NATURSCHUTZ: Jagdhilfe für Bussarde

Um Kollisionen mit Autos und Zügen zu vermeiden, sollen Bauern Sitzwarten für Bussarde installieren. Diese verdanken es ihnen, indem sie Mäuse verspeisen.

Ismail Osman
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Ein Mäusebussard startet zu einem Erkundungsflug durch einen winterlichen Wald. (Bild: Keystone)

Ein Mäusebussard startet zu einem Erkundungsflug durch einen winterlichen Wald. (Bild: Keystone)

Aus der Nähe betrachtet sind es beeindruckende Geschöpfe: Mit einer Flügelspannweite von rund 130 Zentimetern gehört der Mäusebussard zu den grösseren Vögeln, die über unseren Köpfen ihre Kreise ziehen (siehe Kasten).

Gefährliches Warten an der Strasse

Leider kommt es immer wieder zu folgenschweren Unfällen zwischen Autofahrern und den Greifvögeln. Grund dafür ist, dass sich die Bussarde und auch andere Greifvögel gerne auf Pfosten am Strassenrand setzen, um von dort aus einen Überblick auf ein angrenzendes Feldstück und die dort auffindbare Beute zu haben. Dies geschieht vor allem in den Wintermonaten, wenn die Vögel mit ihren Kräften haushälterisch umgehen müssen und deshalb nach Möglichkeit auf lange Suchflüge verzichten.

Wenn die Vögel von ihren Warten aus zum Abflug starten und dabei eine Strasse überfliegen, kann das für den Vogel tödlich und für den Autolenker gefährlich ausgehen.

Kadaver führen zu Teufelsspirale

«Wir stellen dieses Phänomen leider immer wieder fest», sagt Michael Schaad, Projektleiter Öffentlichkeitsarbeit an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Genaue Zahlen darüber, wie viele Greifvögel auf den Schweizer Strassen verenden, gibt es nicht, meistens aber geschehe es auf die gleiche Weise: «Die Vögel unterschätzen die Geschwindigkeit des heranfahrenden Autos, können nicht mehr ausweichen und kommen beim Aufprall ums Leben», erklärt Schaad.

Dies wiederum kann zu einem Teufelskreis führen, da gerade Greifvögel oftmals auch Aasfresser sind. «Tote Tiere auf den Strassen locken die Aasfresser an, welche dann ihrerseits in Gefahr geraten», sagt Schaad. Um solche Szenarien zu vermeiden, ruft die Vogelwarte Landwirte und andere Landbesitzer dazu auf, spezielle Sitzstangen auf ihren Grundstücken zu errichten. Im Idealfall sind diese rund 2,50 Meter hoch und aus Holz. Ein Merkblatt der Vogelwarte beschreibt die Konstruktion und Montage der Sitzwarten. Beispielsweise sollte das an der Spitze der Stange angebrachte Querholz, also der «Sitz», «griffig» – etwa aus ungehobeltem Holz – sein.

Nicht «nur» zum Schutz der Vögel

Auf dem Littauerberg wurde bereits eine Sitzhilfe installiert. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Auf dem Littauerberg wurde bereits eine Sitzhilfe installiert. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Wer solche Sitzwarten für Mäusebussarde installiere, tue aber nicht nur etwas zum Schutz der Greifvögel. Diese ernähren sich nämlich hauptsächlich von Feld- und Erdmäusen, die in der Landwirtschaft zur echten Plage werden können.

Die Idee ist es, die Sitzwarten in einiger Distanz zu Strassen auf Feldern aufzustellen. Nicht jeder Landwirt dürfte aber darüber begeistert sein, auf seinem Feld eine über zwei Meter hohe Stange stehen zu haben, die er jedes Mal abschrauben muss, wenn er das Feldstück bearbeiten will. «Sie muss nicht zwingend mitten auf dem Feld stehen», hält Michael Schaad diesen Bedenken entgegen. Die Sitzwarten könnten demnach auch an anderen Feldrändern, die nicht an den Verkehr grenzen, angebracht werden: «Solange dort nicht ein stark frequentierter Wanderweg durchgeht, der von Menschen und Hunden benutzt wird, werden solche Sitzwarten auch genutzt – verschiedene Landwirte installieren die Sitzwarten auch etwa auf wenig bearbeiteten Öko-Ausgleichsflächen.»

Das Merkblatt zu den Sitzwarten finden Sie auf: www.luzernerzeitung.ch/bonus