützenswerter Interessen vorliege, führt Berger aus. Dies könne der Fall sein, wenn es etwa die Gefahr einer Verwechslung oder Täuschung gebe. Allein die Tatsache, dass eine Firma den Namen Luzern verwendet, reiche nicht für eine Klage auf Unterlassung oder gar Schadenersatz.

Im Allgemeinen würden Kantone, Städte oder Bezirke nur selten von ihrem Namensschutz Gebrauch machen. Zuletzt habe die Staatskanzlei vor etwa drei Jahren bei einem Einzelunternehmen interveniert, weil dessen Logo – abgesehen von der Schriftart – exakt dem Kantonslogo entsprochen habe. Als Folge musste die Firma ihr Logo ändern. Bei den übrigen genannten Firmen sieht Berger aber keinen Handlungsbedarf: «Es besteht kein Hinweis, dass die Firmen den Namen Luzern in ein schlechtes Licht rücken.»

Über Verwechslungen freuen sich die Touristen

Eine häufige Verwendung des Namens Luzern muss jedoch nicht immer negativ sein: Luzern Tourismus zum Beispiel macht vorwiegend positive Erfahrungen, wie Sprecherin Sybille Gerardi auf Anfrage sagt. «Wir erhalten etwa Rückmeldungen von amerikanischen Gästen in Luzern, die ein Lucerne-Joghurt mit unserer Stadt in Verbindung bringen.»

Kürzlich habe ihr ausserdem ein Tourist, der zuvor in Singapur war, voller Freude von seinem dortigen Kauf erzählt – er hat im Souvenirshop eine «Luzerne-Tasse» ergattert. «Wenn der Name Luzern – in positivem Sinne – in die Welt hinausgeht, ist das für uns gut», ergänzt Gerardi. Trotzdem hat Luzern Tourismus allerdings sein Logo mit der gespiegelten Schrift schützen lassen – in der Schweiz und in mehreren anderen Ländern.

Kosmetikartikel der amerikanischen Firma Luzern Laboratories. (Bild: Screenshots der Firmen-Internetseiten/Getty)

Kosmetikartikel der amerikanischen Firma Luzern Laboratories. (Bild: Screenshots der Firmen-Internetseiten/Getty)

Amerikanischer Käse der Firma Lucerne Foods. (Bild: Getty)

Amerikanischer Käse der Firma Lucerne Foods. (Bild: Getty)