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NATUR: Die Fremden überleben in Luzerner Bächen und Flüssen nicht

Um den Rückgang der Fischbestände aufzuhalten, werden in Luzerner Bächen und Flüssen seit langem Zuchttiere ausgesetzt. Nun zeigt eine Studie: Das nützt kaum etwas.
Ein Blick in einen Fischtank des Fischereivereins Reuss Luzern. Hier werden junge Forellen aufgezogen. (Bild: Pius Amrein (Perlen, 28. März 2017))

Ein Blick in einen Fischtank des Fischereivereins Reuss Luzern. Hier werden junge Forellen aufgezogen. (Bild: Pius Amrein (Perlen, 28. März 2017))

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

Im Kanton Luzern gehen die Fischbestände seit Jahren zurück. Dieser Trend beschäftigt auch Philipp Amrein, Leiter Fachbereich Jagd und Fischerei Luzern, bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Seine Abteilung versucht ebenfalls seit längerem Gegensteuer zu geben: Jahr für Jahr werden zahlreiche Forellen in Bäche und Flüsse eingesetzt – teilweise von Fischereivereinen, teilweise von Mitarbeitern des erwähnten Fachbereichs. 2014 beispielsweise wurden laut der eidgenössischen Fischereistatistik 346 524 Forellen in Luzerner Fliessgewässer eingesetzt. Die meisten im Alter der sogenannt «angefütterten Brut», das heisst vor dem Verlust des Dottersacks.

Wie sich nun zeigt, lässt sich der Rückgang der Fischbestände durch diese Massnahme allerdings kaum stoppen. Das ist der Befund einer wissenschaftlichen Untersuchung, die im Kanton Aargau unter dem Namen «Populationsgenetische Untersuchung der Forellen im Kanton Aargau» durchgeführt wurde. Bei rund 2600 Forellen aus den Gewässern und Fischzuchten des Kantons Aargau wurde deren genetische Eigenschaften untersucht. Das Resultat: Zuchtfische und Gewässerfische weisen eine hohe Anzahl von signifikanten genetischen Unterschieden auf. Ausserdem sind die benutzten Zuchtfische laut der Studie für 92 Prozent der Gewässer, aus populationsgenetischer Sicht, ungeeignet. Die Zuchtfische können sich deshalb nicht gegen die lokalen Artgenossen durchsetzen, da sie nicht in das jeweilige Gewässer passen. «Die Erkenntnisse lassen sich auf die ganze Schweiz übertragen», sagte Alain Morier, Leiter der Abteilung Wald beim Kanton Aargau, gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Philipp Amrein kann die Argumente der Studie nachvollziehen: «Zuchtfische wachsen in einem geschützten Lebensraum auf. Sie müssen erst lernen, sich an die freie Wildbahn anzupassen. Deshalb ist es für viele schwieriger, dort zu überleben.» Für ihn ist darum auch klar, dass die Fischbestände nicht nur durch das Aussetzen von gezüchteten Tieren gefördert werden können. Nach einem Fischsterben, etwa nach einem akuten Fall von Gewässerverschmutzung, könne das Aussetzen von Fischen zwar helfen. Allerdings sollte man das nur in Extremfällen tun.

Mehr Laichplätze sind das Ziel

Wichtig ist laut Amrein die Verbesserung des Lebensraums der Fische. Besonders mit dem Schaffen von Laichplätzen könne der Fischbestand langfristig gesichert werden. Er sagt weiter: «Mittlerweile setzen wir keine Fische mehr in den kleineren Bächen aus. Wir haben seit längerem bemerkt, dass die Ergebnisse nicht optimal waren.» Auch in den grösseren Fliessgewässern möchte Amrein in Zukunft weniger auf das Aussetzen von Fischen setzen. Die natürliche Fortpflanzung sei der beste Weg. «Damit haben wir bisher sehr gute Erfahrungen gemacht». Die Aargauer Untersuchung bestätige, dass die natürliche Fortpflanzung eine wichtige Rolle spiele.

Eine etwas andere Position vertritt Franz Stadelmann. Der Präsident des Fischereivereins Reuss sieht das Einsetzen von Forellen weiterhin als wichtige Massnahme für die Sicherstellung des Fischbestands. «Solange kein besserer Hochwasserschutz besteht, beziehungsweise keine Verbreiterung verschiedener Flussabschnitte vorgenommen werden kann, ist das Einsetzen von Forellen in der Reuss weiter nötig.» Mit dieser Aussage spricht er die hohe Abflussgeschwindigkeit bei Hochwasser an. Sie führt dazu, dass die Fische ihre Laichmöglichkeiten verlieren. «Das ist ein ungelöstes Problem», sagt Stadelmann.

In der Reuss werden Zuchtfische markiert

Die Meinung, dass Zuchtfische im freien Gewässer kleinere Überlebenschancen hätten, teilt Stadelmann nicht: «Zumindest in der Reuss ist das Sterben der Zuchtfische im grossen Umfang nicht festzustellen. Die Rückfangquote war bislang immer befriedigend.» Um diese Quote festzustellen, werden die Zuchtfische markiert, indem deren Fettflosse abgeschnitten wird. So kann man sie von den Wildfischen unterscheiden.

Philipp Amrein relativiert jedoch diese Aussagen: «Dass in diesem Abschnitt der Reuss weniger Zuchtfische sterben, ist grundsätzlich schon möglich. Dafür kann es jedoch viele Gründe geben, wenn zum Beispiel wenige einheimische Fische vorhanden sind, haben Zuchtfische automatisch grössere Überlebenschancen. Man kann nicht aufgrund der Resultate eines Flussabschnitts, einen allgemeinen Schluss ziehen.»

«Zuchtfische müssen erst lernen, sich an die freie Wildbahn anzupassen.» Philipp Amrein, Leiter Fachbereich Jagd und Fischerei Luzern (Bild: Maria Schmid / LZ (Pfaffnau, 9. Januar 2015))

«Zuchtfische müssen erst lernen, sich an die freie Wildbahn anzupassen.» Philipp Amrein, Leiter Fachbereich Jagd und Fischerei Luzern (Bild: Maria Schmid / LZ (Pfaffnau, 9. Januar 2015))

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