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NATUR-MUSEUM: So heilten die alten Luzerner ihre Wunden

Eine aktuelle Ausstellung taucht in die Heilkunst unserer Vorfahren ein. Was diese alles konnten und wussten, wird manchen erstaunen.
Robert Knobel
Ebbe Nielsen, stv. Kantonsarchäologe, vor Exponaten der aktuellen Ausstellung im Natur-Museum. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 22. Dezember 2017))

Ebbe Nielsen, stv. Kantonsarchäologe, vor Exponaten der aktuellen Ausstellung im Natur-Museum. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 22. Dezember 2017))

«7000 Jahre Heilkunst in Luzern» – bei diesem Titel wird sich mancher fragen, ob nicht eine Null zu viel hineingerutscht ist. Doch die aktuelle Ausstellung im Natur-Museum beweist, dass sich unsere Vorfahren schon seit Urzeiten bei allen möglichen Beschwerden zu helfen wussten. Die verkohlten Holzäpfel aus dem 4. Jahrtausend vor Christus, gefunden in Hitzkirch, wurden unter anderem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Noch etwa 1000 Jahre älter sind die winzigen Schlafmohn­samen, ebenfalls aus Hitzkirch, die sich bis heute erhalten haben. Sie dienten den damaligen Menschen als Narkosemittel – und dafür gab es durchaus Bedarf. Denn wer glaubt, Operationen seien eine Erfindung der Neuzeit, der irrt. «Wir haben Beweise, dass man schon in der Steinzeit den Patienten die Schädeldecke öffnete – und die meisten überlebten dies», erklärt Ebbe Nielsen, stellvertretender Luzerner Kantonsarchäologe.

Römer operierten den grauen Star

Die Römer waren sogar in der Lage, den grauen Star zu operieren, und auch Amputationen wurden durchaus erfolgreich vorgenommen. Die Ausstellung zeigt die Knochen von Männern aus dem 6. und 7. Jahrhundert aus Aesch. Beim einen verlief die Amputation eines Fusses erfolgreich – was am zugeheilten Knochen erkennbar ist. Der andere überlebte die Operation hingegen nicht.

Die Ausstellung «7000 Jahre Heilkunst» wurde von der Luzerner Kantonsarchäologie konzipiert und ist Teil der Wanderausstellung «Wohl oder Übel – für alles ist ein Kraut gewachsen», die im Natur-Museum gastiert. Dabei lernt man viel über die Heilwirkung der einzelnen Pflanzen. So wurde etwa die Lilie gegen Menstruationsbeschwerden und Verbrennungen eingesetzt. Die Römer heilten mit einem Mix aus Rotwein und Olivenöl Wunden, während Baumnussöl gegen Bandwürmer half.

Doch woher weiss man das alles so genau? Über die römische Heilkunst wurde viel durch Plinius den Älteren überliefert. Auch der Luzerner Politiker und Arzt Renward Cysat hinterliess eine umfangreiche Textsammlung. Cysat wusste aber auch, was ­sicher nicht wirkt: So berichtet er, dass ihn der Versuch, einen Husten mit Tabaksirup zu kurieren, fast umgebracht habe. Auch über die Zeit, als es noch keine schriftliche Überlieferung gab, ist man dank archäologischer Grabungen informiert. Besonders wertvoll für Luzern ist die fast 6000 Jahre alte Pfahlbauersiedlung in Hitzkirch, die viele Hinweise auf die Verwendung von einzelnen Pflanzen liefert. Die Unterscheidung zwischen Ess- und Medizinpflanzen änderte sich im Verlauf der Jahrhunderte. So riet etwa Hildegard von Bingen vom Konsum von Pfirsichen ab. Als äusserliches Mittel gegen Brustschmerzen und Arthrose wurde die Frucht hingegen geschätzt. Gut möglich, dass der Pfirsichkern aus dem 11. Jahrhundert, der am Luzerner Mühlenplatz gefunden wurde, diesen Zwecken diente.

Hexenwahn vernichtete auch viel Wissen

«Die Heilkunde basiert auf Versuch und Irrtum. Im Laufe der Jahrtausende kam so ein umfassendes Wissen zusammen», erklärt Ebbe Nielsen. Ein Wissen, das für viele tragische Folgen hatte: Wurden die «Kräuterfrauen» oder «Hexen» anfänglich noch hoch geschätzt, kam es im Mittelalter zum Hexenwahn, dem Zehntausende Frauen zum Opfer fielen. «Weil das Wissen dieser Frauen meist nur mündlich überliefert wurde, ging dieses unwiderruflich verloren. Das ist eine der grossen kulturhistorischen Katastrophen», sagt Nielsen.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Die Ausstellung «Wohl oder Übel» und «7000 Jahre Heilkunst in Luzern» dauert noch bis Ende April.www.naturmuseum.ch

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