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Der ungebetene Herbstgast: Woher der Nebel kommt und wie man vor ihm flieht

An bis zu 35 Tagen pro Jahr befindet sich Luzern unter einer Nebeldecke. Die Nebeltage nehmen ab – weil die Bise seltener geworden ist. Eine Nebelkarte, die Wetterfrösche und Livekameras helfen, der grauen Hülle zu entfliehen.
Jonathan Biedermann
Hochnebelstimmung über dem Vierwaldstättersee, fotografiert vom Pilatus. (Bild: Roger Grütter, 5. Oktober 2018)

Hochnebelstimmung über dem Vierwaldstättersee, fotografiert vom Pilatus. (Bild: Roger Grütter, 5. Oktober 2018)

Vor der Tür steht eine graue Wand. Öffnet man sie, sticht die feuchtkalte Luft wie ein Messer durch die Atemwege in die Lunge. Einmal hinausgetreten, scheint einem die graue Masse an die Hausmauer drücken zu wollen.

Der Nebel gehört zum Herbst wie der Schnee zum Winter und die Sonne zum Sommer. Mit letzteren beiden ist für gewöhnlich aber mehr anzufangen als mit dem Nebel, der den schönsten Plätze Luzerns ein düsteres Kleid verpasst.

Und doch ist er ein aufdringlicher Besucher: Gemäss Website von Meteo Schweiz gehört die Region um Luzern zu den am stärksten von Nebel betroffenen Regionen der Schweiz. «An bis zu 35 Tagen befindet sich die Stadt Luzern in der Suppe», sagt Daniel Gerstgrasser von Meteoschweiz auf Anfrage.

Nebel in Emmen häufiger als in Luzern

Das klingt nach wenig. Allerdings sei das Nebel-Aufkommen in der Zentralschweiz alles andere als konstant. Nicht nur werde beispielsweise Emmen häufiger eingehüllt als die Stadt Luzern. Auch könne sich die Anzahl Nebeltage von Jahr zu Jahr unterscheiden. Trotzdem sei es früher schlimmer gewesen. «Vor einigen Jahrzehnten gab es deutlich häufiger Nebel als jetzt», sagt Klimatologe Elias Zubler von Meteoschweiz. «Das hängt damit zusammen, dass die Bisenlagen, welche die Bildung von Nebel oder Hochnebel begünstigen, seltener geworden sind.» Weshalb dies so ist, lässt sich nicht sagen – wahrscheinlich seien vorwiegend natürliche Schwankungen dafür verantwortlich.

Wie schnell sich der Herbstbesuch verzieht, hänge von der Sonneneinstrahlung ab. Die schlechtesten Chancen dafür stehen laut Gerstgrasser zwischen November und Januar. Da bleibt der Nebel gerne mal über mehrere Tage liegen. Zudem spiele die Obergrenze des Nebels eine Rolle. Wenn diese steigt, hebt sich der Nebel in der Regel vom Boden ab. Dann spricht man von Hochnebel.

Wer der grauen Hülle im Herbst entrinnen möchte, hat lediglich die Badewanne Luzern zu verlassen. Tatsächlich bieten sich in der Umgebung rund um die Stadt so einige Möglichkeiten, dem unverhofften Besuch zu entgehen. Bei Hochdrucklagen mit Südwestwind hänge der Nebel tief, dessen Obergrenze befinde sich laut Gerstgrasser auf 600 Meter über Meer.

In solchen Fällen bieten sich der Dietschiberg bei Adligenswil (684 Meter) oder der Sonnenberg in Kriens (800 Meter) als nächstgelegene Fluchtziele an. Wenn allerdings die Bise einsetzt, markieren die Nebelschichten gerne Grösse. Dann steigt die Obergrenze schnell auf 1500 Meter an und die gesamte Region Luzern befindet sich unter einem Hochnebeldach. Da bleibt nichts anderes mehr übrig, als sich mit Rigi (1797 Meter), Pilatus (2128 Meter) und Co gegen den Besuch zu verschwören.

Alles auf eine Karte setzen bringt nichts

Wie aber kann man sich sicher sein, dass das Fluchtziel das graue Dickicht übersteigt? Wer bereits geschickt recherchiert hat, mag auf die Nebelkarte Schweiz gestossen sein. Auf der Website kann man herausfinden, ob ein bestimmter Ort vom grauen Besucher umhüllt ist oder nicht.

Die Betreiber der Karte empfehlen allerdings, die Obergrenze des Nebels zuverlässigeren Quellen zu entnehmen, als von der Website selbst berechnen zu lassen. Nichts einfacher als das: Die Wetterfrösche verkünden diese täglich in den Medien.

Ungenaue Nebel-Prognosen erschweren die Flucht

So einfach die Flucht nun scheint, so ungenau sind leider die Vorhersagen. Die Bestimmung von Nebel-Obergrenzen zählt Meteo Schweiz zu den «schwierigsten Kapiteln im Vorhersagedienst». Um sicherzugehen, dass die Flucht vor dem grauen Herbstbesuch auch gelingt, empfehlen sich Livebilder von den Ausflugszielen. Im Internet findet sich eine Vielzahl von Webcams, die entweder eine Sicht auf das Nebelmeer liefern — oder aber eine graue Blässe darauf hinweist, dass sie selbst vom Nebel heimgesucht wurden.

Woher der Nebel kommt

Damit Nebel überhaupt entsteht, müssen laut der Meteo Schweiz vier Bedingungen erfüllt sein: schwache Sonneneinstrahlung, wenig Wind, geringe Bewölkung und gesammelte kalt-feuchte Luft. Die ersten drei sind bei Hochdrucklagen im Winterhalbjahr erfüllt. Die «Badewanne» Mittelland erfüllt auch die vierte. Luzern hat mit seinen zahlreichen Gewässern zudem einen «Standortvorteil» in Sache Feuchtigkeit.

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