NEBIKON: Buddhisten ziehen in Dorfbeiz ein

Das Restaurant Pinte hat einen neuen Besitzer. Der Verein der Indochina-Buddhisten der Schweiz will daraus einen Gebetsraum machen – und einen vietnamesischen Gelehrten unterbringen.

Christian Hodel
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Das Restaurant Pinte in Nebikon. (Bild Pinte-Nebikon.ch)

Das Restaurant Pinte in Nebikon. (Bild Pinte-Nebikon.ch)

Christian Hodel

christian.hodel@zentralschweizamsonntag.ch

Es wurde viel getuschelt in den vergangenen Wochen. Das Thema am Stammtisch: Was passiert aus unserer Beiz? Entsteht auch in Nebikon ein riesiger Tempel analog jenem Zentrum in Gretzenbach SO, der von thailändischen Buddhisten betrieben wird? «Nein», sagt Minh Nghiem Nguyen. «Natürlich wünschen wir uns auch einen solchen, aber einen Tempel können wir uns gar nicht leisten.»

Minh Nghiem Nguyen ist Vorstandsmitglied des Vereins der ­Indochina-Buddhisten in der Schweiz, ein Zusammenschluss von rund 550 vietnamesischen Buddhisten (siehe Kasten). Diese Woche hat er zusammen mit der Vizepräsidentin des Vereins den Kaufvertrag für das Restaurant Pinte in Nebikon unterschrieben. Aus der Dorfbeiz, die Ende Januar schliesst, soll ein Vereinshaus samt Gebetsraum werden. «Jeden Monat werden wir am Sonntag eine Zeremonie veranstalten.» Diese finde gemäss der buddhistischen Lehre immer um die Vollmondnacht statt. Erwartet werden jeweils 20 bis 30 Personen.

«Nachbarn bedauern, dass wir wegziehen»

Zudem werden täglich am Nachmittag Rezitationen durchgeführt – eine Handvoll Buddhisten aus der ganzen Schweiz nehmen jeweils daran teil. Zu Lärm- oder Verkehrsbelästigungen komme es in Nebikon deswegen nicht. Am heutigen Standort des Vereinshauses in Emmenbrücke hat es laut Minh Nghiem Nguyen nie Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. «Unsere Nachbarn bedauern, dass wir wegziehen.»

Auch die drei grösseren jährlich stattfindenden Anlässe mit rund 100 Teilnehmern – etwa die Feier des neuen Jahrs gemäss dem buddhistischen Kalender oder die Geburt von Buddha – sind für niemanden störend, wie Minh Nghiem Nguyen versichert. «Je nach Teilnehmerzahl werden wir diese Feiern in einem grösseren Lokal durchführen müssen.»

Für die Rezitationen wiederum ist ein buddhistischer Abt verantwortlich. Er wird im ehemaligen Restaurant in Nebikon auch wohnen. «Wir haben unseren Meister vor gut zwei Jahren von Vietnam in die Schweiz berufen, damit er uns die buddhistische Lehre beibringen kann und unseren Verein führt und aufbaut, damit wir unsere Kultur beibehalten können», sagt Minh Nghiem Nguyen. Der Meister sei nun daran, einen Deutschkurs zu absolvieren, um sich in der Schweiz zu integrieren und sich niederlassen zu dürfen.

Gebetshaus in Emmenbrücke verkauft

Bis der Verein in Nebikon einziehen kann, ist die Glaubensgemeinschaft in Emmenbrücke an der Erlenstrasse untergebracht. Das umgebaute Mehrfamilienhaus ist seit 2001 im Besitz der ­viet­namesischen Buddhisten. «Das Haus ist uns zu klein geworden.» Darum habe man dieses nun verkauft und jenes in Nebikon erworben, sagt Minh Nghiem Nguyen. Gut drei Jahre habe er nach einer geeigneten Liegenschaft gesucht, die auch verkehrstechnisch von der ganzen Schweiz aus gut erreichbar sei. «Wir sind dankbar, dass wir nun etwas gefunden haben und dass alles seitens der ehemaligen Besitzer und der Behörden reibungslos vonstatten ging.» Das heutige Restaurant wird mehr oder weniger so belassen, wie es ist. Die bestehende Garage wird abgebrochen und der Innenbereich leicht umgestaltet – unter anderem wird ein Altar eingebaut. Die Einsprachefrist für das entsprechende Baugesuch lief diese Woche ab. Gemäss Auskunft der Gemeinde ist es zu keinen Einsprachen gekommen. Eine Baubewilligung könne in Aussicht gestellt werden, heisst es.

Ende Februar wird der Verein das heutige Restaurant übernehmen und umbauen. «Wir haben vor, voraussichtlich im Mai für die Bevölkerung einen Tag der offenen Tür zu organisieren», sagt Minh Nghiem Nguyen. «Wir sind uns bewusst, dass einige Leute vielleicht Sorgen haben, weil sie nicht wissen, was im Haus von sich geht.» Die Türen seien aber immer offen. «Wer uns besuchen will, ist herzlich willkommen.»