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In der Stadt Luzern kommt der Quartierladen auf Rädern zurück

Sechs Luzerner wollen mit ihrem mobilen Geschäft in täglich wechselnden Quartieren unverpackte Produkte verkaufen.
Natalie Ehrenzweig
Mirjam Landwehr und Peter Bürgisser präsentieren ein zukünftiges Laden-Element. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 16. September 2019)

Mirjam Landwehr und Peter Bürgisser präsentieren ein zukünftiges Laden-Element. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 16. September 2019)

Vor über einem Jahr wurde die Idee geboren. Auslöser war die Schliessung des Unverpackt-Ladens an der Zürichstrasse. «Einige von uns haben dort eingekauft und wir haben uns gefragt, wieso das nicht funktioniert hat. Wir gingen davon aus, dass die Lage das Problem war. So entstand das Konzept des mobilen Quartierladens mit unverpackten Produkten», erzählt Mirjam Landwehr, eine der sechs Initianten von «Nachschub», wie sie ihren Laden beziehungsweise die dahinter stehende Genossenschaft getauft haben.

Inzwischen wurde viel gearbeitet. Zwei Drittel der Finanzierung konnten mit Unterstützung der Albert-Köchlin-Stiftung, der katholischen Kirche Luzern, der Gemeinnützigen Gesellschaft Stadt Luzern (GGL) und der Alternativen Bank bereits organisiert werden. «Nun suchen wir noch mehr Genossenschafter, schreiben mehr Stiftungen an und machen für das letzte Drittel noch ein Crowdfunding», erläutert Peter Bürgisser, der für das Ressort Einkauf und Sortiment zuständig sein wird. Im Wohnzimmer von Bürgisser steht ausserdem schon ein Prototyp des Ladenaufbaus, der auf den Elektrolastwagen gebaut werden soll. Bezüglich dessen Finanzierung «sieht gut aus», meint Bürgisser schmunzelnd, denn das Crowdfunding hat inzwischen schon über 50 Prozent der benötigten 25'000 Franken generiert.

Doch das Fahrzeug nützt nichts, wenn die Kunden ausbleiben. «Klar, es gab schon früher solche Dienste, sogar von der Migros. Die wurden aber nicht eingestellt, weil es kein Bedürfnis dafür gab, sondern weil sie unter hohem Kostendruck standen. Das tun wir nicht, wir müssen keinen Profit erwirtschaften», erklärt Mirjam Landwehr, die für die Grünen im Grossen Stadtrat sitzt. Nach den Investitionskosten falle vor allem der Lohn für die Verkäufer an. Da wäre man auch sehr glücklich, wenn sich Leute melden, die sich ehrenamtlich für diesen Job zur Verfügung stellen würden.

Nachhaltigkeit und kurze Wege

Dass die Bewohner in den Quartieren ein Bedürfnis haben, in ihrer Umgebung ihre Einkäufe, am besten zu Fuss, erledigen zu können, konnten die sechs Freunde in zahlreichen Gesprächen mit den verschiedenen Quartiervereinen abklären. «Die Menschen vermissen ihre Quartierläden und sie haben Redebedarf. Das sehen wir, wenn sie an unseren Flyer- und Standaktionen zu uns kommen», betont Peter Bürgisser.

Ein Quartier pro Tag – fünf Tage die Woche

Dass sie solide Vorarbeit geleistet haben und ihr Projekt einen Bedarf deckt, das lesen sie auch am Engagement der Stiftungen und der Alternativen Bank und am durchwegs positiven Feedback aus dem Umfeld ab. An fünf Tagen pro Woche soll der mobile Quartierladen also unterwegs sein, jeweils in einem Quartier pro Tag. «Wo wir stehen werden, klären wir mit den Quartiervereinen. Am einfachsten ist es für uns, wenn wir auf Privatgrund stehen können, dann brauchen wir nur eine nationale Bewilligung», sagt Mirjam Landwehr. Auch das Sortiment hat zu vielen Diskussionen geführt. «Natürlich sind wir bezüglich unseren Platzverhältnissen eingeschränkt. Wir haben dann eben nicht fünf Tomatensaucen, sondern nur eine. Ob die Menschen genug flexibel sind, wenn es um die Lieblingssauce geht, werden wir sehen», so Landwehr.

Nachhaltigkeit, also kurze Wege, möglichst wenig Verpackung und Abfall, zeigt sich auch im Entscheid, kein Gemüse und keine Früchte anzubieten. «Hier ist einfach das Risiko des Verderbens zu gross», bedauert Peter Bürgisser. Biologisch, unverpackt: Das hört sich nach hochpreisigen Produkten an. «Wir sind uns bewusst, dass sich wahrscheinlich die eher ärmere Bevölkerung Nachschub-Produkte nicht unbedingt leisten kann. Dafür möchten wir versuchen, eine Art Bestellservice anzubieten. Hierbei können Kunden Produkte, die bei uns keinen Platz haben, bestellen und bei uns abholen», sagt Landwehr. Die sechs Luzerner Freunde haben bei den Preisen insofern einen Spielraum, weil sie ein gemeinnütziges Nonprofit-Projekt auf die Beine stellen. Angedachte Preise wurden mit Preisen von Bio-Produkten der Grossverteiler und das geplante Sortiment mit demjenigen von Quartierläden verglichen.

Geplanter Start im kommenden Frühling

«Wir denken, dass wir für diejenigen Menschen, die weniger mobil sind, also etwa junge Familien mit Kindern oder ältere Leute, attraktiv sind. Und gleichzeitig auch für diejenigen, die nachhaltig einkaufen wollen, ohne grosse Wege auf sich zu nehmen», beschreibt Mirjam Landwehr ihr potenzielles Publikum. Wenn also das Auto bestellt wurde, muss das Team sich mit dem Schreiner besprechen, ihr Crowdfunding erfolgreich beenden, ein Lager suchen, Personal. Es bleibt viel zu tun. Unterstützung erfährt die Idee quer durch die politischen Lager, denn die Quartierbelebung ist nicht nur ein links-grünes Anliegen. Schritt für Schritt geht es weiter. «Unser Job bleibt sicher ehrenamtlich. Wie viel wir zu tun haben werden, wird sich zeigen», erklärt Landwehr, die auch als Geschäftsführerin amtet. Allen, die mitarbeiten wollen, stünden die Türen offen. Angedacht ist der Start ab Mai 2020.

HINWEIS
Infos und Crowdfunding: www.nachschub-luzern.ch

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