NEUDORF: Wallfahrtskapelle braucht Hilfe

Über 500 Jahre alt ist die Wallfahrtskapelle Gormund. Der Zahn der Zeit nagt entsprechend an ihr.

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Xaver Stocker, Verwalter der Kapellenstiftung Gormund, hofft auf eine baldige Sanierung der Wallfahrtskapelle «Maria Mitleiden». (Bild Pius Amrein)

Xaver Stocker, Verwalter der Kapellenstiftung Gormund, hofft auf eine baldige Sanierung der Wallfahrtskapelle «Maria Mitleiden». (Bild Pius Amrein)

Cyril Aregger

Unübersehbar thront die Wallfahrtskapelle Maria Mitleiden auf einem Moränenhügel an der Strasse zwischen Hildisrieden und Neudorf. Seit 1509 steht sie da, errichtet zu Ehren der Gottesmutter, die über die Jahrhunderte unzählige Hilfe und Trost suchende Menschen anzog. Ex-Voto-Tafeln, die Menschen nach erfolgter Heilung oder Hilfe stifteten, zeugen im Vorraum – dem sogenannten Vorzeichen – von der Dankbarkeit der Gläubigen (auch wenn ein in Schönschrift verfasster Aushang der Pfarrei Neudorf, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, die Leute dazu aufforderte, sie sollten statt «unnützer Tafeln» zu spenden doch lieber den Opferstock berücksichtigen).

Bei der Kapelle steht die Sanierung des von einem Wasserschaden beschädigten Vorzeichens an, der Innenraum hat eine Aufarbeitung nötig, und die Orgel muss renoviert und von Pilzbefall befreit werden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Unübersehbar thront die Wallfahrtskapelle Maria Mitleiden auf einem Moränenhügel an der Strasse zwischen Hildisrieden und Neudorf.. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Kapelle Gormund in Neudorf muss saniert werden. Auf dem Bild zu sehen ist Verwalter Xaver Stocker im Innern der Kapelle. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Ex-Voto-Tafeln, die Menschen nach erfolgter Heilung oder Hilfe stifteten, zeugen im Vorraum – dem sogenannten Vorzeichen – von der Dankbarkeit der Gläubigen (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Innenraum der Kapelle wurde in den folgenden Jahren mehrfach umgestaltet. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der heutige Altar ersetzte im Rahmen der letzten Renovation 1984/85 den Vorgänger aus dem Jahr 1924 und ist ein Nachbau des Originals aus den 1730er-Jahren. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Das religiöse Leben wird in der Wallfahrtskapelle auch heute noch gepflegt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bei der Renovation 1924 wurden auch die reichen Wand- und Deckenmalereien aus der Spätrenaissance wieder zum Vorschein gebracht, die bei der ersten Renovation 1742–44 teilweise überdeckt wurden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Stocker hofft auch auf Unterstützung von Bund und Kanton – die Arbeiten werden von der Denkmalpflege eng begleitet – sowie von den benachbarten Kirchgemeinden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bei der Renovation 1924 wurden auch die reichen Wand- und Deckenmalereien aus der Spätrenaissance wieder zum Vorschein gebracht, die bei der ersten Renovation 1742–44 teilweise überdeckt wurden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bekannt ist Maria Mitleiden aber auch als Hochzeitskapelle. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Kapelle Gormund in Neudorf muss saniert werden. Auf dem Bild zu sehen ist eine Innenansicht der Kapelle. (Bild: Pius Amrein/LZ, Neudorf, 9. März 2016)
«Nun muss dringend etwas getan werden», so Xaver Stocker. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Bei der Kapelle steht die Sanierung des von einem Wasserschaden beschädigten Vorzeichens an, der Innenraum hat eine Aufarbeitung nötig, und die Orgel muss renoviert und von Pilzbefall befreit werden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Viele Änderungen

Die heutige, noch immer gotisch geprägte Form erhielt die Kapelle 1612. Das Stift Beromünster entschloss sich damals zu einem Aus- und Neubau: Die Kapelle war baufällig und zu klein geworden. Ein Teil wurde zum Chor umgestaltet, ein neues Schiff und das Vorzeichen wurden errichtet. 1630, also kurz nach dem Umbau, kam die markante Kaplanei (auch Pfrundhaus genannt) hinzu, errichtet dank Stiftungen des Beromünsterer Kaplans und Schulherrn Johann Christian Hüeberlin. Der Innenraum der Kapelle wurde in den folgenden Jahren mehrfach umgestaltet.

