NEBIKON: «Risiko ist nicht mehr tragbar»

Oberstufenschüler sammeln in der Gemeinde künftig kein Papier mehr ein. Der Gemeinderat nennt als Hauptgrund das Unfall- risiko, das trotz Sicherheitsvorkehrungen unberechenbar sei.

Roseline Troxler
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Altpapier wird künftig nur noch durch das Gemeindepersonal eingesammelt. (Bild: Keystone /Eddy Risch)

Altpapier wird künftig nur noch durch das Gemeindepersonal eingesammelt. (Bild: Keystone /Eddy Risch)

Roseline Troxler

In Nebikon hat die Papier- und Kartonsammlung durch die Schule wie in vielen Gemeinden Tradition. Seit mehr als vierzig Jahren beteiligen sich Oberstufenschüler an der Sammlung. Doch damit ist nun Schluss, wie die Gemeinde in einer Mitteilung schreibt. Ab Ende Monat wird das Papier nur noch durch das Gemeindepersonal eingesammelt. Den Karton müssen Privatpersonen wie auch Gewerbebetriebe selber zur Sammelstelle bringen.

Neuregelung seit langem diskutiert

Ob Kinder oder Jugendliche Papier sammeln dürfen, regelt jede Gemeinde für sich. Der Nebiker Gemeindeammann Erich Leuenberger sagt zum Entscheid: «Das Unfallrisiko ist uns einfach zu hoch. Trotz vieler Sicherheitsvorkehrungen bleibt ein Restrisiko. Dieses wollen wir nicht mehr tragen.» Der Gemeinderat habe mit dem Entscheid zugewartet. Dies, weil der Gemeindeverband für Abfallentsorgung Luzern-Landschaft diskutiert hatte, künftig selber eine Papiersammlung anzubieten. «Da aber noch kein Konzept eingetroffen ist, haben wir entschieden, zu handeln.»

Bernhard Indergand, Geschäftsleiter des Gemeindeverbands für Abfallentsorgung Luzern-Landschaft (Gall), sagt: «Der Verband hat ein Projekt für eine Separatsammlung von Papier und Karton gestartet.» Aktuell umfasst das Projekt aber erst ein Angebot, Papier und Karton der Gemeinden zu verwerten. «Das Ziel ist es, im kommenden Jahr für die Gemeinden ein erweitertes Angebot zu schaffen. Angeboten werden soll dann die Sammlung selbst und die Verwertung.» Indergand betont aber, dass sich die Papier- und Kartonsammlung in der Hoheit der Gemeinden befindet und das Angebot für die Gemeinden freiwillig ist.

Sicherheitsvorkehrungen verschärft

Trotz Gefahren beim Sammeln sagt der Nebiker Gemeindeammann: «In den letzten vierzig Jahren ist mir in Nebikon kein einziger Unfall bekannt. Der Entscheid ist nicht aufgrund gefährlicher Situationen gefällt worden.» Seit dem schweren Unfall in Buchrain, bei dem ein 13-Jähriger starb (siehe Box), sind in vielen Gemeinden jedoch die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden – so auch in Nebikon. Dazu gehört, dass keine Kinder mehr auf den Anhängern mitfahren, nur noch Anlagewarte die Traktore lenken und Kinder mit den Fahrrädern in die Quartiere fahren.

Nebst der Sicherheit nennt Leuenberger einen weiteren Grund für den Entscheid zur Neuregelung der Papiersammlung. «Die Klassenstrukturen haben sich in der Oberstufe verändert.» So habe ein Schüler bei mehreren Lehrern und in unterschiedlichen Klassenverbänden Schule. Dies erschwere die Organisation der Sammlung stark. Für die Schulleitung war die Neuregelung laut Leuenberger nachvollziehbar. «Dennoch geht damit natürlich eine Einnahmequelle verloren.»

Laut dem Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband gibt es kein Verzeichnis, welche Schulen sich an der Sammlung beteiligen. In der Gemeinde Ruswil sammelt die Schule seit Jahren Papier. Schulleiter Christof Burkart sagt: «Bisher hat sich das System bewährt, und es bestand kein Anlass, etwas zu ändern.» Er findet positiv, dass die Schüler beim Sammeln lernen, dass sie etwas tun müssen, damit Geld in die Klassenkasse fliesst. Betreffend Unfallrisiko sagt Burkart: «Dieses ist bei jeglicher Aktivität ausserhalb des Klassenzimmers erhöht. Wenn alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden, kann eine zusätzliche Gefährdung sicher minimiert werden.» Laut Burkart ist die Papiersammlung für die Schule finanziell wichtig. «Damit wird ein grosser Teil der anfallenden Kosten der Klassenlager abgedeckt und die Kosten für die Eltern erträglich gehalten.»

Wichtige Einnahme für die Pfadi

In zahlreichen Gemeinden beteiligen sich auch Jugendverbände beim Sammeln – so etwa die Pfadi. Christine Breitschmid, zuständig für die Kommunikation beim Kantonalverband der Pfadi Luzern, betont, wie wichtig die Papiersammlung für die Pfadi als Einnahmequelle ist. «Sie kann ungefähr einen Drittel des Jahresbudgets ausmachen. Die Pfadi ist aber auch in einigen grösseren Gemeinden am Sammeln beteiligt, darunter in Horw, Kriens und Sursee. Da die Sammlung seit Jahren durch die Pfadi organisiert wird, sind die Sicherheitskonzepte laut Breitschmid «bekannt und gut geprüft». «Die Sammlungen sind durch die hohe Frequenz sehr professionell organisiert mit Leuchtwesten für alle Teilnehmer und erfahrenen Fahrern. Die Routen sind so geplant, dass sicher und effizient gesammelt werden kann.»

Umdenken wegen schwerer Unfälle

In Buchrain kam es am 11. Mai 2007 beim Papiersammeln zu einem tragischen Unfall. Eine Primarklasse wurde beim Sammeln von einem Lastwagen begleitet. Ein 13-jähriger Schüler geriet während eines Rückwärtsmanövers unter die Hinterachse des Fahrzeugs. Er verstarb noch auf der Unfallstelle. Vier Monate später kam es auch in Kerns zu einem schweren Unfall. Zwei Schüler verunglückten beim Papiersammeln, als ihr Traktor von der Strasse abkam und in eine Scheune krachte. Ein Schüler verletzte sich schwer. Seither haben viele Gemeinden die Papier- und Kartonsammlung neu organisiert. Viele lassen das Papier nur noch von Profis einsammeln.
Dazu gehören die Gemeinden Buchrain, Oberkirch, Kriens oder Beromünster. Andere Gemeinden stellten schon vor 2007 um und setzen beim Sammeln auf Abfuhrunternehmen.