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Neue «alte» Standseilbahn soll Heiligkreuz in eine glorreiche Zukunft führen

Er nennt sich selbst Visionär: Niklaus Schmid (75) weibelt seit 10 Jahren für die Wiederbelebung der historischen Schlitten-Bahn auf Heiligkreuz-First. Er erntet dafür viel Sympathie – doch sein Plan hat noch einige Hürden zu nehmen.
Urs-Ueli Schorno
Niklaus Schmid will die historische Standseilbahn von Heiligkreuz nach First wieder aufbauen. Bild: Dominik Wunderli (Heiligkreuz, 28. August 2018)

Niklaus Schmid will die historische Standseilbahn von Heiligkreuz nach First wieder aufbauen. Bild: Dominik Wunderli (Heiligkreuz, 28. August 2018)

«Hänsel und Gretel» sind nicht nur Figuren aus Grimms Erzählungen, sondern auch zwei Schlitten. Sie gehörten zur Standseilbahn «Funi» – die Heiligkreuz-First ab 1938 zum ersten Wintersportort in der Zentralschweiz machte. An einem Seil gezogen brachten die hölzernen Kisten auf Kufen die Skifahrer rund 250 Höhenmeter bequem hinauf: von rund 1127 auf 1430 Meter über Meer.

Die Idee mit den am Seil gezogenen Schlitten hatte der Erbauer Franz Röösli im Toggenburg abgeschaut, als er, auf der Suche nach bereits bewilligten Anlagen, die Schlitten von Wildhaus inspizierte. Bis 1946 reisten Skitouristen von nah und fern an, um sich so dem Wintervergnügen im Entlebuch hinzugeben – bis später ein Skilift die Bahn ersetzte. Die Schlitten von Wildhaus sind heute im Verkehrshaus Luzern zu bestaunen.

Funi Heiligkreuz (1127m) bis First (1462m), vermutlich vor 1945 (Bild: jwalker.ch)

Funi Heiligkreuz (1127m) bis First (1462m), vermutlich vor 1945 (Bild: jwalker.ch)

Der entscheidende Moment

Niklaus Schmid, Jahrgang 1943, kennt diese Geschichte. Von seinem Haus aus sieht er zum Skilift, der in den 1970ern zu stehen kam. «Ich sass auf der Terrasse und blickte rüber», erinnert sich Schmid an den schicksalhaften Moment vor gut zehn Jahren. «Ich dachte mir: Man sollte das alte Funi wieder in Betrieb setzen.»

«Die Leute fragen immer wieder: Niklaus, wann kommt die Funi-Bahn?»

Niklaus Schmid (75), Visionär

Schmid liess bei den Seilbahnbauern der Garaventa AG 2011 einen technischen Bericht anfertigen, wo man sich von der Machbarkeit der Nostalgiebahn überzeugt zeigte. Dies, obwohl es dafür keine aktuellen Vorbilder mehr gibt. Rund 20000 Franken hat er aus dem eigenen Portemonnaie investiert. Er erzählt Familie, Freunden und Bekannten von seinem Vorhaben. Die meisten sind ihm wohlgesinnt. «Sie fragen immer wieder: Niklaus, wann kommt die Funi-Bahn?»

Zwei Schlitten mit Platz für je zwölf Personen

Noch besteht die Funi-Bahn nur auf dem Papier. Dort aber schon ziemlich konkret: «Natürlich gibt es heute nicht mehr so viel Schnee wie früher», so Schmid. Deshalb soll die Bahn neu schienengeführt entlang des Waldrandes aufgebaut werden. «Die Schlitten werden dazu mit Pneurädern versehen», erklärt er. In vier Sitzreihen à drei Personen angeordnet, sollen bis zu zwölf Gäste pro Fahrzeug transportiert werden können. Die Schlitten würden im Pendelbetrieb verkehren, wo sie sich gemächlich mit drei Metern pro Sekunde fortbewegen. Rund fünf Minuten dauert so die Fahrt dem Waldrand entlang, die auf 480 Metern Strecke 240 Höhenmeter bewältigt und eine durchschnittliche Steigung von 51,2 Prozent überwindet.

Schmid ist überzeugt, dass mit so einer Nostalgiebahn ein touristischer Mehrwert in Heiligkreuz entstehen kann, eine Win-Win-Situation. «Weil wir mit dem Kapuzinerhospiz ein Wallfahrtsort sind, ist der Betrieb auch nicht so sehr vom Wetter abhängig. Auch wenn es nieselt, werden die Funis Leute ins Bergrestaurant chauffieren», ist er sich sicher. Im Gegensatz zum Original soll das neue «alte» Funi vor allem im Sommer von April bis November fahren, wäre damit auch keine Konkurrenz zum bestehenden Skilift. Wenn es wenig Schnee hätte, wäre auch ein Winterbetrieb möglich. Der erste Nutzniesser wäre das Bergrestaurant First, 70 Meter entfernt von der Bergstation der geplanten Funi-Bahn. Es ist heute nur durch einen rund einstündigen Spaziergang von Heiligkreuz aus durch die Biosphäre zu erreichen, die Anreise verkürzte sich durch das Funi also beträchtlich. Gerade für ältere Personen, so Schmids Kalkül, eine dankbare Alternative.

Gut Ding will Weile haben

Im Bergrestaurant First steht auch ein Modell, das Schmid anfertigen liess. Der neue Besitzer Rolf Wyss findet die Idee sympathisch – gibt sich aber zurückhaltend. «Wir haben zuerst andere Dinge zu klären, als eine neue Bahn zu bauen.» Schnell wird klar: Weder die Betreiber der heutigen First-Bahn noch der Wirt im Bergrestaurant und auch nicht die Pflegschaft Heiligkreuz, der das Land gehört, können oder wollen die Finanzen aufbringen, um das Projekt auf die nächste Stufe zu heben. 300000 Franken wären laut Schmid nämlich notwendig, um Projektierung und Planung zu realisieren. «Dann könnte auch die Funi-AG gegründet und Aktien zur Zeichnung freigegeben werden». Mit weiteren 2,5 Millionen Franken rechnet er zum Bau der Bahn. Doch dazu fehlt Schmid neben der Bewilligung noch ein gewichtiges Puzzlesteinchen: Ein potenter Investor.

Selbst dann gelte es noch die Bewilligungen zu klären. Und auch wenn die geplante Routenführung vom Amt für Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern für realistisch angesehen wird, käme das visionäre Projekt immer noch vors Volk. Doch trotz dieser Hindernisse: «Ich will noch erleben, dass die Funi-Bahn dereinst fährt», sagt Niklas Schmid.

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