NEBIKON: Hilferuf aus dem Luzerner Kino-Museum

Bruno Swoboda hat über Jahre Trouvaillen aus Kinos gesammelt. Um die wertvollen Werke zu retten, sucht er eine neue Bleibe.

Rahel Schnüriger
Drucken
Teilen
Im Keller von Sammler Bruno Swoboda (links) in Nebikon. Hansruedi Wäfler und Clemens Pragel wollen die alten Geräte retten. (Bild Boris Bürgisser)

Im Keller von Sammler Bruno Swoboda (links) in Nebikon. Hansruedi Wäfler und Clemens Pragel wollen die alten Geräte retten. (Bild Boris Bürgisser)

Über hundertjährige Holzkameras mit einem Ziegenbalg zur Belichtung, zwei Meter grosse Projektoren aus Kinos wie dem Luzerner «Moderne» oder «Capitol», eine ausrangierte Schneidstation: Mit grossen und kleinen Geräten aus einer vergangenen Zeit erzählt Bruno Swoboda die Geschichte von Film und Fotografie. «Jetzt sind wir in meinem Lieblingsland», sagt der 71-Jährige, als er in seinem privaten Museum in Nebikon den Raum rund um Kino und Film betritt.

Schon als Fotografenstift hatte er seinen Sammlerinstinkt entdeckt. Seither hat er die Augen und Ohren offen für alle exquisiten Geräte, die mit Film und Fotografie zu tun haben, und verfügt mittlerweile über 700 Gegenstände. Früher reiste er mit seinen Trouvaillen noch von Ausstellung zu Ausstellung, was ihn schnell zu einem bekannten Sammler machte. Dazwischen hatte er die Stücke in Kisten im Keller gelagert, bis er auf die Idee kam, diese auch daheim zu präsentieren.

Wie so viele seiner Ausstellungsstücke verdankt er auch sein Liebstes einem Zufall: «Eines Tages erhielt ich einen Anruf einer Frau, die mich um Hilfe beim Filmkleben bat», erzählt Swoboda. Nach seiner Unterstützung zeigte sie ihm ein in Einzelstücke zerlegtes Gerät, das verrostet im Keller stand. Bruno Swoboda nahm die für den Schrotthaufen bestimmten Teile zu sich, verabschiedete sich für eine Woche von der Aussenwelt und begann mit Reparieren, Einlegen, Putzen, Schleifen. Piekfein steht sein ganzer Stolz, ein handbetriebener Projektor aus dem Jahr 1919, heute in Nebikon. Der ehemalige «Rosthaufen» ist für ihn unbezahlbar.

Objektiv war auf dem Mond

So erzählt und erzählt Swoboda ohne Punkt und Komma, schwenkt zwischendurch zu Anekdoten über Freunde wie Hazy Osterwald und Kurt Felix, für den er Gags für «Verstehen Sie Spass?» konstruiert oder als Lockvogel mitgewirkt habe. Zu jedem Stück weiss er eine Geschichte, die nicht selten ungläubig erscheinen, würde er sie nicht mit Filmmaterial untermauern. Unter anderem zählt Swoboda ein Objektiv der Aarauer Firma Kern zu seinem Fundus, das für die erste Mondlandung 1969 im Einsatz war. Mit den Objektiven hat er im Keller des Aarauer Stadtmuseums Schlössli auch von den Astronauten gefilmte Farbaufnahmen gefunden, was ihm 30 Jahre nach der historischen Mondlandung Auftritte in verschiedenen Schweizer Fernsehformaten verschaffte. Denn anders als die damals offiziell gezeigten Aufnahmen verfügte Bruno Swoboda über farbige Bilder, die die Öffentlichkeit noch nicht gesehen hatte.

Doch die schillerndsten Jahre von Bruno Swoboda sind vorbei, auch wenn der 71-Jährige noch mit viel Elan in seinem Museum und dem eigenen Kino «Movie» in alten Zeiten schwelgt. Weil man nie wisse, wann es zu spät sei, hat sich Swoboda deshalb entschieden, das Museum aufzulösen. «Ich möchte jetzt noch mithelfen, die Stücke unterzubringen», sagt er, «denn um im Abfall zu landen, sind sie mir zu wertvoll.» Am liebsten wäre ihm, wenn sein kulturelles Erbe zusammenbleiben würde.

Idee von öffentlichem Museum

Auf den Plan gerufen hat er damit zwei andere Film-Fans, die sich mit alten Projektoren ebenfalls kleine Kinos daheim eingerichtet haben und nichts so begeistern kann wie die Technik der riesigen Analog-Projektoren. «Im Kino schauen wir statt auf die Leinwand lieber zurück zum Projektor», scherzen Clemens Pagel (35) aus Kriens und Hansruedi Wäfler (61) aus Emmenbrücke. Sie träumen von einem öffentlich zugänglichen Kinomuseum, in dem sie die Trouvaillen von Bruno Swoboda der Nachwelt erhalten können. Ihnen schwebt ein Raum im Zentrum von Luzern vor, vielleicht als Teil eines bestehenden Museums wie dem Verkehrshaus oder zur Aufwertung eines grossen Kinos wie es im Ebisquare entstehen soll. «Wir möchten die Kinogeschichte der Öffentlichkeit zugänglich machen», sagt Hansruedi Wäfler, «denn wenn diese Apparate verschwinden, geht ein wichtiges Kulturgut verloren.» Wie sie das genau anstellen wollen, schwebt allerdings noch in der Luft: Für das Projekt mit offenem Ausgang suchen die beiden deshalb Sponsoren und engagierte Gleichgesinnte.

Hinweis

Wer die private Sammlung in Nebikon besichtigen möchte, setzt sich mit Bruno Swoboda in Verbindung, 079 322 64 38.