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NEBIKON: Er führt die Badi wie «seinen» Betrieb

Walter Wyss steht als Badmeister nach 34 Jahren vor der letzten Saison. In dieser Zeit nagte ein spezielles Ereignis an seinem Schlaf.
Ernesto Piazza
Nach 34 Jahren in der Badi Stämpfel ist Schluss. Walter Wyss ist diese Saison zum letzten Mal Badmeister in Nebikon. (Bild Roger Grütter)

Nach 34 Jahren in der Badi Stämpfel ist Schluss. Walter Wyss ist diese Saison zum letzten Mal Badmeister in Nebikon. (Bild Roger Grütter)

ernesto piazza

Walter Wyss (58) schaut zum Himmel und lächelt. «Nein, das Wetter hat in den ersten zwei Wochen noch nicht wirklich mitgespielt.» Entsprechend überschaubar ist an diesem eher kühlen Morgen der Betrieb im «Stämpfel». Trotzdem gäbe es dies und jenes zu tun. Walter Wyss ist es gewohnt, anzupacken. Immerhin macht er dies als Badmeister von Nebikon nunmehr seit 34 Jahren. Am Ende dieser Saison sei aber Schluss, betont er. 2006 war er schon mal soweit. Doch die damalige Abstinenz reduzierte sich nur auf kurze Dauer. Bereits nach einem Jahr kehrte er zurück. Man habe ihn gefragt, ob er wieder übernehmen wolle. Wyss stimmte zu. «Doch jetzt ist mein Entscheid definitiv», sagt er.

Meilenstein und Herausforderung

Immer wieder schweift sein Blick über die rund 18 000 Quadratmeter grosse Anlage. Diese erfuhr 2012 unter anderem mit der Rutschbahn – als Zugpferd und Höhepunkt zugleich – den dringend benötigten neuen Schub. Die Badi präsentierte sich nach verschiedenen Veränderungen fortan in einem neuen Kleid, versprüht mit den gelb-orangen Farben mediterrane Atmosphäre. Dieser Moment sei zwar für die Anlage ein Meilenstein, für die Zukunft aber herausfordernd gewesen, erinnert sich Wyss.

Als gelernter Schreiner war und ist er prädestiniert, Arbeiten vor Ort selber zu erledigen. So flickt er ein WC oder führt kleinere Reparaturen an sanitären Anlagen aus. Es sei die abwechslungsreiche Tätigkeit, sagt er, «die mich so lange bei der Nebiker Badi gehalten hat». Auch das Wirken an der frischen Luft mag er. Obwohl es für ihn beileibe nicht nur warme Sonnentage gibt.

In den letzten Jahren wurde die Arbeit als Badmeister aber nicht weniger. Im Gegenteil: Es seien oft lange, intensive Tage gewesen, blickt er zurück. Tage auch, welche die Kompensationsstunden entsprechend hochschnellen liessen.

Stütze auch abseits des Betriebes

Wyss lächelt erneut. Er wirkt zufrieden. Der verheiratete Familienvater wohnt nicht nur auf der Anlage. Er habe den Betrieb immer so geführt, als sei es sein eigener. Und er ist dankbar. Vor allem für die immense Unterstützung von seiner Familie. «Ohne meine Frau hätte ich die Arbeit nie in dem Masse machen können», ist er überzeugt. Bis 2007 führte sie den Kiosk, heute die Kasse. Doch auch abseits des Betriebs war sie ihm eine Stütze. «Wir konnten am Abend den Tag Revue passieren lassen.»

Wirklich schwierige Momente hätte er wenige erlebt, so der Badmeister. Einmal musste Wyss eine Frau aus dem Wasser holen. «Da schlief ich schlecht.» Das Entwarnung bringende Telefon habe sich wie eine Erlösung angefühlt. Wenn er jemanden aus dem Bad wegweisen musste, sei das nie angenehm gewesen. Doch diese Situationen blieben Einzelfälle. Die Anlage sauber halten, Präsenz zeigen und eine klare Linie vertreten: Hier setzte er in all den Jahren die Prioritäten. «Die Besucher sollen ein gereinigtes WC benützen können», erzählt er – für viele vielleicht eine Bagatelle. Für ihn ist es aber ein eminent wichtiges Beispiel.

Eine markante Veränderungen gegenüber früher ortet Wyss in der zugenommenen Komplexität der Technik und der gestiegenen Bürokratie. Und man brauche mehr Aufsichtspersonal. In diesem Zusammenhang sei die Flexibilität zu einer echten Herausforderung geworden. «Bei schönem Wetter werden die Leute benötigt, wenn es regnet, nicht.»

«Ich habe nur noch funktioniert»

In prägender Erinnerung wird ihm der Jahrhundertsommer 2003 bleiben. Sein Leben reduzierte sich während dieser intensiven Phase auf arbeiten und schlafen. «Ich habe nur noch funktioniert.» Ein intaktes Team war Wyss ebenfalls immer wichtig. «Das macht vieles einfacher.»

Die 34 Jahre als Badmeister bezeichnet der 58-Jährige als gute Lebensschule. Die Zeit hat seine körperliche Substanz allerdings strapaziert. Das merkte er speziell im letzten Sommer, als er sich seine Achillessehne riss.

Der Nebiker Badmeister wird das «Stämpfel» zwar mit etwas Wehmut, aber mit einem prall gefüllten Rucksack von überwiegend positiven Erinnerungen verlassen. «Man muss gehen, wenn es am schönsten ist.» Wyss wird mit seiner Frau in Engelberg Wohnsitz nehmen. In den Schweizer Bergen wandern, den hohen Norden bereisen: «Langeweile kommt bei mir nicht auf.» Und vielleicht kehrt er ja einmal pro Jahr an seine alte Wirkungsstätte zurück. «Aber nur, um zu grillieren», sagt er. Diesmal mit einem breiten Lachen im Gesicht.

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