Neue Überbauungen in Kriens sind zu gut zwei Dritteln gefüllt

Noch sind im Mattenhof oder im Schweighof zahlreiche Wohnungen frei, doch deren Zahl nimmt langsam ab. Allerdings könnten künftig ältere Bauten dadurch unter Druck geraten.

Stefan Dähler
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Es ist noch nicht lange her, da machte Kriens Schlagzeilen mit der höchsten Leerwohnungssziffer im Kanton. 2018 standen 3,59 Prozent der Wohnungen am Stichtag, dem 1. Juni, leer. 2019 waren es dann noch 2,3 Prozent, mehrere Gemeinden haben Kriens wieder «überholt». Inzwischen dürfte die Quote weiter gesunken sein, denn langsam kehrt Leben in die neuen Überbauungen ein, wie eine Umfrage bei den Bauherren zeigt.

Mattenhof: Etwas mehr als 60 Prozent vermietet

Einen grösseren Anstieg hat zuletzt Mobimo in der Überbauung Mattenhof verzeichnet. «Derzeit sind rund 80 von 129 Wohnungen vermietet. Seit der Eröffnungsfeier am 10. September sind zirka 20 hinzugekommen», sagt Arealmanager William White. «Das ist eine gute Dynamik, damit sind wir zufrieden.» Bei den Mietern handle es sich vor allem um Paare, die sich eine Neubau-Wohnung leisten können. Vom Alter her seien verschiedene Generationen vertreten. Familien gebe es weniger, die dichte, urbane Überbauung ist auch nicht auf solche ausgerichtet. Von den kommerziellen Flächen sind rund 70 Prozent vermietet. Hier ein Foto der Überbauung Mattenhof:

(Bild: Pius Amrein, Kriens, 10. September 2019)

(Bild: Pius Amrein, Kriens, 10. September 2019)

Matteo: Etwas mehr als 40 Prozent vermietet

Bei der gleich daneben gelegenen Überbauung Matteo der Credit Suisse Anlagestiftung sind 64 von 146 Wohnungen vermietet, wie CS-Mediensprecherin Ute Vikas auf Anfrage mitteilt. «Für 16 Wohnungen erwarten wir demnächst die unterzeichneten Mietverträge.» Die Mieter seien junge Paare im Alter von bis rund 35 Jahren sowie Einzelpersonen, die erstmals eine eigene Wohnung mieten. Mit dem Vermietungsstand sei man zufrieden. «Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die Wohnungen im Hochhaus erst im Januar bezugsbereit sind und das Wohnungsangebot im Raum Kriens sehr gross ist.» Man sei überzeugt, alle Wohnungen vermieten zu können. Speziell bei Matteo ist, dass Mieter ohne Auto als Bonus einen Beitrag an das ÖV-Abo erhalten. Die Gewerberäume seien an Bächli Bergsport und die Migros vermietet, bei den Büroräumen sei man in Verhandlung mit Interessenten.

Schweighof: Rund 70 Prozent vermietet

Im Schweighof sind rund 70 Prozent der bisher 351 bezugsbereiten Wohnungen vermietet. Die verschiedenen Investoren wie die Suva, die Luzerner und die PKG-Pensionskasse seien zufrieden mit der Entwicklung, wie Projektkoordinator Guido Cavelti sagt. «Sie waren sich stets bewusst, dass die Wohnungen nicht von Beginn weg vermietet sein werden. Die Planung ist langfristig ausgerichtet.» Die Mieterschaft sei durchmischt, verschiedene Generationen würden dort wohnen. Die Stadt Kriens hatte zwar mehr Familien erwartet. Das Projekt sei aber nie als reine Familienüberbauung konzipiert gewesen, so Cavelti. «Es gibt verschiedene Grundrisse und Wohnungsgrössen.» Hier ein Luftbild eines Teils der Überbauung:

(Bild: Pius Amrein, Kriens, 25. April 2019)

(Bild: Pius Amrein, Kriens, 25. April 2019)

Auch im Schweighof-Gewerbegebäude, in dem die Vermietung zunächst harzte, geht es vorwärts. Hier seien rund zwei Drittel der Flächen vergeben. Neben der Pensionskasse PKG, der Eigentümerin des Gebäudes, seien inzwischen eine Kinderarztpraxis, Swisslife und weitere kleine Mietparteien eingezogen. «Weitere Vertragsabschlüsse stehen bevor, können aber noch nicht kommuniziert werden», sagt Cavelti. Der Bauplan sieht drei weitere Gewerbegebäude vor. Hier zeichnet sich noch kein Baustart ab. «Dieser erfolgt erst, wenn ein Ankermieter gefunden wird, der rund 50 Prozent der Fläche einnimmt», sagt Cavelti.

Zentrum Pilatus: Rund zwei Drittel vermietet

Im Zentrum Pilatus sind 21 von 30 Wohnungen vermietet, bei den Gewerbe- und Dienstleitungsflächen sind es ebenfalls rund zwei Drittel, wie Melanie Ryser von der Alfred Müller AG sagt. «Das Wohnungsangebot in Kriens ist aktuell gross», so Ryser. Man sei zuversichtlich, dass die freien Wohnungen und Dienstleistungsflächen in den nächsten Monaten vermietet werden. «Das Produkt überzeugt, die zentrale Lage ist ideal.» Hier das Zentrum Pilatus im Bild (die eine Hälfte des Gebäudes gehört der Alfred Müller AG, in der anderen ist die Krienser Stadtverwaltung untergebracht):

(Bild: Pius Amrein, Kriens, 18. Oktober 2019)

(Bild: Pius Amrein, Kriens, 18. Oktober 2019)

Aus Sicht der Stadt Kriens ist der Vermietungsstand erfreulich, wie Finanzvorsteher Franco Faé (CVP) auf Anfrage mitteilt. Es sei normal, dass für grosse Überbauungen zwei bis drei Jahre nötig sind, um diese zu füllen. Welchen Effekt die neuen Wohnungen auf die Stadtfinanzen haben werden, wolle man im Rahmen der Erarbeitung einer neuen Finanzstrategie vertieft analysieren.

Druck auf Altbauten steigt

Bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB) beobachtet man die Immobilienentwicklung in der Region Luzern aufmerksam. Grundsätzlich sei die Zuversicht der Bauherren nicht völlig aus der Luft gegriffen, sagt LUKB-Sprecher Daniel von Arx. «Es ist davon auszugehen, dass die Wohnungen über die Zeit sicherlich vermietet werden, wenn das Preis-/Leistungsverhältnis aus Sicht der Mieter stimmt.» Längerfristig könnte aber die Gefahr bestehen, dass ältere Bestandesliegenschaften unter Druck geraten, wenn die Leute zunehmend in Neubauobjekte umziehen. Denn in der Region Luzern seien mehr Wohnungen geplant, als durch das Bevölkerungswachstum benötigt würden, heisst es in einer Fachpublikation der Bank.