Nationale Impfwoche
Guido Graf appelliert an die Ungeimpften: So bestreitet der Kanton Luzern die nationale Impfwoche

Der Luzerner Gesundheitsdirektor hat das Luzerner Programm zur nationalen Impfwoche vorgestellt. Unter anderem gibt es die Impfung jetzt auf Bestellung. Doch um die angepeilte Impfquote von 80 Prozent zu erreichen, fehlt noch einiges.

Dominik Weingartner
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Die Zahl der Personen, die sich im Kanton Luzern aktuell für eine Impfung gegen das Coronavirus entscheiden, ist überschaubar. Von Montag bis Donnerstag liessen sich gerade mal 682 Personen die erste Dosis verabreichen. Laut dem Bundesamt für Gesundheit sind 64,7 Prozent der Luzernerinnen und Luzerner mindestens einmal gegen Corona geimpft. Das Ziel von Gesundheitsdirektor Guido Graf ist eine Impfquote von 80 Prozent. Um das zu erreichen, fehlen laut David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport, 64'000 weitere Personen, die sich impfen lassen.

Ein ambitioniertes Ziel. «Wir hoffen auf einen Schub durch die nationale Impfwoche», sagte Dürr am Freitag bei der Präsentation des Luzerner Programms für die kommende Woche. Während der Impfwoche wird ein Infomobil, ein alter VW-Bus, durch den Kanton fahren. Dieses stellt Infomaterial rund um das Impfen bereit und verfügt über Fachpersonen, die Fragen beantworten können. Das Infomobil ist am 13. und 14. November an der Zentralschweizer Bildungsmesse Zebi stationiert. Das Ziel sei, gezielt Jugendliche abzuholen, denn in dieser Altersgruppe sei die Impfquote «relativ schlecht», wie Kantonsapotheker Stephan Luterbacher sagte.

Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf vor dem neuen Infomobil zur Coronaimpfung.

Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf vor dem neuen Infomobil zur Coronaimpfung.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 5. November 2021)

Der Kanton nimmt die Aktionswoche aber auch zum Anlass, um neue Impfangebote zu lancieren. So ist es künftig für Gruppen ab fünf Personen möglich, eine Impfequipe zu sich nach Hause kommen zu lassen. Zudem eröffnet der Kanton ein neues Impfzentrum in Hochdorf. Während der Impfwoche werden zudem auf der Autobahnraststätte Neuenkirch Ost Impfungen verabreicht. Und das Luzerner Kantonsspital impft künftig auch wieder an den Standorten Sursee und Wolhusen (eine detaillierte Übersicht über alle Impfangebote finden Sie hier).

Janssen-Impfstoff ist ein Ladenhüter

Bestehende Angebote wie das dezentrale Impfen, der Impftruck oder das Impfschiff werden weitergeführt, nächste Woche zum Teil mit erweiterten Betriebszeiten. So können sich etwa Besucherinnen und Besucher der Ikea in Rothenburg während der ganzen Woche zu den regulären Öffnungszeiten impfen lassen. Auch die kantonalen Impfzentren sind kommende Woche täglich in Betrieb, was ansonsten schon länger nicht mehr der Fall war.

Für die Impfung auf Bestellung und auf der Autobahnraststätte Neuenkirch wird der Impfstoff Janssen des Herstellers Johnson & Johnson eingesetzt. Das hat zum einen logistische Gründe, weil bei Janssen eine Dosis für den Impfschutz reicht, wie Stephan Luterbacher erklärte. Aber es kommt hinzu, dass der seit Mitte Oktober verfügbare Impfstoff ein Ladenhüter ist. Von den 7150 Janssen-Dosen, die dem Kanton Luzern zur Verfügung stehen, seien erst rund zehn Prozent verabreicht worden, so Luterbacher. Regierungsrat Graf hatte gehofft, dass der Janssen-Impfstoff viele Skeptiker umstimmen könnte, weil dieser nicht auf der teils umstrittenen mRNA-Technologie basiert. Doch diese Hoffnung habe sich nicht erfüllt, räumte der Gesundheitsdirektor am Freitag selber ein.

30 Prozent der Intensivpatienten haben Corona

Graf betonte zum wiederholten Male, wie sehr die Pandemie an den Kräften des Personals in seinem Departement und im Gesundheitswesen zehre. Er richtete sein Wort an die Ungeimpften:

«Die Impfung hat die grösste Hebelwirkung, um den Ausstieg aus der Pandemie zu erreichen.»

Pro 50 neue Impfungen gebe es einen Spitaleintritt weniger, pro 150 neue Impfungen einen Fall weniger auf den Intensivstationen. «Das zeigt: Es lohnt sich, diese Fleissarbeit zu machen», sagte Graf. «Wir müssen Sorge tragen zum System Gesundheitsversorgung und zu den Mitarbeitenden.»

Auch David Dürr betonte, wie sehr die Pandemie das Gesundheitssystem belastet. «Wir können nur noch 42 Intensivpflegebetten betreiben, weil wir zu wenig Personal haben», sagte er. Der Kanton veröffentlicht jeweils Mitte Woche eine detaillierte Übersicht über die Auslastung der Intensivstationen. Am vergangenen Dienstag waren gemäss Dürr rund 30 Prozent der Betten von Covid-Patienten besetzt. «Es waren nur noch zwei Betten frei. Ein Unfall, und die Intensivpflegeplätze sind voll.»

Graf ärgert sich über zögerliche Bundesbehörden

Derweil werden immer mehr neue Coronainfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Kanton Luzern gegenüber der Vorwoche um fast 50 Prozent angestiegen, am Donnerstag wurden 134 neue Fälle registriert. Umso wichtiger wird nun die Auffrischungsimpfung für besonders gefährdete Personengruppen. Guido Graf machte am Freitag keinen Hehl daraus, dass ihn die zögerliche Haltung des Bundes in dieser Frage ärgert. «Ich hätte mir gewünscht, dass der Bund die Booster-Impfung schneller zulässt.»

Bereits seit Donnerstag bietet das Kantonsspital in Luzern Auffrischungsimpfungen für Personen über 65 Jahren und besonders gefährdete Personen an, deren letzte Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Ab Montag bieten auch die Standorte Sursee und Wolhusen Booster-Impfungen an. Während der Impfwoche ist dies ohne Anmeldung möglich. Jedoch empfiehlt der Kanton eine Anmeldung über das Patientenportal MeinLuks, um Wartezeiten zu vermeiden.

Auch der Heimverband Curaviva bereite sich auf die Auffrischungsimpfungen vor, teilte der Kanton mit. Die ersten Dosen würden voraussichtlich bereits während der nationalen Impfwoche verabreicht. Ab dem 15. November werden auch in den kantonalen Impfzentren in Luzern, Willisau und Hochdorf Auffrischungen auf Voranmeldung möglich sein.

Beitrag; PilatusToday

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