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NATURSCHUTZ: Amtlich bewilligter Wildwuchs

Die Kantone Luzern und Obwalden haben auf dem Glaubenberg ein grosses Naturwaldreservat realisiert. Sie kommen so einer Forderung des Bundes nach – erhoffen sich aber auch Vorteile für die Region.
Martina Odermatt
Bruno Röösli, Ueli Frey und Urs Felder (von links) von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald im Gebiet Glaubenberg-Feuerstein. (Bild: Eveline Beerkircher (31. Mai 2017))

Bruno Röösli, Ueli Frey und Urs Felder (von links) von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald im Gebiet Glaubenberg-Feuerstein. (Bild: Eveline Beerkircher (31. Mai 2017))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Auf dem Wanderweg beim Schiessplatz Glaubenberg kreucht, fleucht und gedeiht es. Schmetterlinge tanzen durch die Luft, bunte Blüten schmücken den Trampelpfad, und eher lästige Mücken sind auf der Suche nach Blut: Am Glaubenberg gibt es Biodiversität pur, wie Ueli Frey, Fachleiter Waldbiodiversität der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) Luzern, betont. Damit diese Natur auch weiterhin so erhalten werden kann, haben die Kantone Obwalden und Luzern das Gebiet Glaubenberg–Fürstein als Naturwaldreservat realisiert (siehe Grafik). 823 Hektaren Wald umfasst das Reservat, der Kanton Obwalden ist daran ungefähr mit 500 Hektaren beteiligt, der Kanton Luzern mit gut 300. Das entspricht in etwa der Grösse des Sarnersees. Damit ist das Naturwaldreservat eines der zehn grössten der Schweiz und das zweitgrösste in der Zentralschweiz.

Das Gebiet am Glaubenberg wurde aus mehreren Gründen ausgewählt. Einerseits ist es wegen seiner Biodiversität für die Fachleute von Luzern und Obwalden schützenswert. Andererseits ist es Teil der Waldpolitik 2020 des Bundes, die vorschreibt, dass 10 Prozent des Schweizer Waldes als Reservate definiert werden müssen. Im Kanton Luzern gestaltet sich dieses Unterfangen schwierig: 40 000 Hektaren Wald gehören gesamthaft 12 000 Eigentümern; das ergibt im Durchschnitt etwas mehr als 3 Hektaren pro Besitzer. Eine grössere Fläche unter Schutz zu stellen, ist deshalb keine einfache Aufgabe. Zum Vergleich: Knapp 87 Prozent des Obwaldner Waldes gehören öffentlich-rechtlichen Körperschaften.

Der Forstbetrieb wird hier eingestellt

Das Naturwaldreservat soll den einzigartigen Lebensraum langfristig schützen. Künftig werden natürliche Prozesse wie Zerfall und Wachstum uneingeschränkt ablaufen. Damit sich der Wald möglichst natürlich entwickeln kann, wird nun beispielsweise auf die forstliche Nutzung verzichtet. Aber: «Die Waldentwicklung verläuft auf diesen nassen Böden und beim vorherrschenden Klima eher langsam», sagt Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald beim Lawa.

Auch die Moorwälder, die es so sonst in Europa kaum gibt, sollen in ihrer Qualität erhalten bleiben. Dennoch sind die vielen Hoch- und Flachmoore innerhalb des Gebiets nicht Teil des Naturwaldreservats – weil sie anders als die Wälder nicht völlig sich selbst überlassen werden dürfen. Sonst würden sie wohl früher oder später verschwinden und somit auch vielen Tieren den Lebensraum nehmen. «25 000 Tiere, Pflanzen und Pilze sind auf diesen Lebensraum angewiesen», erklärt Röösli. Auch einige bedrohte Tierarten sind am Glaubenberg heimisch, etwa der vom Aussterben bedrohte Eurasische Luchs oder das Auerhuhn.

Das neu geschaffene Naturreservat befindet sich vollständig auf dem Areal des Schiessplatzes Glaubenberg und gehört der Armee. Der Schiessplatz wird ab 2021 aufgrund von Umstrukturierungen geschlossen. Mit den Kantonen hat der Bund einen Vertrag über 50 Jahre abgeschlossen. Bestehende Anlagen dürfen auch im Naturwaldreservat bestehen bleiben; neue dürfen allerdings nicht mehr gebaut werden. Dass der Bund bereit ist, das Gebiet als Naturwaldreservat zu schützen, kommt dem Kanton Luzern sehr entgegen. Er erreicht somit 5 Prozent der vorgeschriebenen 10, für Obwalden ist es gar ein Meilenstein: 9 Prozent des insgesamt 20 000 Hektaren grossen Waldes stehen nun unter Schutz.

Kantone erhoffen sich «sanften» Tourismus-Boom

Für den Kanton Luzern ist das neu geschaffene Reservat eine vierfache Win-Situation. Einerseits profitiere die Natur, wenn sich der Mensch aus den Prozessen raushalte. Andererseits habe es auch für die regionale Bevölkerung Vorteile. Das Reservat helfe überdies dem Kanton Luzern, der 10-Prozent-Marke ein Stück näher zu kommen. Luzern wie auch Obwalden erhoffen sich mit dem Naturwaldreservat schliesslich einen Schub für den «sanften» Tourismus, wie Christoph Böbner vom Lawa sagte. So soll das Areal als Naherholungsgebiet gewinnen. Erlebnis-Tourismus wolle man aber nicht am Glaubenberg. «Wir wollen keine Bergrallye veranstalten», sagte er schmunzelnd. Weiterhin möglich soll aber beispielsweise das Jagen, Wandern oder Pilzsammeln sein. Und auch das ein oder andere Blümchen dürfe man «für private Zwecke» pflücken.

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