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Neue Privatschule in ehemaligem Horwer Hotel: Bei diesem Trio lernen Kinder wann sie wollen

Mit elf Kindern ist die neue Privatschule Kompass im «Pilatus»-Gebäude in Horw gestartet. Die drei Gründerinnen setzen auf altersdurchmischtes Lernen ohne Noten und Klassen – und haben dafür ein Vorbild in der Nähe.
Roman Hodel
Von links: Corinne Christen, Leiterin der Kompass-Schule, Kindergärtnerin Sibylle Renggli und Basisstufenlehrerin Livia Schwander. (Bild: Philipp Schmidli (Horw, 22. August 2018))

Von links: Corinne Christen, Leiterin der Kompass-Schule, Kindergärtnerin Sibylle Renggli und Basisstufenlehrerin Livia Schwander. (Bild: Philipp Schmidli (Horw, 22. August 2018))

Es steht unübersehbar mitten im Dorf – und ist immer noch mit «Hotel» angeschrieben: Das «Pilatus»-Haus an der Kantonsstrasse 75. Allerdings: Eingecheckt hat hier schon lange niemand mehr. In den oberen Etagen leben Studenten – das Erdgeschoss war zuletzt verwaist. Nun ist wieder Leben eingekehrt. Elf Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren gehen hier seit einer Woche in den Kindergarten oder die Primarschule – und zwar gemeinsam. «Altersdurchmischtes Lernen ist uns wichtig, denn die Grösseren lernen von den Kleinen und umgekehrt», sagt Corinne Christen (36), Leiterin der neu gegründeten Kompass-Schule.

«Wir möchten nicht, dass Eltern ihre Kinder in der Not zu uns schicken, etwa aus Unzufriedenheit mit der Volksschule.»

Corinne Christen, Leiterin der Kompass-Schule

Deren Philosophie lässt sich grob gesagt so umschreiben: Kinder lernen selbstbestimmt – mit Spielen, Projekten, Aufgaben. Das bedeutet: Sie geben vor, woran sie gerade arbeiten wollen und die Lernbegleiterinnen bieten die nötige Unterstützung. «Man muss den Kindern vertrauen, sie im richtigen Moment zum Lernen abholen», sagt Christen. «Vertrauen» ist ein Wort, das sie mehrfach verwendet. So müssten nicht nur die Lernbegleiterinnen Vertrauen in die Kinder haben, sondern auch die Eltern. «Es ist wichtig, dass sie hinter unserer Philosophie stehen», so Christen. «Wir möchten nicht, dass sie ihre Kinder in der Not zu uns schicken, etwa aus Unzufriedenheit mit der Volksschule.»

Lernen im ehemaligen Speisesäli

Zu den Lernbegleiterinnen zählen neben der ausgebildeten Primarschullehrerin Corinne Christen auch die Kindergärtnerin Sibylle Renggli (43) und die Basisstufenlehrerin Livia Schwander (27). «Ein Kind kam heute mit einem Büechli zu mir und sagte, es müsse Lesen lernen, denn es wolle diese Geschichte verstehen können», macht Schwander, die weiterhin auch in einem Kindergarten in Ebikon unterrichtet, ein Beispiel. «Sofort hat sich ein zweites Kind dafür interessiert.» Also habe man sich zusammengesetzt und losgelegt. «Durch diese Dynamik entstehen spontan Lerngruppen.»

Platz gibt es genügend: Etwa im ehemaligen Speisesäli, das immer noch von einer wuchtigen Nussbaum-Schrankwand dominiert wird. Unterteilt ist es durch mehrere Gestelle voller Bücher und Hefte – vom «Spick» über das «Geolino» bis zu «Papa Moll». Ein rotes Sofa und Occasions-Schulpulte gehören ebenfalls zur Ausstattung. «Vieles davon haben wir von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen», sagt Livia Schwander.

Kinder helfen mit – wenn sie möchten

Als zweiter grosser Unterrichtsraum dient das ehemalige, immer noch gut erkennbare Restaurant. Das Buffet ist noch da, sogar die Röhren, um die Zeitungen zu verstauen. Es sieht aus, als könnte man jederzeit nach dem Kellner rufen und das Menü 1 bestellen. Bloss der Kochherd wurde später eingebaut. «Die eigentliche Restaurant-Küche wäre viel zu gross für uns – wir haben diese deshalb auch nicht gemietet», sagt Sibylle Renggli. Zwei Mal wöchentlich wird für den Mittagstisch gekocht. «Die Kinder helfen mit beim Zubereiten, Tischen und Abwaschen – wenn sie möchten.» Eine sogenannte Jobbörse ist ebenfalls in Planung. Da werden Aufgaben verteilt wie beispielsweise das Bodenwischen oder Blumengiessen. Denn zur Schule gehört ein Garten – und einen Tag pro Woche verbringen die Kinder im Wald.

Doch auch hier gilt: Kein Zwang. Die Kinder sollen selber die Initiative ergreifen. Auf Noten wird verzichtet, dafür setzt man auf eine differenziertere Beurteilung anhand von Kompetenzraster und Portfolio, wie Corinne Christen sagt. All dies unterscheidet die Kompass-Schule wesentlich von der herkömmlichen Volksschule. «Der Lehrplan 21 ist für uns dennoch verbindlich», stellt sie klar. Doch die Kompass-Schule habe nicht den Anspruch, für alle die richtige Schule zu sein. «Wir sind aber überzeugt, dass einige Eltern die gleiche Vision haben wie wir.» Als Vorbild dient Christen die Casa Babetta in Hitzkirch – eine Privatschule mit einer ähnlichen Philosophie.

980 respektive 700 Franken Schulgeld

Das monatliche Schulgeld beträgt 980 Franken für Primarschüler und 700 Franken für Kindergärtler. Damit befindet man sich in guter Gesellschaft mit anderen Privatschulen. «Wir wollen möglichst vielen Familien ermöglichen, ihre Kinder bei uns zur Schule zu schicken», sagt Christen. Darunter sind auch ihr Sohn und der Sohn von Sibylle Renggli. Mit den momentanen räumlichen Voraussetzungen bietet die Schule Platz für zirka 15 Kinder.

Steuergelder erhält die Schule keine. Die Gründung der GmbH, die Infrastruktur der Schule und die Bewilligung durch den Kanton haben rund 50'000 Franken gekostet. «Reich werden wir nicht», sagt Christen. «Aber das ist auch nicht unsere Motivation – unser Ziel sind glückliche, selbstbewusste und sozialkompetente Kinder.»

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