Der heutige Altar ersetzte im Rahmen der letzten Renovation 1984/85 den Vorgänger aus dem Jahr 1924 und ist ein Nachbau des Originals aus den 1730er-Jahren. Die Marienstatue auf dem Hochaltar stammt von 1612. Bei der Renovation 1924 wurden auch die reichen Wand- und Deckenmalereien aus der Spätrenaissance wieder zum Vorschein gebracht, die bei der ersten Renovation 1742–44 teilweise überdeckt wurden. Unverändert blieb über die mehr als 500 Jahre die wunderbare Aussicht über die Hochebene zwischen Sempacher- und Baldeggersee.

Das religiöse Leben wird in der Wallfahrtskapelle auch heute noch gepflegt. Kaplan Beat Zuber liest täglich um 8 Uhr eine Messe – längst keine Selbstverständlichkeit mehr in der heutigen Zeit. Bekannt ist Maria Mitleiden aber auch als Hochzeitskapelle. Derzeit werden bis zu 20 Trauungen pro Jahr durchgeführt. «Es dürften auch gerne noch ein paar mehr sein», meint Xaver Stocker, Verwalter bei der Kapellenstiftung Gormund. Solche Anlässe führten oft zu einer starken Bindung zur Kapelle. Und diese sei für die Stiftung wichtig, so Stocker: «Wir erhalten keine Kirchensteuer und bestreiten den Unterhalt und den Lohn für unseren Kaplan seit je aus Spenden.»

Dringender Handlungsbedarf

Die Suche nach Spendern hat der Stiftungsrat nun verstärkt. Zwar decken die derzeitigen Einnahmen die laufenden Kosten, doch die Mittel für den Unterhalt und die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles aus Kapelle, Kaplanei und Sigristenhaus fehlten seit der letzten Renovation vor über 30 Jahren. «Nun muss dringend etwas getan werden», so Stocker. Bei der Kapelle steht die Sanierung des von einem Wasserschaden beschädigten Vorzeichens an, der Innenraum hat eine Aufarbeitung nötig, und die Orgel muss renoviert und von Pilzbefall befreit werden.

Seit über 30 Jahren unbewohnt

Rund 790 000 Franken will der Stiftungsrat investieren. In dieser Summe inbegriffen ist auch der An- und Umbau des Sigristenhauses, der den grössten Teil der geplanten Kosten verschlingt. Das Haus ist seit über 30 Jahren unbewohnt, der Boden in der ehemaligen Küche ist eingestürzt. Um es wieder bewohnbar zu machen, muss das Haus saniert werden, eine neue Küche und die sanitären Anlagen sollen in einem Anbau Platz finden. «Das ist kein Luxusprojekt, doch wir möchten die Wohnung wieder vermieten können», erklärt Xaver Stocker. «Die Einnahmen sollen uns in Zukunft helfen, den Unterhalt des Ensembles zu finanzieren, sodass wir etwas weniger auf freiwillige Beiträge angewiesen sind.» Damit in einem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden kann, braucht die Kapellenstiftung rund 500 000 Franken an Spendengeldern. Stocker hofft auch auf Unterstützung von Bund und Kanton – die Arbeiten werden von der Denkmalpflege eng begleitet – sowie von den benachbarten Kirchgemeinden. Einfach werde es nicht, die Mittel aufzutreiben, weiss Stocker. «Aber die ersten Reaktionen stimmen uns positiv. Es gibt noch viele Leute, denen Gormund am Herzen liegt.»

Hinweis

Weitere Infos finden Sie unter www.gormund.ch. Auskünfte und detaillierte Unterlagen sind bei Kapellenstiftung Gormund, Xaver Stocker, Elmenringen 2, 6025 Neudorf, Telefon 041 930 15 53, erhältlich. Bankangabe: Raiffeisenbank Beromünster, PK 60-5900-6, Spendenkonto CH20 8117 0000 0022 4096 8.