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Neue Zunft fordert Frauenquote an der Fasnacht

Die Frauen sollen an der Stadtluzerner Fasnacht mehr Macht bekommen. Das ist das zentrale Anliegen der gestern gegründeten «Lozärner Frauezomft». Selbstbewusst fordert sie: «Wir wollen einen eigenen Umzug!»
Mischtian Chreier
Zunftmeisterin Ursula Wämmer im Kreise der Vorsteherinnenschaft: «Am wichtigsten gesellschaftlichen Event der Region – eben an der Fasnacht – sind wir Frauen seit jeher krass benachteiligt.» (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 27. Februar 2019)

Zunftmeisterin Ursula Wämmer im Kreise der Vorsteherinnenschaft: «Am wichtigsten gesellschaftlichen Event der Region – eben an der Fasnacht – sind wir Frauen seit jeher krass benachteiligt.» (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 27. Februar 2019)

Warum sind in der Luzerner Politik und Wirtschaft nur wenige Frauen zu finden – und dafür so viele Huerenaffe? «Die Fasnacht ist schuld», behauptet die frühere SP-Stadträtin Ursula Wämmer und beklagt sich: «Am wichtigsten gesellschaftlichen Event der Region – eben an der Fasnacht – sind wir Frauen seit jeher krass benachteiligt.» Die Diskriminierung zeige sich zwar nicht an der Basis. «Aber in den wichtigen Zünften haben wir Frauen noch immer nichts verloren.» Das gelte etwa für die Zunft zu Safran, die Wey-Zunft, die Fidelitas Lucernensis oder die Maskenliebhaber-Gesellschaft. Auch das Luzerner Fasnachtskomitee (LFK) sei eine von Männern dominierte Organisation. Ursula Wämmer:

«Wir Frauen müssen also überall dort draussen bleiben, wo bei verreckt viel Bier und Holdrio Pakte geschlossen und Pfründe verteilt werden.»

Dieser Einschätzung pflichtet die Luzerner Modedesignerin Susanne Rock bei: «Wer mehr Frauen in Führungspositionen, etwa im Regierungsrat, will, muss in Luzern bei der Fasnacht ansetzen.» Denn hier bündle sich die Macht – unter dem Deckmantel, um nicht zu sagen dem Grend des Unverbindlichen, rüüdig Lustigen und Sauglatten. «So gesehen ist die Fasnacht eine todernste Sache.»

In Gesellschaft und Politik breit abgestützt

Eine prominente Gruppe von Luzerner Frauen will nun die Männerbastion Fasnacht stürmen: Wie unsere Zeitung exklusiv weiss, hat sie zu diesem Zweck gestern eine eigene Organisation gegründet, die «Lozärner Frauezomft». Gleich zu Beginn der Zusammenkunft bei der Luzerner Kapellbrücke wurde Ursula Wämmer zur ersten Zunftmeisterin gewählt. Sie weiss die Unterstützung wichtiger Luzernerinnen hinter sich: An der Gründungsversammlung waren neben ihr unter anderem auch CVP-Nationalrätin Andrea Gspür-Mönenberger, Polit-Urgestein Judith Stramm, die grüne Regierungsratskandidatin Sultanina Bärtsch, die ehemalige Kunstturnerin Ariella Kästlin, die bald arbeitslose Luzerner Tatort-Kommissarin Delia Leier, Sängerin Fabienne Lourdes, SVP-Aushängeschild Yvette Ostermann, Regisseurin Annette Lüftlin, Hoteldirektorin Brigitte Greller und die bereits erwähnte Susanne Rock dabei. Extra aus dem deutschen Wolfsburg angereist war überdies Fussballerin Lara Dackelmann.

Was auffällt: Die Zünftlerinnen strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Eindrücklich zeigte sich das am gestrigen Gründungsanlass, wo eine erste unmissverständliche Forderung – um nicht zu sagen: Kampfansage – an die Adresse der Stadt Luzern, der traditionellen Zünfte und des LFK lanciert wurde. «Wir wollen als Zünftlerinnen ebenso ernst genommen werden wie die Männer und verlangen darum eine Frauenquote an der Lozärner Fasnacht», sagte Zunftmeisterin Ursula Wämmer und präzisierte: «Die öffentliche Präsenz der anderen Zünfte ist unser Benchmark; darum verlangen auch wir das Recht, jährlich einen grossen Fasnachtsumzug durch die Luzerner Innenstadt durchführen zu dürfen – den ‹Lozärner Fraueumzog›».

Wie Ursula Wämmer die Forderungen der «Lozärner Frauezomft» im Detail begründet, sehen Sie hier:

Wie kommt diese Anspruchshaltung bei den Adressaten an? Unsere Zeitung weiss: Bei den etablierten Luzerner Zünften brodelt es gewaltig hinter den Kulissen. Doch nach aussen bemüht man sich um Diplomatie: «Den neuen Mitbewerberinnen wünschen wir einen guten Start ins Fasnachtsgeschäft», heisst es etwa in einer extra verfassten Medienmitteilung des LFK. Gleichzeitig macht der traditionelle Männerbund aber klar, wie er den Stellenwert der neuen Zunft einschätzt: «Gerne laden wir die ‹Lozärner Frauezomft› ein, am Fritschi-Umzug teilzunehmen – als freie Gruppe.»

Und der Luzerner Stadtrat? Stapi Beat Müsli gibt sich kooperativ: «Wir freuen uns über die Bereicherung des gesellschaftlichen Lebens und stehen der Idee eines Frauenumzuges in der Stadt Luzern grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber», sagt er. Aus «logistischen Gründen» macht der Stadtrat allerdings beliebt, den Umzug erst am Aschermittwoch stattfinden zu lassen – «und zwar im nördlichen Gemeindegebiet»: «Konkret schlagen wir eine Streckenführung vom Seetalplatz zum Littauerboden vor.» Bei wohlwollenden Worten will es der Stadtrat allerdings nicht belassen. Beat Müsli:

«Um auf mögliche weitere Forderungen der ‹Frauezomft› vorbereitet zu sein, überlegen wir uns, eine externe Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.»

Eher pessimistisch ist der Stadtpräsident, ob er der «Lozärner Frauezomft» bei der Suche nach einem eigenen Zunftlokal helfen kann. Müsli: «Alle in Frage kommenden Immobilien sind derzeit meines Wissens von der links-autonomen Besetzerszene absorbiert.»

Martello-Locher ist skeptisch –
Funny Cello twittert wie üblich

Auch jenseits der Luzerner Grenzen stösst die «Lozärner Frauezomft» auf Interesse: So soll Juso-Chefin Tamara Funny Cello gemäss in der Regel schlecht informierten Quellen der «Lozärner Frauezomft» einen Tweet gewidmet haben, in dem unter anderem die Begriffe «Luzerner Machofasnacht» und «Kapitalismus-Kakophonie» vorgekommen sein sollen. Ebenfalls geäussert haben soll sich die Bündner SVP-Nationalrätin Magdalena Martello-Locher. Sie räumt der «Lozärner Frauezomft» angeblich kaum Chancen auf Erfolg ein – allein schon, weil bei der Gründung die «Seven Thinking Steps» krass missachtet worden seien. (mch)

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