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NATIONALQUAI: Rendez-vous mit der Schönheitskönigin

Ein alter Wettbewerb für Autos wird neu belebt. Am Start ist auch eine lange verschollen geglaubte Limousine einer bekannten Luzerner Familie.
Roger Rüegger
Jörg G. Bucherer und der Lincoln Cosmopolitan, der 1949 einen Schönheitswettbewerb gewonnen hat, vor dem Firmenhauptsitz im Luzerner Schönbühl-Quartier. (Bild Manuela Jans)

Jörg G. Bucherer und der Lincoln Cosmopolitan, der 1949 einen Schönheitswettbewerb gewonnen hat, vor dem Firmenhauptsitz im Luzerner Schönbühl-Quartier. (Bild Manuela Jans)

Roger Rüegger

Die Redewendung «Schönheit ist vergänglich» mag oft zutreffen. Im Fall des «Concours d’Excellence International» ist der Spruch aber unpassend. Denn die Protagonisten dieses Wettbewerbs sehen trotz ihres Alters glänzend aus, sind praktisch unverwüstlich oder wurden hervorragend in Stand gehalten. Es geht um seltene bis einmalige historische Autos, die am Samstag in Luzern auffahren werden.

Am Nationalquai präsentieren rund 40 Autosammler und -liebhaber zeitlose Klassiker des Automobilbaus. Veranstalter Bernd E. Link aus Udligenswil präzisiert: «Es handelt sich nicht um ein gewöhnliches Treffen, sondern um eine Schönheitskonkurrenz der Automobile. Die Besitzer wurden von uns persönlich eingeladen. Es sind ausnahmslos Fahrzeuge, die auf ihre Weise einzigartig sind und eine Geschichte vorweisen.» Der Concours d’Excellence sei die Neuauflage einer traditionellen Veranstaltung, die zwischen 1928 und 1955 siebenmal ausgetragen wurde. Im letzten Jahr wurde eine Veranstaltung im ähnlichen Rahmen als Prolog durchgeführt.

1949 bereits automatische Fenster

Bei der diesjährigen Konkurrenz bestechen die Automobile nicht nur durch sorgfältige Restaurationen. Einige von ihnen waren damals ihrer Zeit voraus. So etwa der Lincoln Cosmopolitan Town Sedan des Luzerners Jörg Bucherer. Das Auto verfügte bereits 1949 über automatische Fensterheber, und auch die Sitze konnten hydraulisch verstellt werden. In den 1940er-Jahren waren solche Annehmlichkeiten ziemlich extravagant. Das Besondere dieses Lincolns ist aber nicht nur die luxuriöse Ausstattung, sondern auch seine Geschichte und die Verbundenheit mit Luzern. Der Besitzer 1949 hiess Carl E. Bucherer. Der Luzerner Unternehmer gewann den Publikumspreis am Concours d’Excellence. Sein Sohn Jörg G. Bucherer war damals 13 Jahre alt, doch die zwei Tonnen schwere Limousine vergass er nie. «Ich kann mich gut an den Lincoln erinnern. Nachdem mein Vater das Auto gekauft hatte, durfte ich bei etlichen Fahrten neben ihm sitzen», erzählt der 80-jährige Verwaltungsratspräsident der Bucherer Gruppe.

Bucherer zuerst nicht interessiert

Nachdem Carl E. Bucherer verstarb (1951), wurde der Lincoln 1952 verkauft, also drei Jahre nach dem Gewinn des Publikumspreises. Danach wechselte die Limousine mehrere Male den Besitzer. Gemäss dem Oldtimer-Magazin «Swiss Classics», welches dem Auto einen Artikel als Schönheitskönigin widmete, wurden mehrere Restaurierungs- und Umbauprojekte in Angriff genommen. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein aufmerksamer Käufer die Einzigartigkeit des Lincolns erkannte. Denn eine Plakette am Armaturenbrett wies darauf hin, dass mit dem Lincoln am Concours d’Excellence 1949 ein Preis gewonnen wurde. Laut «Swiss Classics» recherchierte der Mann, bis er den früheren Besitzer ausfindig gemacht hatte. Jörg G. Bucherer bestätigt: «Eines Tages rief jemand an und erzählte etwas von einem Lincoln, der früher meinem Vater gehört habe. Aber ich hatte eigentlich nichts am Hut mit Oldtimern und war deshalb nicht interessiert.» Später änderte Bucher seine Meinung. Im Vorfeld des 125-Jahr-Jubiläums seiner Firma im Jahr 2013 kaufte er den Lincoln 2011. Das Auto war aber in einem traurigen Zustand. Das Wrack wurde in vier Jahren aufwendig restauriert. «Jetzt läuft er gut. Das Auto fährt sich zwar wie ein Lastwagen, aber es sind Erinnerungen, die mich 65 Jahre zurückversetzen», sagt Jörg G. Bucherer, der inzwischen begeistert ist von der Limousine. Am Samstag wird der Lincoln am Nationalquai anwesend sein, jedoch nicht an der Konkurrenz teilnehmen.

Josefine Baker mit Löwenbaby

Beim Concours d’Excellence werden die Fahrzeuge in sechs Klassen eingeteilt. Neben einer Fachjury können auch die Fahrzeugbesitzer ihre Stimme abgeben, und das Publikum kann ebenfalls einen Gewinner wählen. Zwischen 1828 bis 1955 sei das Rendez-vous am Quai «ein gesellschaftliches Highlight» gewesen, so Bernd E. Link. «1929 holte sich der Direktor des Circus Knie den Publikumspreis. Aus dem Fond seines Autos lachte die Sängerin und Schauspielerin Josefine Baker mit einem dreimonatigen Löwenbaby.» Analog zum Concours sei im Casino eine Modeschau durchgeführt worden.

Am 17. September werden auf dem Nationalquai die Autos ab 12.30 Uhr durch einen Moderator vorgestellt. Löwen sind keine anwesend, mit dem einen oder anderen Jaguar ist aber zu rechnen. Auch die Mode ist ein Thema. Eine Modeschau gibt es zwar nicht, das Modeatelier LU Couture Willisau und Luzern kleidet aber das Organisationskomitee ein, und zwischen den Autos präsentieren Models Kreationen aus den Nähateliers.

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