Neue Rigi-Seilbahn: Gegner warnt vor Steinschlag und Lärm

Kurz vor einer öffentlichen Infoveranstaltung der Rigi-Bahnen zu ihrem Projekt einer Gondelbahn nach Rigi Kaltbad geht deren grösster Kritiker in die Offensive. Petitionär René Stettler warnt vor Lärm und Naturgefahren. Rigi-Bahnen und Behörden geben sich derweil bedeckt.

Christian Glaus
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Visualisierung von Petitionär René Stettler wie die geplante Gondelbahn Weggis-Kaltbad die Landschaft tangieren könnte. Links: Oberhalb der Talstation in Weggis. Rechts: Die neuen Masten im Bereich des oberen «Chilewald».

Visualisierung von Petitionär René Stettler wie die geplante Gondelbahn Weggis-Kaltbad die Landschaft tangieren könnte. Links: Oberhalb der Talstation in Weggis. Rechts: Die neuen Masten im Bereich des oberen «Chilewald».

Visualisierung: PD

Mit seiner Petition «Nein! zu Rigi-Disney-World» hat René Stettler einen grossen Erfolg erzielt. 3100 Personen unterschrieben die Petition, in der Folge wurde eine Charta ausgearbeitet, welche die Leitplanken für die künftige Entwicklung auf der Rigi vorgibt. 

Nun geht Stettler erneut in die Offensive. In einer Medienmitteilung und einem grossen Inserat in der Vitznauer Wochen-Zeitung warnt er vor den negativen Auswirkungen der geplanten Gondelbahn Weggis-Rigi Kaltbad. So schreibt er: «Es drohen Naturgefahren.» Wenn anstelle der heutigen Pendelbahn eine Gondelbahn gebaut werde, würden mehr Masten benötigt, das Seil hänge zudem näher am Boden. Entsprechend drohe ein «massiver Baumschlag im Weggiser Schutzwald». Die Schutzfunktion des Waldes bei Steinschlag werde gemindert.

Zudem verursache eine Gondelbahn höhere Lärmemissionen. Jede einzelne Stütze verursache Geräusche, die zusätzlich durch einen Resonanzeffekt verstärkt würden, schreibt Stettler. Je nach Windverhältnissen könne sich der Lärm Richtung Dorf und bis in die Weggiser Quartiere ausbreiten. «Auch Rigi Kaltbad ist von den Lärmemissionen betroffen.» Weiter kritisiert Stettler, dass der Energieverbrauch bei einer Gondelbahn höher sei als bei der heutigen Pendelbahn. Und er wiederholt seine Kritik, wonach die Gondelbahn mit ihren 14 Stützen den Berg verschandeln würde.

Rigi-Bahnen informieren im Dezember

Die Rigi-Bahnen nehmen René Stettlers Offensive «zur Kenntnis», wie es auf Anfrage unserer Zeitung heisst. Stellung nehmen dazu wollen sie nicht. Man werde die Bevölkerung an einer Infoveranstaltung am 11. Dezember informieren. Derzeit erstellt die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) ein Gutachten. Ob dieses ebenfalls an der Infoveranstaltung präsentiert werden kann, ist noch offen. Ausserdem liegt der Umweltverträglichkeitsbericht beim Kanton zur Vorprüfung. 

Doch die Frage bleibt: Erhöht der Bau der Gondelbahn tatsächlich das Steinschlagrisiko in Weggis? Aus Sicht des Kantons Luzern ist es noch zu früh, um diese Frage zu beurteilen. Judith Setz, Sprecherin des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements, erklärt auf Anfrage: «Zurzeit gibt es noch keine definitiven Angaben zu der Schneisenbreite, der genauen Anzahl Mäste, inklusive deren konkreten Standorte, sowie zur Seilführung. All diese Aspekte haben jedoch einen Einfluss darauf, welche Auswirkungen die Seilbahn auf eine mögliche Rodung und die Naturgefahrensituation haben wird.»

Konzession der Luftseilbahn läuft 2022 aus

Diese Fragen sollten demnächst geklärt werden. Die Konzession der Luftseilbahn Weggis-Kaltbad läuft 2022 aus. Die Rigi-Bahnen wollen im Herbst 2021 mit dem Bau der neuen Bahn beginnen. Doch dafür ist in Weggis unter anderem eine Zonenplanrevision nötig. Dort muss für die Streckenführung ein sogenannter Seilbahnkorridor ausgeschieden werden. Der Weggiser Gemeinderat beabsichtigt, dazu im ersten Halbjahr 2020 eine Urnenabstimmung durchzuführen. Gleichzeitig sollen die Weggiser über einen Kauf von Rigi-Bahnen-Aktien über rund 1,4 Millionen Franken entscheiden.

René Stettler treibt seinen Kampf gegen ein Wachstum des Tourismus auf der Rigi derweil weiter voran. Seine Anfang November lancierte Petition «Rigi: 800'000 sind genug!» läuft noch bis Ende Januar 2020. Bisher haben 500 Personen unterschrieben.

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