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NEBIKON: Mangels Qualität – Ärztin muss gehen

Private Investoren springen in die Bresche, weil sich keine Hausärzte finden lassen. Experten warnen vor diesem Geschäft. Zu Recht, wie es sich nun zeigt. In Nebikon muss nach wenigen Monaten die Hausärztin die Praxis räumen – aufgrund von Reklamationen.
Christian Hodel
Hausärzte und Hausärztinnen sind in der Schweiz Mangelware. (Symbolbild Keystone / Christian Beutler)

Hausärzte und Hausärztinnen sind in der Schweiz Mangelware. (Symbolbild Keystone / Christian Beutler)

Es war ein kurzes Gastspiel. Rund ein halbes Jahr war die neue Hausärztin in Nebikon im Amt. Jetzt ist sie wieder weg. Warum der personelle Wechsel vollzogen wurde, wird von offizieller Seite nicht kommentiert. Nur so viel: «Wir haben hohe Ansprüche an die Qualität unserer medizinischen Versorgung», wie Connie Raif, Geschäftsführerin der Intermed AG in Sachseln, sagt. Der Rest seien «interne Angelegenheiten».

Öffentlich ist hingegen, dass die Hausarztpraxis in Nebikon eine von mehreren Zweigniederlassungen der Sachsler Firma ist. Das Unternehmen hat sich laut dem Handelsregister unter anderem auf die «Übernahme und den Betrieb von medizinischer» Einrichtungen im In- und Ausland spezialisiert. Dass das Geschäft von privaten Investoren, die sich Geld mit Hausarztpraxen verdienen, kritisiert wird, ist hinlänglich bekannt. «Die Gefahr bei solchen Firmen ist, dass Ärzte gegenüber ihrem Arbeiter unter Druck stehen und den Auftrag haben, genügend Rendite zu erwirtschaften», sagte Ueli Zihlmann, Geschäftsführer der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, bereit im vergangenen Mai gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag». Damals ging es im Artikel unserer Zeitung um die Übernahme der Nebiker Hausarztpraxis durch die Intermed AG. Zihlmann und weitere Ärzte warnten eindringlich vor solchen privaten Firmen, die Praxen aufkaufen. Sie wiesen daraufhin, dass mit diesem Geschäftsmodell die medizinische Qualität auf dem Spiel stehe. Letztlich gehe das auf Kosten der Patienten.

Auch der Geschäftsführer musste gehen

Nun, nur Monate später, scheint es so, dass Zihlmann und seine Arztkollegen Recht behalten. Wer sich in Nebikon umhört, trifft auf wenige lobende Worte für die abtretende Ärztin, die zuvor in Deutschland und Ungarn tätig war. Viele Patienten hätten ihre Krankenakten abgeholt und sich einen anderen Hausarzt gesucht, heisst es. Unzufrieden sei man mit der Behandlung gewesen – und Verständnisprobleme gab es. Ein Patient sagt: «Ich habe mich bei der Ärztin nicht gut behandelt gefühlt.» Aber mit dem vorherigen Hausarzt sei er bestens zufrieden gewesen. Dieser, der eigentlich nach über 35 Jahren als Arzt in Nebikon in Pension gehen wollte, springt nun interimistisch ein, wie Connie Raif von der Intermed AG in Sachseln bestätigt. «Mitte Januar 2017 wird dann eine neue ärztliche Leitung die Praxis übernehmen.» Wer das sein wird, wolle man noch nicht kommunizieren.

Von den Reklamationen von Patienten hat auch Raif gehört. Kommentieren will sie diese aber nicht. Wohl auch darum, weil sie erst seit wenigen Wochen bei der Intermed AG als Geschäftsführerin fungiert. Denn nicht nur die Nebiker Ärztin musste bereits nach wenigen Monaten mangels Qualität wieder gehen. Auch der frühere Geschäftsführer, der die Ärztin anstellte, ist aus der Firma ausgeschieden. «Wir stecken inmitten einer operativen Neuausrichtung», sagt dazu Raif. Weiter wolle sie sich zum Abgang ihres Vorgängers nicht äussern.

Christian Hodel
christian.hodel@zentralschweizamsonntag.ch

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