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NATUR: Schlechter Sommer für Wespen

Normalerweise ein Ärgernis in den warmen Sommermonaten, sind die Wespen dieses Jahr wenig in Erscheinung getreten. Ein Experte erklärt, warum.
Noah Knüsel
Über eine Wespenplage kann man sich heuer nicht beschweren. (Bild: Getty)

Über eine Wespenplage kann man sich heuer nicht beschweren. (Bild: Getty)

Noah Knüsel

Sie gehören zum Sommer wie der Badibesuch und das Grillieren: die Wespen. Verständlicherweise nicht ganz so beliebt wie die beiden erstgenannten Sommeraktivitäten, kosten sie Herr und Frau Schweizer jedes Jahr Nerven und einige schmerzhafte Stiche. Diesen Sommer aber, so der Eindruck, sind wir von ihnen weitgehend verschont geblieben.

Die Erklärung dafür liefert Roland Diener von der Initiative «Faltenwespe – Wespen- und Hornissenschutz». Aufgrund des warmen Winters wurde zunächst wieder ein starkes Wespenjahr vermutet, da vermeintlich viele Königinnen überleben würden. Aber: «Weil der Winter so mild war, konnten die Königinnen ihren Stoffwechsel nicht weit genug herunterfahren. Dadurch waren ihre Reserven zu früh aufgebraucht. Zu dieser Zeit war aber noch kein grosses Futterangebot vorhanden.» Und diejenigen, die erst später aus der Überwinterung erwachten, taten das genau während einer Regenperiode. Sie sind schlicht und einfach ertrunken.

Heikler erster Monat

Im ersten Monat nach dem Winterschlaf sind die Königinnen ganz auf sich allein gestellt, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. Sie ernähren sich von Baumsäften und Nektar. In dieser Phase kann ziemlich viel schiefgehen. Bei den Hornissen – unsere grösste Wespenart – schaffen es beispielsweise ungefähr 80 Prozent der Königinnen nicht, einen Staat aufzubauen.

Ist dieser erste kritische Monat überstanden und die Brut geschlüpft, dann benötigen die Wespen tierisches Eiweiss. Dieses gewinnen sie vor allem aus Insekten. Wespen sind denn auch exzellente Insektenjäger: Ein Volk, das aus bis zu 7000 Tieren bestehen kann, benötigt im August und September täglich mindestens 500 Gramm tierisches Eiweiss. Das entspricht etwa einem 17-Liter-Kehrichtsack voller Insekten.

Laut Statistik wenige Schadenfälle

Für Allergiker hingegen dürfte das Ausbleiben der Wespen ein Segen sein. Ungefähr 3 bis 4 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben eine Insektengiftallergie. Doktor Müllner vom Zentrum für Dermatologie und Allergologie des Luzerner Kantonsspitals stellt fest: «In der Tat hatten wir dieses Jahr noch relativ wenige Fälle wegen Wespenstichen, aber man muss den September abwarten.» Genaue Zahlen kann er keine nennen.

Bei der Suva führt man diesbezüglich eine Statistik, jedoch liegen für den Sommer 2016 bis jetzt nur Zahlen der eigenen Versicherten vor. Diese seien aber durchaus repräsentativ, wie Mediensprecherin Gabriela Hübscher versichert. Laut Statistik gab es im Juli und August mit 364 Meldungen fast sechsmal weniger Wespenunfälle als 2015 (2128 Meldungen). Insgesamt gab es bisher in diesem Jahr so wenige Unfälle wie seit zehn Jahren nicht mehr.

«Durchschnittliches Jahr»

Einer, der sich weniger über den schlechten Wespensommer gefreut haben dürfte, ist Jürg Aebischer, Geschäftsführer der Schädlingsbekämpfungsfirma Desinfecta AG in Rothenburg. Er will indes nicht von einem schlechten Wespenjahr sprechen: «Für uns ist es ein durchschnittliches Wes­penjahr. Klar gab es letztes Jahr viel mehr Wespen, aber 2015 war auch überdurchschnittlich.»

Genaue Zahlen will Aebischer keine bekannt geben, ein Verhältnis kann er aber nennen. «Dieses Jahr sind ein bis zwei Techniker rund um die Uhr mit Wespennestern beschäftigt, letztes Jahr waren es zwei bis drei.» Er erwartet, dass dennoch einige Aufträge im Zusammenhang mit Wespennestern ins Haus flattern werden. Das liege einerseits am schönen Wetter, andererseits aber auch am sinkenden Nahrungsangebot: «Wenn es immer weniger Insekten gibt, müssen die Wespen ihren Bedarf an Eiweiss anderweitig stillen.» Da böte sich das offen daliegende Fleisch an einer Grillparty geradezu an. Und dann nehme man die Wespen natürlich auch wieder mehr wahr.

Könnten an Stärke zulegen

Auch für Wespenschützer Roland Diener könnte es durchaus sein, dass die Wespenkolonien aufgrund des warmen Wetters nochmals an Stärke zulegen: «Für viele Arten ist es jetzt zwar bereits zu spät, um vor dem Winter nochmals das Volk zu vergrössern. Nicht aber für die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe.» Da diese auch totes Eiweiss – wie eben aus Grillfleisch – verwenden, um ihre Brut zu ernähren, sind das die Arten, welche von Menschen als besonders lästig empfunden werden.

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