Neue Seilbahn stösst auf Kritik: Nun sind die Rigi-Bahnen zu Abstrichen bereit

Die Rigi-Bahnen kommen den Kritikern entgegen: Die neue Weggiser Seilbahn könnte mit nur leichtem Kapazitätsausbau erstellt werden.

Christian Glaus
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So könnte die neue Gondelbahn im Bereich Müseralp aussehen.

So könnte die neue Gondelbahn im Bereich Müseralp aussehen. 

Visualisierung: PD

Zwei Fragen dominieren die Diskussionen um den Bau einer neuen Gondelbahn Weggis–Rigi Kaltbad. Wie gut fügt sich die Seilbahn mit ihren Dutzenden Gondeln in die Landschaft ein? Und wie viele Gäste haben auf der Rigi Platz? Auf beide Fragen versuchten die Verantwortlichen der Rigi-Bahnen am Mittwoch an einer Informationsveranstaltung vor weit über 100 Zuhörern Antworten zu geben.

Öffentlich besonders heiss diskutiert wird die Zahl der Gäste, die von rund 550'000 im Jahr 2009 auf 910'000 im vergangenen Jahr gestiegen ist. Mit dem Bau der neuen Gondelbahn ab Weggis wollen die Rigi-Bahnen die Kapazitäten erhöhen. Können mit der heutigen Pendelbahn 640 Personen pro Stunde transportiert werden, sollen es künftig 800 sein. Zudem ist die Infrastruktur so geplant, dass die Kapazitäten auf 1200 pro Stunde erhöht werden können.

Beschränkung auf 800 Personen pro Stunde

Doch dagegen regt sich Widerstand. Nun geben die Rigi-Bahnen dem Druck nach. «Sollte das Gondelbahnprojekt an diesem möglichen Kapazitätsausbau scheitern, können sich die Rigi-Bahnen vorstellen, das Projekt auch baulich lediglich auf 800 Personen pro Stunde auszulegen.» Dies ist einem Schreiben zu entnehmen, das am Mittwochabend an die Besucher verteilt wurde. Ein weiterer Kapazitätsausbau wäre mit der neuen Anlage also nicht mehr möglich.

Weniger konkret sind die Antworten in Bezug auf die Landschaftsverträglichkeit der Gondelbahn. Denn für das ­Gesamtbild fehlt ein wichtiges Puzzleteil: Das Gutachten der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission. Zwar wurde dieses von den Rigi-Bahnen per Anfang Dezember erwartet. Doch es verzögert sich. Ergebnisse dürften voraussichtlich bis Ende Monat vorliegen, wie Jörg Lustenberger, Leiter Technik und Betrieb der Rigi-Bahnen, sagte. Das Gutachten hat wegweisenden Charakter. Kommt dieses zum Schluss, dass die Gondelbahn nicht landschaftsverträglich ist, wäre das Projekt vom Tisch.

Zahl der Masten auf elf reduziert

Unabhängig davon haben die Rigi-Bahnen den Strecken­verlauf und die Platzierung der Masten weiter optimiert. Das ist die zweite grosse Neuigkeit. Ursprünglich gingen die Rigi-Bahnen von 16 Stützen für die Gondelbahn aus, später wurde deren Zahl auf 14 reduziert. Nun sollen elf Stützen reichen. Möglich sei dies dank eines leistungsfähigeren Seils und dank Feinjustierungen. «Nun sind die technischen Möglichkeiten langsam, aber sicher ausgereizt. Die Bahn soll auch über ihre Nutzungsdauer hinweg stehen und bestehen können», betonte Jörg Lustenberger.

Die Seilbahn werde so hoch wie möglich geführt, damit im Wald keine zusätzliche Schneise entstehe. Rodungen seien nur im Bereich der Stützen nötig. Die Konsequenz: Im Bereich Müser­alp, eines landschaftlich sensiblen Gebietes, ist eine «dominante, 75 Meter hohe Stütze nötig», wie Lustenberger sagte. Die Wahl einer Gondelbahn mit hoher Streckenführung hat einen weiteren Nachteil: Die Bahn ist weniger windstabil als die heutige Pendelbahn.

Was geschieht, falls das Projekt scheitern sollte? Rigi-Bahnen-Vizepräsident Urs Wullschleger stellte klar: «Es gibt keinen Plan B. Sollten wir die Gondelbahn nicht bauen können, heisst das nicht automatisch, dass wir wieder eine Pendelbahn bauen würden.» Die Konzession für die bestehende Anlage läuft im Herbst 2022 aus.

Neue Rigi-Seilbahn: Gegner warnt vor Steinschlag und Lärm

Kurz vor einer öffentlichen Infoveranstaltung der Rigi-Bahnen zu ihrem Projekt einer Gondelbahn nach Rigi Kaltbad geht deren grösster Kritiker in die Offensive. Petitionär René Stettler warnt vor Lärm und Naturgefahren. Rigi-Bahnen und Behörden geben sich derweil bedeckt.
Christian Glaus