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Neben der Hofkirche Luzern wurde einst Kohle abgebaut

An prominenter Lage in Luzern gab es einst eine Kohlenmine. Der pensionierte Sekundarlehrer Hannes Küttel erzählt in seinem Buch spannende Geschichten über das Stadtluzerner Hochwacht-Quartier.
Hugo Bischof
Hannes Küttel neben dem zugemauerten Zugangsstollen für den Kohleabbau hinter der Hofkirche. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. März 2019)

Hannes Küttel neben dem zugemauerten Zugangsstollen für den Kohleabbau hinter der Hofkirche. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 19. März 2019)

Ein Kohlebergwerk in der Stadt Luzern? Was wie ein Witz tönt, war einst Wirklichkeit. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Hofbezirk bei der Hofkirche tatsächlich Kohle abgebaut. Es ist eine der Geschichten, die Hannes Küttel in seinem höchst unterhaltsamen und lesenswerten Buch über die Geschichte des Luzerner Hochwacht-Quartiers erzählt.

Das von der Zürichstrasse durchzogene Hochwacht-Quartier ist eines von 21 Quartieren in der Stadt Luzern. Seine Grenzen reichen von der Friedentalstrasse im Norden über die Bramberg- und Spitalstrasse im Westen und den Abendweg im Osten bis zum Hofbezirk mit der Hofkirche. Sogar einen kleinen Seeanstoss am Luzernerhof hat das Quartier.

Artikel über spezielle Häuser und Begebenheiten

Es ist ein lebendiges Quartier mit einem höchst aktiven Vorstand. Dreimal jährlich erscheint die Quartierzeitung «Hochwacht Post». Darin hat der pensionierte Sekundarlehrer Hannes Küttel (71), der seit über 40 Jahren im Quartier wohnt, in den letzten fünf Jahren 30 Artikel über Hochwacht-Strassen und -Häuser sowie historische Quartierbegebenheiten geschrieben. Sie sind jetzt, teils leicht überarbeitet und mit weiteren Beiträgen angereichert, in seinem Buch nachzulesen.

Dass in der Zeit der Industrialisierung und der beiden Weltkriege auch in der Schweiz Kohleminen betrieben wurden, weiss man. Bekanntestes Beispiel in unserer Region ist das Bergwerk im Sonnenberg, das 1946 stillgelegt wurde, da die heimische Kohle nach Ende des Kriegs viel zu teuer war. Dass es Kohleabbau mitten in der Stadt Luzern gab, ist weniger bekannt. Informationen dazu fand Küttel unter anderem in Protokollen des Chorherren-Stifts der Hofkirche. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist darin von Kohlenflözen – parallel zur Gesteinsschichtung verlaufenden Ablagerungen – die Rede. Auch der Einsturz eines Schachtes wird erwähnt.

1858 bewilligte der Propst, der Vorsteher des Stifts, ein Schürfgesuch der Bergwerkgesellschaft der Gebrüder Meyer. «Damit begann der gewerbemässige Abbau in unserem Quartier», so Küttel. «Hauer schlugen die Kohle mit Spitzhacken aus den Flözen, Klauber trennten sie vom tauben Gestein, Sortierer sorgten für den Abtransport.»

Niedrige Stollen, staubige Luft, grosse Hitze

Gearbeitet wurde unter schwierigsten Bedingungen: «In den sehr niedrigen Stollen, von Karbidlampen beleuchtet, herrschten grosse Hitze und staubige Luft.» Die Gebrüder Meyer hatten eine Schürfbewilligung für 30 Jahre, stellten ihre Tätigkeit aber schon nach neun Jahren ein, wegen eines «ungelösten Streits». Abgebaut wurde die Kohle unter der Propsteimatte nordwestlich der Hofkirche, wo heute unter anderem der markante Neubau des KV-Schulhauses steht. Ein Zeugnis des damaligen Kohleabbaus ist bei genauem Betrachten noch heute zu sehen: Ein zugemauerter Stolleneingang an der Adligenswilerstrasse unter dem Steg des Kapuzinerwegs.

Wer sich über die Entstehung der Kohlevorkommen in diesem Gebiet informieren will, muss nur ein paar Schritte weiter zum Gletschergarten spazieren. Dort hängt ein imposantes Wandgemälde von Ernst Maass. Es zeigt die geografische Situation Luzerns vor Millionen Jahren, «als sich in den Gewässern des Molasse-Beckens am Rande der Alpen pflanzliches Material ablagerte, das von Sand und Geröll überdeckt und unter Druck in Kohle umgewandelt wurde», wie es Hannes Küttel formuliert.

Flugversuche auf der Allenwindenkuppe

Das Buch bietet viele andere, teils überraschende Geschichten. Wussten Sie etwa, dass 1913 vier flugverrückte Luzerner Gymnasiasten den Bund der Luzerner Gleiter gründeten und mit einem selbst gebauten Gleitflieger am damals unbebauten Nordhang der Allenwindenkuppe Flugversuche unternahmen? Oder, dass die Liberalen 1933 im damaligen Restaurant Löwengarten eine Veranstaltung der Nationalen Front unterwanderten, um die Nazis so ins Leere laufen zu lassen? Oder, dass im selben Restaurant 1898 eine sogenannte Völkerschau, die kommerzielle Zurschaustellung von Menschen aus fremden Kontinenten, stattfand? Oder, dass es im neuen KV-Schulhaus mit wunderbarem Blick auf die Hofkirche eine öffentlich zugängliche Cafeteria gibt?

Woher der Name Hochwacht stammt, erfährt man in diesem Buch auch: Hochwachten waren im Mittelalter aussichtsreiche Signalpunkte auf Kuppen oder Türmen. Allenwinden war eine solche Hochwacht.

«Geschichte und Geschichten zwischen Hof und Friedberg». Buchvernissage: Donnerstag, 21. April, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Luzern (Bourbaki Panorama). Das Buch kann an der Vernissage für 25 statt 30 Franken gekauft werden.

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