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Neue Luzerner Pfarrerin: «Für mich war immer klar – Pfarrerin werde ich nie»

Cristina Policante ist die neue Pfarrerin an der Matthäuskirche. Vor wenigen Jahren war das für sie unvorstellbar. Zum Umdenken bewegte sie auch eine Reise.
Ines Häfliger
Cristina Policante vor der Matthäuskirche. (Bild: Manuela Jans-Koch, 2. November 2018, Luzern)

Cristina Policante vor der Matthäuskirche. (Bild: Manuela Jans-Koch, 2. November 2018, Luzern)

Senffarbene Schnürstiefel, ein dunkelblonder Pagenschnitt und eine markante Brille: Die 28-jährige Cristina Policante wirkt wie eine ganz gewöhnliche junge Frau. Doch der Eindruck täuscht: Die junge St. Gallerin ist nicht etwa Sekretärin oder Juristin, sondern reformierte Pfarrerin. Seit dem 1. November wirkt sie in der Stadtluzerner Matthäuskirche und im Myconiushaus mit.

Ihre neue Stelle überrascht sie selbst. «Für mich war immer klar: Ich werde nie Lehrerin oder Pfarrerin.» Trotzdem studierte Policante nach der Matura Theologie in Basel – aus reiner Neugier, wie sie betont. «Das Theologiestudium vereinte meine Lieblingsfächer: Alte Sprachen gehören genauso zum Studienprogramm wie Geschichte und Psychologie.» Eigentlich wollte sie nur ein Semester lang Theologie studieren. Doch das Studium hätte sie sofort gepackt: «Die Fächervielfalt hat mir den Ärmel hineingezogen.»

Nach dem Praktikum war es ihr klar

Das Theologiestudium abzubrechen kam also bald nicht mehr in Frage. Vor dem Pfarrerinnenberuf sträubte sich Policante aber immer noch. Um sich den Job ganz aus dem Kopf zu schlagen, absolvierte sie ein Praktikum auf dem Pfarramt. Doch ihre negativen Erwartungen erfüllten sich nicht – im Gegenteil: «Die Vielseitigkeit der Arbeitsgebiete und der Kontakt mit den Menschen faszinierten mich.» Nach dem Praktikum wusste Cristina Policante: Pfarrerin ist der richtige Beruf für sie.

Nicht nur das Praktikum begeisterte sie. Wenn Cristina Policante über ihr Austauschsemester spricht, kommt sie ins Schwärmen. In Rom studierte sie an der reformierten Waldenser-Fakultät. Die Waldenser-Bewegung ist eine im 12. Jahrhundert entstandene Protestformation, die auch als Vorläuferin der Reformation angesehen wird. Über Jahrhunderte wurden die Waldenser von den Katholiken verfolgt und unterdrückt. Dies ist glücklicherweise Geschichte. Doch zahlenmässig sind die Waldenser der katholischen Kirche in Italien immer noch deutlich unterlegen. Ihr Minderheiten-Dasein ändere aber nichts an ihrer Begeisterung für den christlichen Glauben, sagt Policante. «Ihr Feuer steckte mich regelrecht an.»

Austausch mit Katholiken in Rom

In der italienischen Hauptstadt studierte Cristina Policante auch an katholischen Fakultäten. «Dieser innerkatholische Dialog öffnete mir neue Perspektiven.» Bereits die Frage, was Kirche denn eigentlich genau sei, hätte grosse Diskussionen unter den Studierenden ausgelöst: ein Gebäude? Ein Hierarchiegefüge? Oder die Gesamtheit der Gläubigen? Trotz vieler Differenzen: Die beiden Konfessionen haben auch vieles gemeinsam: «Die Diakonie verbindet uns. Sowohl Reformierte als auch Katholiken setzen sich für christliche Barmherzigkeit ein.»

Nach ihrem vielseitigen Theologiestudium und einem Vikariat im St. Gallischen Ebnat-Kappel fand Cristina Policante in Luzern nun ihre erste Anstellung als Pfarrerin. Policante ist die Nachfolgerin von Beat Hänni, der den Pfarrkreis infolge Pensionierung verliess.

«Mein Vater musste leer schlucken – er ist Katholik.»

Ihr Umfeld reagierte unterschiedlich auf ihre aussergewöhnliche Berufswahl. Einige ihrer Freunde, die mit der Kirche nicht viel am Hut haben, interessierten sich für ihre Beweggründe. Policantes Mutter freute sich, denn auch sie engagiert sich in der reformierten Kirche. «Mein Vater hingegen musste anfänglich leer schlucken – er ist Katholik.» Doch er hätte sich schnell damit abgefunden, erzählt Policante schmunzelnd.

Aufgrund sinkenden Mitgliederzahlen und struktureller Veränderungen ist ihre Stelle nur für ein Jahr gesichert. «Doch wir alle hoffen, dass Cristina Policante langfristig bleiben kann», sagt ihr Teamkollege Marcel Köppli, der ebenfalls Pfarrer an der Matthäuskirche ist.

So weit mag Cristina Policante aber noch gar nicht denken. Momentan sei sie sich am Einfinden, sagt die frischgebackene Pfarrerin und deutet auf ihren mit Unterlagen übersäten Schreibtisch. Glücklicherweise habe ihr Vorgänger die Übergabe gut vorbereitet – nicht nur in bürokratischer Hinsicht. «Die Leute begrüssen mich mit einem Lächeln. Das habe ich Beat Hännis Beziehungsarbeit zu verdanken. Er hat die Herzen für mich geöffnet.»

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