Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NATUR: 1,7 Millionen für eine Kulturmission

Eine alte Mönchstradition soll wieder aufleben: Der Verein «Karpfen pur Natur» baut in den nächsten fünf Jahren neun neue Karpfenteiche. Eine Stiftung lässt dafür einen grossen Batzen springen.
Evelyne Fischer
Neun neue Karpfenteiche sollen bis 2021 in St. Urban, Pfaffnau, Roggliswil und Fischbach gebaut werden. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein/LZ (Werthenstein, 8. August 2014))

Neun neue Karpfenteiche sollen bis 2021 in St. Urban, Pfaffnau, Roggliswil und Fischbach gebaut werden. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein/LZ (Werthenstein, 8. August 2014))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Was das Willisauer Ringli für das gleichnamige Städtli ist, könnte der Karpfen bald für die Gegend rund ums Klosterdorf St. Urban sein: Der Pfaffnauer Verein «Karpfen pur Natur» will bis 2021 in St. Urban, Pfaffnau, Roggliswil und Fischbach neun Teiche bauen. Der Karpfen würde damit zum kulinarischen Aushängeschild der Region. In Fischbach erfolgt heute der Spatenstich zum Wildbergweiher – Teich Nummer sechs nach dem Äschweiher in St. Urban, dem Houeteweiher in Altbüron, dem Grüenbodeweiher in Pfaffnau, dem Eichmattweiher in Brittnau und dem Gfillmoosweiher in Rothrist.

«Unser Ziel ist es, die einstige Teichwirtschaft rund um das ehemalige Kloster wieder aufleben zu lassen», sagt Projektleiter Manfred Steffen aus Lotzwil BE. Er ist eines von rund 150 Mitgliedern von «Karpfen pur Natur». Der Verein wertet mit Weihern wichtigen Lebensraum auf. «Die neuen Gewässer schliessen die Lücken zwischen isolierten, bestehenden Teichen. So können gefährdete Amphibien und Reptilien wieder miteinander in Kontakt treten.» Gleichzeitig knüpft der Verein an die frühere Mönchstradition an: Die Zisterzienser durften gemäss Ordensregel kein warmblütiges Fleisch essen. «Daher nutzten sie den lehmreichen Untergrund und das vorhandene Wasser und bauten mehrere Dutzend Karpfenteiche von wenigen bis zehn Hektaren Fläche. Mit der Aufhebung des Klosters wurden viele Teiche trockengelegt. Entweder wurde der Teichboden dann landwirtschaftlich genutzt, oder er verwaldete.»

«Projekt schafft lokale Wertschöpfung»

Sechs der neun Teiche werden von der Albert-Koechlin-Stiftung (AKS) mit 1,686 Millionen Franken mitfinanziert. Mehrere Gründe hätten für die Unterstützung gesprochen, sagt Patrick Ambord von der AKS: «Das Projekt ist langfristig und nachhaltig angelegt, es fördert die Artenvielfalt und schafft zugleich lokale Wertschöpfung.» Ein Teil der Gelder fliesst in den Bau der Teiche, ein anderer in die Forschung und Aufarbeitung der Geschichte. Ebenso sind Bildungsmodule für Schulklassen geplant.

Laut Steffen ermöglicht der Support der AKS «den Hauptteil» des Projekts. «Es werden aber weitere 300000 Franken vom Kanton, den Gemeinden, weiteren Stiftungen und Sponsoren nötig sein sowie ebenso viele unbezahlte Eigenleistungen.»

Gesetzliche Vorgaben verteuern den Teichbau

Doch weshalb braucht’s diese Summen? «Der Erhalt und die Förderung gefährdeter Arten in der an Feuchtgebieten verarmten Landschaft ist nicht einfach. Es benötigt ausgeklügelte und ausreichend dimensionierte Projekte, wenn es langfristig funktionieren soll», sagt Steffen. Verteuert würden die Bauten durch gesetzliche Vorgaben: Je nach Standort muss Ersatz für Fruchtfolgeflächen geschaffen werden – respektive darf der Aushub nicht in der Umgebung verwendet werden, sondern muss abtransportiert werden. «In Fischbach können wir zum Glück ein benachbartes Stück Land aufwerten», sagt Steffen. So verteuere sich das Projekt «nur» um rund 60 000 Franken. Gebaut wird der Fischbacher Wildbergweiher, der einen Durchmesser von rund 40 Metern aufweist und mit Regenwasser gespiesen wird, auf dem Land von Sandra Birrer und Martin Hafner. «Die Teichperlenkette verknüpft Naturschutz mit einem alten Kulturgut und ermöglicht zugleich die nachhaltige Nutzung einer natürlichen Ressource», sagt der Förster zum Projekt.

Im Herbst 2018 setzt der Verein die ersten einjährigen Karpfen ein, die sich von Lebewesen am Teichgrund ernähren. Nach zwei Jahren werden die rund 30 Zentimeter grossen Karpfen abgefischt. Bisher wurden diese vorab im Gasthof Löwen in Melch­nau BE aufgetischt. Steffen: «Weitere Teiche werden eine konstante Ernte ermöglichen.» Von September bis April soll Karpfen durchgängig angeboten werden können. Dereinst rechnet man mit 500 Kilo pro Jahr.

www. Einen Plan der Teiche gibts unter: luzernerzeitung.ch/bonus

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.