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NATURMUSEUM LUZERN: Bundesrat beschliesst Streichelverbot an «Bibeli»-Ausstellung

Neu dürfen keine Küken, Kaninchen und Kleinnager in Streichelzoos mehr gehalten werden. Besonders hart trifft der Bundesratsentscheid das Natur-Museum Luzern. Nicht betroffen vom Verbot sind Klassenhaustiere an Schulen.
Kilian Küttel
Die Küken-Ausstellung im Natur-Museum ist bei Kindern sehr beliebt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. März 2013))

Die Küken-Ausstellung im Natur-Museum ist bei Kindern sehr beliebt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. März 2013))

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Viele Familien haben sie sich dick im Terminkalender angestrichen: die Küken-Ausstellung im Natur-Museum Luzern. Jedes Jahr zur Osterzeit gibt es dort gut 90 junge Hühner zu bestaunen, beobachten und zu streicheln. Das ­ändert sich jetzt: am Mittwoch ver­abschiedete der Bundesrat die revidierte Tierschutzverordnung, die am 1. März in Kraft tritt. Diese enthält einen Artikel, der für die Küken-Ausstellung in ihrer heutigen Form das Ende bedeutet. Neu dürfen nämlich an Veranstaltungen keine Kaninchen, Kleinnager und Küken mehr in Streichelzoos ausgestellt werden. Die Argumentation des Bundes: Kaninchen, Meerschweinchen und Küken sind klassische Beutetiere, «welche jederzeit auf Flucht eingestellt und daher sehr schreckhaft sind».

Das Verbot gilt nicht für dauerhaft eingerichtete Streichelzoos, wie sie in Tierparks oder auf Bauernhöfen und in Altersheimen anzutreffen sind. Wohl aber für Ausstellungen wie auf Märkten, Schauen, bei Sportanlässen – und eben im Natur-Museum. Für dieses bedeutet das neue Verbot einen Einschnitt – jedenfalls aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Im Jahr zählt das Natur-Museum gut 50 000 Besucher. Etwa 10 000 davon kommen während der zehntägigen Küken-Ausstellung. Obschon es zu finanziellen Einbussen kommen könnte, steht Museumsdirektorin Britta Allgöwer hinter der neuen Verordnung: «Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Tieren. Aus Sicht des Tierwohls kann ich die neuen Vorgaben voll und ganz verstehen.» Für die Küken bedeute es eine Stresssituation, wenn ein Besucher von oben nach ihnen greift und sie in die Hand nimmt. Dies sei für die Tiere ein ähnlicher Zustand, wie wenn ein Greifvogel Jagd auf sie macht. Allgöwer betont aber, die Verantwortlichen hätten die Besucher immer genau instruiert, wie sie mit einem ­Bibeli umgehen mussten.

Meerschweinchen dürfen in Schulzimmern bleiben

Gleich sieht es Hans-Uli Huber, der Geschäftsleiter des Schweizer Tierschutzes (STS): «Auch wenn sie so wunderbar flauschig sind – Küken sind zum Streicheln nicht geeignet.» Die Berührung durch Menschen bedeute für die Bibeli Stress. Er findet es zwar begrüssenswert, wenn durch Körperkontakt die Beziehung zwischen Kindern und Tieren gefördert wird. «Doch es gibt Tiere, die fürs Streicheln besser geeignet sind. Wie Hunde, Ziegen oder Kälbchen.» Und Hans-Uli Huber räumt gleich noch mit einem weiteren weit verbreiteten Irrtum auf: «Auch Meerschweinchen mögen es nicht allzu sehr, angefasst zu werden.»

Stichwort Meerschweinchen: Bekanntermassen gibt es manchen Lehrer, der die kleinen Nagetiere im Klassenzimmer hält. Ebenso sind immer wieder Kaninchen in Schulen anzutreffen. Während der Pausen sind die Klassenhaustiere bei den Schülern hoch im Kurs, um gestreichelt zu werden . Das wird auch in Zukunft erlaubt bleiben – der neuen Verordnung zum Trotz. Wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen auf Anfrage erklärt, fällt diese Tierhaltung nicht unter das neue Verbot. Einerseits handle es sich bei einem Klassenzimmer nicht um eine Veranstaltung, andererseits bestehe der Kontakt zwischen Kindern und Tieren über einen längeren Zeitraum. «Die Anzahl von Schülerinnen und Schülern in einem Klassenzimmer lässt sich zudem nicht mit einem Publikum an einer Veranstaltung vergleichen.», sagt Sprecherin Eva van Beek.

Das Natur-Museum hat sich auf die neuen Vorgaben eingestellt. Und passt deshalb ihre ­Ausstellung an. Diese wird vom 29. März bis zum 8. April stattfinden. Zwar nicht im gewohnten Rahmen, dafür «mit mehr Einsicht in das Leben und die Bedürfnisse der Küken und Hühner», so Allgöwer. Und weiter: «Wir dürfen immer noch mit ­lebenden Tieren arbeiten, aber statt sie zu berühren, setzen wir nun auf das gezielte Beobachten der Tiere.» Die Leute sollen sich auf die soziale Interaktion der Küken untereinander und mit der Henne achten – wie beispielsweise das Spielen, Streiten und das gegenseitige Putzen. Das Natur-Museum stellt überdies neue Brutkästen und Gehege auf.

Dank Streichelverbot mehr über Hühner lernen

Durch all diese Massnahmen glaubt die Direktorin, den Besuchern mehr Wissen mitgeben zu können, als das bis jetzt der Fall war: «Natürlich war die Küken-Ausstellung immer sehr emotional und sehr schön.» Dennoch hätte sie häufig das Gefühl gehabt, den Leuten gehe es weniger um das Tier als viel mehr um das Streicheln selber, sagt Allgöwer. «Wer weiss, vielleicht sorgt das neue Verbot sogar dafür, dass unsere Besucher mehr über das Tier selber lernen. Und das fänden wir sehr positiv.»

Mitarbeit: Robert Knobel

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