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Nationale Wahlen: Luzerner CVP-Politiker geben sich am sportlichsten

Wer in den National- oder Ständerat will, legt Wert auf Sportlichkeit und Naturverbundenheit. So suchen Luzerner Kandidaten die Identifikation mit ihren Zielgruppen.
Lukas Nussbaumer

Die 252 Luzerner Nationalratskandidaten und die 7 Anwärter auf einen Sitz im Ständerat befinden sich im Wahlendspurt. Abgewunken wird das Rennen in neun Tagen, am 20. Oktober. Dann zeigt sich, ob die Betonung der eigenen Sportlichkeit in einem Sitzgewinn mündet. Oder ob der Ausdauerlauf in die Kategorie «Mitmachen ist wichtiger als Siegen» fällt.

Auffällig ist, wie sportlich sich die meisten Spitzenkandidaten auf den Hauptlisten der sechs grossen Luzerner Parteien geben. Am sportlichsten stellen sich auf Webseiten, Newslettern und in den sozialen Medien Politikerinnen und Politiker aus den Reihen von CVP, GLP und FDP dar. Weniger Wert auf ihre Fitness legen Mitglieder von SVP, SP und Grünen.

CVP mit stärkster Liste – und den sportlichsten Kandidaten

Dass CVP-Präsident Christian Ineichen begeisterter Marathonläufer und Bergsteiger ist, wissen die Luzerner Wähler – er kandidierte schon 2015. Wer sich ein genaueres Bild machen will über die sportlichen Aktivitäten des Marbachers, wird auf seiner Webseite mehr als fündig. Andrea Gmür, die wieder für den Nationalrat und auch für den Ständerat kandidiert, wird von der Partei in einem Newsletter als «schnellste Skifahrerin im Parlament» angepriesen.

(Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

(Bild: Gian Ehrenzeller / Keystone)

Auf ihrer Webseite gibt die Stadtluzernerin, die meist mit dem Velo unterwegs ist, unter ihren Hobbys zudem Joggen an.

Grossen Wert auf ihre sportlichen Leistungen legen auch der bisherige Nationalrat Leo Müller («war sogar schon auf dem Kilimanjaro»)

(Bild: PD)

(Bild: PD)

, Josef Wyss («knallharter Jogger») oder Inge Lichtsteiner («Bewegungsfanatikerin»). Die bisherige Nationalrätin Ida Glanzmann ist immerhin OK-Präsidentin der Seilzieh-WM 2022 in Sursee und gibt unter Hobbys an dritter Position «Velofahren» an. Priska Wismer als weitere Spitzenkandidatin auf der fast nur Schwergewichte umfassenden CVP-Liste betont ihre Sportlichkeit weniger, als Bäuerin dafür ihre Verbundenheit zur Natur – und ihre Liebe zum Jodeln.

FDP-Anwärter lieben Sport – auch passiv

Die Liste der Freisinnigen umfasst weniger Spitzenkandidaten als jene der Christdemokraten. Und sie zählt gemäss Eigendeklaration auch weniger aktive Sportler. Nationalrat Peter Schilliger jedoch ist Sport wichtig. Sein Hobby-Nummer 1 ist Tennis, auf seiner Webseite tritt er aber als Jogger in Erscheinung, wie hier am Swiss City Marathon 2014.

(Bild: Philipp Schmidli)

(Bild: Philipp Schmidli)

Der zweite FDP-Nationalrat Albert Vitali zeigt keine Bilder als aktiver Sportler. Unter seinen Hobbys reihen sich nach Jodeln aber gleich Schwingen, Skifahren und Wandern ein. Ausserdem hat sich Vitali als OK-Präsident von unzähligen Schwingfesten (und Jodleranlässen) einen Namen gemacht.

Damian Hunkeler betont seine sportliche Seite nicht, gibt aber unter seiner Vereinsmitgliedschaft «Yachtclub Tivoli Luzern» an, 1985 Schweizer Meister in der Bootsklasse Fireball geworden zu sein. Eine richtige Sportskanone ist Anne-Sophie Morand. Sie ist Triathletin, ehemalige NLA-Fussballerin und zudem Jugend-und-Sport-Expertin im Tennis. Auch Jacqueline Theiler treibt in ihrer Freizeit gerne Sport. Ihr haben es Skifahren und Wandern angetan.

Für die Spitzenkandidaten der GLP hat Sport einen hohen Stellenwert

Von den vier aussichtsreichsten Kandidaten der GLP geben sich drei sehr sportlich oder zumindest sportlich: Roland Fischer,

Roland Fischer ist begeisterter Biker. (Bild: PD)

Roland Fischer ist begeisterter Biker. (Bild: PD)

Michèle Graber, Claudia Huser. Nur Laura Kopp äussert sich nicht zu sportlichen Aktivitäten. Sie postet dafür fleissig Naturbilder auf Facebook.

SVP: Favoriten lieben das Wandern – und Listenfüller den Sport

Für die Spitzenkandidaten der SVP steht der Sport nicht an erster Stelle. Zwar bikt und wandert der bisherige Nationalrat und Ständeratskandidat Franz Grüter, auch Nationalrätin Yvette Estermann und Parteipräsidentin Angela Lüthold schnüren gerne die Wanderschuhe.

Nationalrat Felix Müri und Kantonsrätin Vroni Thalmann hingegen äussern sich nicht zu allfälligen sportlichen Aktivitäten. Müri etwa gibt als Hobbys «Reisen, Haus und Garten» an. Unter den weiteren Kandidaten fallen Oliver Imfeld und Dieter Haller auf: Haller war Ringer in der 1. Mannschaft des RC Willisau, Imfeld betätigt sich «so oft als möglich sportlich».

Grosse Unterschiede bei den chancenreichsten Kandidaten der SP

Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo gibt an, in ihrer Freizeit «unter anderem sportlich unterwegs» zu sein. Sei das beim Velofahren, Wandern oder auf den Langlaufskis, wie auch Bilder auf ihrer Webseite belegen. David Roth zeigt zwar ein Bild von sich in den Bergen, äussert sich sonst aber nicht zu sportlichen Tätigkeiten, ebenso wenig Ylfete Fanaj und Yvonne Zemp.

Anders Hasan Candan. Er ist nicht nur fleissiger Jogger, sondern auch Fussballer und Langläufer. Wen wunderts: Candan hat ein Sportstudium abgeschlossen.

Bei den Grünen scheint Sport Nebensache zu sein

Fünf der neun Grünen Nationalratskandidaten machen keine Hinweise auf sportliche Betätigungen: der bisherige Michael Töngi, Samuel Zbinden, Andreas Hofer, Hans Stutz und Gina Mühlebach. Korintha Bärtsch gibt auf ihrer seit längerem nicht mehr aktualisierten Webseite an, regelmässig zu wandern, zu schwimmen und zu rudern.

Bei Monique Frey, die auch für den Ständerat kandidiert, heissen die Hobbys Nr. 2 und 3 Velofahren und Wandern. Sie hat im Sommer denn auch alle 83 Luzerner Gemeinden mit dem Velo besucht.

Wahlforscher: «Sag mir, was Du bist, und ich sage Dir, was Du wählst.»

Für Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher muss die Verbindung einer Persönlichkeit mit bestimmten Eigenschaften stimmen. Der frühere Generalsekretär der CVP Schweiz macht ein Beispiel:

«Man stelle sich vor, Felix Müri würde plötzlich sportliche Seiten betonen!»

Der SVP-Nationalrat aus Emmenbrücke bringt bekanntlich ein paar Kilo zu viel auf die Waage – und versucht gar nicht erst, dies zu kaschieren. Dafür gibt sich Müri volksnah und bescheiden.

Studien zum Einfluss der eigenen Sportlichkeit auf die Wahlchancen sind dem Zürcher Politologen Louis Perron keine bekannt. Seiner Ansicht nach wollen die Kandidaten «zeigen, wer sie sind und so eine Identifikation mit ihren Zielgruppen herstellen». Sie kehren also den bekannten Spruch von Wahlforschern um: «Sag mir, wer Du bist, und ich sage Dir, was Du wählst.» Perron mutmasst, dass Sport am ehesten bei der CVP zum Lebensgefühl gehören könnte. So würden sich neben den Luzerner Anwärtern auf einen Sitz in Bundesbern auch Berner CVP-Kandidatinnen sportlich zeigen.

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