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Nationalratswahlen im Kanton Luzern: Wer wird diesmal abgewählt?

Bei den letzten vier Nationalratswahlen wurde jedes Mal ein amtierender Luzerner Parlamentarier abgewählt. Das dürfte auch am 20. Oktober 2019 der Fall sein.
Lukas Nussbaumer
Blick in den Saal des Nationalrats an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 19. September 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Blick in den Saal des Nationalrats an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 19. September 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

2003 traf es FDP-Nationalrat Karl Tschuppert, 2007 und 2011 mit Franz Brun und Pius Segmüller zwei CVP-Parlamentarier, und vor vier Jahren musste GLP-Vertreter Roland Fischer sein Pult in Bundesbern räumen. Abwahlen aus der Grossen Kammer sind im Kanton Luzern zur Normalität geworden, nachdem sie bei früheren Wahlen die Ausnahme waren (siehe Grafik).

Am 20. Oktober könnte es einen weiteren Luzerner Bundesparlamentarier treffen. Aus zwei Gründen: Erstens kann der Kanton Luzern künftig nur noch neun statt wie bisher zehn Sitze besetzen – und alle Bisherigen treten wieder an, wobei Andrea Gmür (CVP) und Franz Grüter (SVP) den Sprung in den Ständerat versuchen. Und zweitens hat Grün-Links bei den Kantonsratswahlen derart stark zugelegt, dass ein Sitzgewinn wahrscheinlich scheint – auf Kosten von CVP und SVP, die je ein Mandat verlieren würden.

Wer von den Mandatsträgern am meisten zittern muss, ist schwer abschätzbar. Sind es die erst 2015 gewählten Andrea Gmür und Franz Grüter? Oder trifft es arriviertere Politiker wie Leo Müller (CVP) und Felix Müri (SVP)? Müller steht parteiintern in der Kritik, Müri ist auf Grund einer von der Luzerner Polizei bestätigten Strafanzeige im Zusammenhang mit seiner Funktion als Präsident des Dachverbands der medizinischen Masseure unter Druck (Ausgabe vom 27. Juli).

Pius Segmüller war erst einmal arbeitslos

Einer, der die Bitterkeit einer Abwahl am eigenen Leib erfahren hat, ist Pius Segmüller. Der heute 67-jährige CVP-Politiker wurde 2011 von Parteikollege Leo Müller verdrängt und machte damals aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

Gefangen habe er sich aber schnell, sagt der frühere Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde im Gespräch mit unserer Zeitung. «Ich war nur drei oder vier Monate arbeitslos. Dann wurde ich zum Chef Schiesswesen und ausserdienstliche Tätigkeiten im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport berufen. Diese Aufgabe hat mich sehr gefordert.»

Doch neuer Job hin oder her: Eine Abwahl steckt auch ein Oberst im Generalstab nicht einfach weg. Segmüller erinnert sich:

«Der Glaube an Gott und meine Familie gaben mir Vertrauen, einen Weg ohne aktive politische Tätigkeit zu finden.»

Eine neue Richtung musste der frühere Sicherheitschef des Weltfussballverbands Fifa und ehemalige Kommandant der Stadtpolizei Luzern in der Tat einschlagen: Seine Sicherheitsfirma, die er neben der Tätigkeit als Nationalrat führte, warf zu wenig ab, um davon leben zu können. 2012 verkaufte er sie.

Pius Segmüller.

Pius Segmüller.

Trotz inzwischen fast achtjähriger Distanz zur Abwahl bezeichnet sie der verheiratete Vater von zwei Kindern noch heute als «schade. Ich hätte der Schweiz als Nationalrat noch etwas bringen können». Einen wesentlichen Teil der ersten Legislatur habe er zwar für die Einarbeitung benötigt, gleichzeitig aber viele Kontakte zu Mitgliedern anderer Parteien geknüpft. «Daraus sind gute Freundschaften entstanden, die für die Arbeit als Nationalrat entscheidend sind», sagt Segmüller. Und umschreibt die schönen Momente in Bundesbern so: «Ein guter Politiker ist einer, der Kompromisse schmieden kann. Gelingt eine Kooperation, ist das sehr befriedigend.»

Roland Fischer bereitete sich auf die Abwahl vor

Trotz Abwahl sehr gefasst wirkte 2015 Roland Fischer. Der heute 54-jährige GLP-Politiker aus Udligenswil konnte sich wie Pius Segmüller nur vier Jahre im Nationalrat halten.

Fischer wurde allerdings nicht von einem Parteikollegen verdrängt, sondern war ein Opfer des Sitzverlusts seiner Partei geworden. Fischer:

«Als Ökonom und Wissenschafter war mir klar, dass der Sitzverlust ein realistisches Szenario ist. Deshalb war ich vorbereitet auf die Abwahl.»

Fischer sagt weiter, niemand habe einen Sitz auf sicher. Schon gar nicht die GLP als kleine Partei, die ein Restmandat zu verteidigen hatte.

Roland Fischer.

Roland Fischer.

Vor existenzielle Probleme wurde der begeisterte Mountainbiker durch den Mandatsverlust nicht gestellt. Fischer konnte sein Pensum als Dozent bei der Hochschule Luzern schnell von 30 auf 70 Prozent aufstocken. «Dafür bin ich sehr dankbar», so Fischer, der ein Jahr nach seiner Abwahl aus dem Nationalrat zum Präsidenten der GLP des Kantons Luzern gewählt wurde. Ein Ausstieg aus der Politik sei für ihn denn auch nie ein Thema gewesen. «Durch die vier Jahre in Bundesbern ist meine Freude am Politisieren noch grösser geworden», erinnert sich Fischer, der seither sein Engagement im Umweltschutz verstärkt hat und seit 2016 im Vorstand des WWF des Kantons Luzern mitwirkt.

Seit diesem Frühjahr ist der Finanzspezialist auch noch Kantonsrat. Und es scheint, als sei seine politische Karriere damit noch nicht vorbei. Er tritt in zwei Monaten erneut als Nationalratskandidat an – mit guten Chancen, gewählt zu werden. Vom Nationalrat zum Parteipolitiker zum Kantonsrat zum Nationalrat: Roland Fischer geht gerade den ungewöhnlichsten Weg, den ein abgewählter Luzerner Politiker je gegangen ist.

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