Neue Ausstellung in Sursee: «Louis Gut hat zweifellos auch provoziert»

Der Sankturbanhof Sursee stellt Werke eines Querdenkers aus, der laut Kurator Hanspeter Bisig mehr war als «nur» Bauer.

Matthias Stadler
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Hanspeter Bisig, Kurator des Sankturbanhofs, blättert in einem Tagebuch von Louis Gut.(Bild: Jakob Ineichen, Sursee, 20. November 2019)

Hanspeter Bisig, Kurator des Sankturbanhofs, blättert in einem Tagebuch von Louis Gut.(Bild: Jakob Ineichen, Sursee, 20. November 2019)

Eine Heiligenausstellung soll es keinesfalls werden. Dies macht Kurator Hanspeter Bisig schnell klar. Er spricht damit auch die weniger freundlichen Seiten von Louis Gut an. Dieser lebte von 1886 bis 1957 und wuchs in Kaltbach bei Mauensee auf. Zuerst verdiente er seinen Lebensunterhalt als Bauer, doch konnte er die physische Arbeit schon bald nicht mehr weiterführen.

Nach seiner Militärzeit rund um den Generalstreik 1919 arbeitete Gut unter anderem als Journalist, Poet und Hagelexperte. Er baute ein Haus auf der Moräne des Sempachersees und liess sich in Sursee nieder. Durch seine Kulturaffinität wuchs auch die Nähe zu Deutschland. In einigen Kreisen galt er als Nazi-Freund, was er aber immer bestritt und ihm auch nie nachgewiesen werden konnte, wie Hanspeter Bisig erklärt. Er hat im Sankturbanhof in Sursee eine Ausstellung über Louis Gut konzipiert, welche am Sonntag Vernissage feiert. Gut hat zeit seines Lebens gerne fotografiert sowie Gedichte und Texte geschrieben. «Wir wollen mit der Ausstellung erreichen, dass auch über seine Einstellung diskutiert wird. Louis Gut war sehr sensibel, hat angeeckt, zweifellos auch provoziert und kein Blatt vor den Mund genommen. Wir versuchen mit der Ausstellung, diese komplexe Persönlichkeit in den Raum zu stellen.»

Zu Busse und Gefängnis verdonnert

Louis Gut. (Bild: Sankturbanhof Sursee und Stadtarchiv Sursee)

Louis Gut. (Bild: Sankturbanhof Sursee und Stadtarchiv Sursee)

Louis Gut sei ein Querdenker und Nonkonformist gewesen. So habe er als Liberaler im katholisch-konservativen Sursee sowie mit seiner Ehe mit einer reformierten Bernerin angeeckt. Ausserdem sei er aus der Kirche ausgetreten. Für die Fasnacht habe er die von einem befreundeten Künstler geschaffenen Karikaturen unter die Leute gebracht. Das ging einigen noblen Bürgern von Sursee zu weit. Sein Freund musste einen Tag ins Gefängnis, Gut wurde zu einer Busse verdonnert.

Gut, dem wegen solcher Episoden viele aus dem Weg gingen, entwickelte früh in seinem Leben eine Vorliebe für die deutsche Romantik und deutsche Klassiker. Er schrieb über tausend Seiten Tagebucheinträge. Seine Gedichte füllten zahlreiche Hefte, er veröffentlichte sie allerdings nicht, genauso wenig wie seine zahlreichen Erzählungen in Buchform.

Im Zentrum der Ausstellung in Sursee stehen die romantischen Fotografien, die Gut vorzugsweise vom Sempachersee gemacht hat. Dazu schrieb er Gedichte, die vom Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart für die Ausstellung vertont wurden. Guts Bilder bringen dem Betrachter laut den Ausstellungsverantwortlichen den See von damals nahe. Mit diesen Bildern finde man zurück in eine Zeit des Träumens.

Kurator Hanspeter Bisig erklärt, dass Guts Fotos wegen des Lichtspiels eine gewisse Ähnlichkeit zu William Turners Werken haben. Solche wurden bekanntlich vor kurzem im KKL in Luzern ausgestellt. Deswegen passe es gut, dass in Sursee nun Bilder gezeigt werden, die vor hundert Jahren das Licht am Sempachersee einfingen. An 14 Stationen sollen Eckpunkte seines Lebens als Bauer, Politiker und auch als Liebender dargestellt und Denkanstösse mit auf den Weg gegeben werden. «Wir zeigen damit Louis Guts Vielfältigkeit auf.»

Die Ausstellung sei in der Luft gelegen, nachdem Journalist Willi Bürgi vor zwei Jahren ein Buch über Louis Gut geschrieben und er, Hanspeter Bisig, ein Buch mit Fotos und Gedichten zum Sempachersee gestaltet hat. «Zudem ist es meiner Meinung nach für den Sankturbanhof wichtig, mit Ausstellungen den Lokalbezug zur Kultur, Kunst und Politik herzustellen.»

Hinweis: Nonkonformist, Querdenker, Sündenbock: Die Ausstellung über Louis Gut dauert vom 24. November bis 15. März. Geöffnet: Mi bis Fr, 14 bis 17 Uhr, Sa/So, 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 9 Franken. Mehr Informationen unter www.sankturbanhof.ch