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NATUR: Der Feldhase erhält eine Lobby

Im Kanton Luzern kämpft der Feldhase ums Überleben. Nun will die SP der Stadt Luzern bessere Lebensgrundlagen für ihn schaffen. Auch der Kanton schickt sich an, das bedrohte Tier zu fördern – durch finanzielle Anreize für Bauern.
Lukas Nussbaumer
Bedrohter Feldhase: Aktuell dürften im Kanton Luzern nur noch rund 1500 dieser Tiere leben. (Bild: Markus Jenny)

Bedrohter Feldhase: Aktuell dürften im Kanton Luzern nur noch rund 1500 dieser Tiere leben. (Bild: Markus Jenny)

Lukas Nussbaumer

lukas.nussbaumer@luzernerzeitung.ch

Das Bild, das Hasan Candan vom Feldhasen zeichnet, ist ein dramatisches. Es gehe ihm «sehr schlecht», und er verschwinde «langsam, aber sicher aus der Luzerner Kulturlandschaft». Deshalb ist für den Stadtluzerner SP-Kantonsrat klar: Es braucht Massnahmen, um das stark gefährdete Tier zu erhalten. Welche, skizziert der Biologe in einem kürzlich eingereichten Postulat. Dieses haben neben Hasan Candans Parteikollegen auch Parlamentarier der Grünen unterzeichnet.

Was Candan in seinem Vorstoss fordert, dürfte im Kantonsrat zu reden geben. So verlangt der Sozialdemokrat eine «Reduktion des massiven Einsatzes von Dünger und Pestiziden». Oder er will «mehr Wildtierkorridore», um die Feldhasen (siehe Kasten) vor dem Tod auf den Strassen zu schützen. Gegen beides – weniger Intensität in der Landwirtschaft und eine bessere Vernetzung von Lebensräumen – ist der Widerstand vorprogrammiert: Gleich lautende Forderungen wurden im Luzerner Kantonsparlament bis jetzt abgelehnt oder stark abgeschwächt.

Hasan Candan ist sich dessen bewusst, sagt aber dennoch: «Es braucht scharfe Massnahmen. Nur sie bringen dem Feldhasen etwas.» Er werde «alles versuchen», damit sein Postulat überwiesen wird. Von der Regierung erwartet er, dass diese seinen Vorstoss ablehnt.

Bestand in 80 Jahren auf einen Zehntel geschrumpft

Der SP-Politiker fordert jedoch auch Massnahmen, die nicht nur in Fachkreisen, sondern ebenso bei Politikern anerkannt sind: beispielsweise mehr artenreiche Wiesen oder eine dünnere Aussaat von Getreide.

Der starke Rückgang des Feldhasenbestandes wird auch von anderer Seite bestätigt. Exakte Zahlen liegen zwar nicht vor. Doch die Schätzungen der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei des Kantons Luzern stützen Candans Aussagen: Hoppelten in den 1940er-Jahren noch 15 000 bis 20 000 Feldhasen über die Landschaft, sind es aktuell noch etwa 1500 Tiere. In der ganzen Zentralschweiz, schätzt Marc Germann vom WWF Zentralschweiz, gibt es «noch ein paar wenige tausend Feldhasen». Der bei der Naturschutzorganisation für Landwirtschaft und Biodiversität zuständige Germann geht davon aus, den «Bestand auf diesem fragilen, tiefen Niveau halten zu können». Dies unter anderem dank den Jägern, die den Feldhasen in weiten Teilen der Schweiz nicht mehr jagen würden.

Helfen sollen dem von vielen natürlichen Feinden bedrohten Hasen aber auch indirekte Massnahmen, die zu besseren Lebensräumen führen. In einem kürzlich lancierten Projekt des WWF sind derzeit drei Zuger und ein Luzerner Landwirt mit dabei. Weitere Bauern – und vor allem solche, die Graswirtschaft betreiben – werden gesucht.

Wer Getreide dünner sät, erhält 1000 Franken

Aktiv geworden ist neben dem WWF auch die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern. Zusammen mit dem Aargau, Baselland und Zürich hat sie beim Bund das Projekt «Getreide in weiter Reihe» eingereicht. Dem Projekt wurde zugestimmt. Bauern, die mitmachen, dürfen ihr Getreide weniger dicht an­säen. So erhalte der Feldhase mehr Unterschlupfmöglichkeiten, sagt Agronom Otto Barmettler von der Dienststelle. Beitragsberechtigt sind die Getreidearten Weizen, Dinkel, Hafer, Emmer, Einkorn, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen), Gerste und Roggen. Entscheiden sich Landwirte für dieses Projekt, müssen sie mit weniger Ertrag rechnen, erhalten dafür jedoch einen so genannten Vernetzungsbeitrag von 1000 Franken pro Hektare – sofern sie eine Reihe weiterer Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Einschränkungen bei der Düngung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln genauso wie etwa eine minimale Flächenvorgabe von mindestens 20 Aren.

Die ersten Beiträge können allerdings erst 2019 ausgerichtet werden, da Landwirte, die in diesem Herbst Getreide gesät haben, noch keine Kenntnis von der neuen Möglichkeit hatten. Finanziert werden die Zahlungen zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von den Gemeinden.

Es braucht auch Schutz vor natürlichen Feinden

Die Hasenförderungsstrategie der Dienststelle Landwirtschaft und Wald orientiert sich künftig an den Erkenntnissen aus einem im Baselbiet durchgeführten Projekt. Demnach genügt es nicht, dem Feldhasen extensiv genutzte Lebensräume zur Verfügung zu stellen – das Tier muss auch vor natürlichen Feinden geschützt werden. So sollen in Hasen­förderungsgebieten keine Sitzgelegenheiten für Greifvögel mehr errichtet werden. Und Jäger sind angehalten, sich einen anderen Hasenschreck vermehrt vorzuknöpfen: den Fuchs.

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