NATUR: Spezielle Regeln für den Biber

Die Jagdgesetze regeln den Umgang mit dem Biber kaum. Da der Bestand des «Landschaftsarchitekten» aber stark ansteigt, reagiert nun der Kanton.

Urs-Ueli Schorno
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Auch bei uns fühlt sich der Biber wieder heimisch. Bild: Getty

Auch bei uns fühlt sich der Biber wieder heimisch. Bild: Getty

Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald Lawa hat ein Konzept veröffentlicht, das den Umgang mit dem Biber im Kanton Luzern regelt. Diesen müssten eigentlich die kantonalen und eidgenössischen Jagdgesetze regeln. Doch als diese erarbeitet wurden, waren Biber in der Schweiz selten und «Konflikte sowie Schäden nicht voraussehbar», heisst es im «Managementkonzept Biber» einleitend. Die Verhütung und Vergütung von Biberschäden sind deshalb in der aktuellen Gesetzgebung nur ungenügend ausgearbeitet.

Da die Bestände in der Schweiz seit einigen Jahren in der Schweiz exponentiell ansteigen, besteht Handlungsbedarf. Neue Gesetzesentwürfe mit einem angepassten Wildtiermanagement befinden sich bei Kanton und Bund zwar in der Vernehmlassung. Doch bis zur definitiven Revision des Jagdgesetzes dürfte noch mancher Biber in Luzern ansiedeln: Der Bestand im Sommer 2016 wird auf rund 30 Tiere geschätzt. Tendenz in der ganzen Schweiz steigend. Bald soll der Biber von der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere gestrichen werden. Seine Bauten bleiben vorerst geschützt.

Das Schadenspotenzial ist hoch

Beim Lawa schätzt man, dass dereinst im Kanton Luzern bis zu 150 Reviere von bis zu 350 Bibern bevölkert werden. Ein Schwerpunkt der zukünftigen Besiedlung dürfte sich entlang der Reuss und ihren Seitengewässern zwischen Honau und Emmen abzeichnen. Weitere Schwerpunkte werden am Aabach bis und mit dem Baldeggersee erwartet sowie in den Seitengewässern der Wigger, am Mauensee und im Wauwilermoos. Angesichts der wachsenden Population will das Lawa nun bis zum Inkrafttreten des Jagdgesetzes regeln, wie mit allfälligen Biberschäden umgegangen werden soll.

Denn bei aller Freude ob der Rückkehr des putzigen Nagers ist dieser als «Landschaftsarchitekt» bekannt, der es wie kaum ein anderes Tier versteht, seinen Lebensraum umzugestalten. Er ist damit einerseits «ein nützlicher Partner bei Gewässerrevitalisierungen», dessen Leistungen für das Ökosystem nicht in Franken zu beziffern seien, wie die Autoren des Ende November erschienenen Biberkonzepts festhalten. Auf der anderen Seite können Biber aber auch Frass- und Vernässungsschäden an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen anrichten. «Der Biber kann mit seinen Dammbauten einen ganzen Talboden unter Wasser setzen», sagt Peter Ulmann, Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei bei der Dienststelle Lawa und Co-Autor des «Biberkonzepts. Er kann durch seine Tätigkeit nicht nur Infrastrukturen und landwirtschaftliche Nutzflächen schädigen, sondern auch Konflikte mit Naturschutzzielen auslösen. Beim Lawa sind etwa durch einen Biberdamm in diesem November entstandene Vernässungen in der Perler Allmend festgehalten. «Die Überflutungsfläche tangiert dabei eine Pfeifengraswiese in einem Moorschutzgebiet von nationaler Bedeutung», führt Ulmann aus.

Erheblicher finanzieller Aufwand

In rund 90 Prozent der potenziellen Bibergewässer im Kanton Luzern wird das Konfliktpotenzial deshalb als «hoch» eingestuft. Mit präventiven Massnahmen und Information der Grundeigentümer soll dem entgegengewirkt werden. Das Lawa rechnet dabei mit einem erheblichen finanziellen und personellen Aufwand: Sind erst einmal rund 50 Reviere besiedelt, sollen 106 000 Franken für Beratungen, Entschädigungen, Öffentlichkeitsarbeit und Präventionsmassnahmen aufgewendet werden müssen. Der grösste Teil würde durch das Lawa, andere kantonale Dienststellen, Gemeinden oder private Spenden gestemmt werden. Würden alle 150 potenziellen Biberreviere besiedelt, könnten sich die Kosten verdreifachen. Soweit soll es aber nicht kommen: Der Entwurf des massgebenden Bundesgesetzes will es den Kantonen im Falle von problematischen Biber-Bauwerken in gewissen Fällen erlauben, früher einzugreifen.

Hinweis

Weitere Informationen unter

www.lawa.lu.ch

Urs-Ueli Schorno
ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch