NEUENKIRCH: Er hat die Raststätte geprägt

Die Luzerner Raststätte erzielte 2013 ihr bestes Ergebnis überhaupt. Ein Erfolgsgarant ist Alfred Müller. Der abtretende Verwaltungsratspräsident zieht Bilanz.

Stephan Santschi
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Alfred Müller an der Tankstelle auf der Ostseite der Autobahnraststätte in Neuenkirch. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Alfred Müller an der Tankstelle auf der Ostseite der Autobahnraststätte in Neuenkirch. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Nach 31 Jahren und sechs Monaten ist Schluss. Wenn die Lurag Luzerner Raststätten AG heute zu ihrer Generalversammlung bittet, wird Alfred Müller einen Schlussstrich ziehen. Seit der Gründung Ende 1982 sass er im Verwaltungsrat, seit 17 Jahren hat er ihn präsidiert. «Es war eine schöne Zeit. Wir haben Umsatz und Gewinn massiv steigern können. Auch der Aktienkurs hat sich positiv entwickelt. Heute verfügen wir in Neuenkirch über eine Raststätte mit europäischem Topstandard», zieht der 68-Jährige aus Rain eine durchwegs positive Bilanz.

Topergebnis trotz Bedenken

Als Grund für den Rücktritt, der ein Jahr vor dem Ablauf der Amtszeit erfolgt, nennt er gesundheitliche Probleme. Die neusten Geschäftszahlen zeigen, dass er auf dem Höhepunkt abtritt. Im Jahr 2013 erwirtschaftete das Unternehmen einen Reingewinn von rund 1,2 Millionen Franken. So viel wie noch nie. Auch die Auslastung des Hotels Holiday Inn Express erreichte mit fast 73 Prozent einen Spitzenwert. «Wir sind völlig überrascht. Mit einem solchen super Jahr hatten wir nicht gerechnet. Eigentlich hatten wir extreme Bedenken», sagt Müller.

Verantwortlich dafür war die Euro-schwäche, die noch vor kurzem auch bei der Lurag für rückläufige Umsatzzahlen gesorgt hatte. «Die Massnahmen der Nationalbank mit der Fixierung des Eurowerts bei 1.20 Franken haben sich bewährt. Auch der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland wirkt sich positiv auf unsere Kundenzahlen aus. Profitiert haben wir zudem von der zeitweisen Schliessung der Raststätte Gunzgen», so Müller.

Oberster Grundsatz war ihm stets eine seriöse Geschäftsführung. «Innovation mit kalkulierbarem Risiko» war sein Motto. Das Vertrauen der mittlerweile über 1100 Aktionäre, die sich über eine Dividende von 10 Prozent freuen können, ist für Müller fundamental. Diese Richtlinie verfolgte er beim Bau des Hotels im Jahr 1998 ebenso wie während der regelmässigen Renovierungen und Modernisierungen der Tankstellenshops und des Restaurants. Und sie war ihm auch ein guter Ratgeber, als man sich aus dem Tauziehen um die geplante Raststätte Inwil auf der A 14 zurückzog. «Unser Mitbewerber machte dem Kanton ein exorbitantes Angebot. Wir liessen uns nicht zu finanziellen Abenteuern hinreissen. Schliesslich wollen wir mit einem Neubau auch etwas Geld verdienen», so Müller. Abgelehnt habe man im Weiteren den Passus, wonach die neuen Anlagen nach 30 Jahren Baurechtsdauer entschädigungslos in den Besitz des Kantons übergehen sollten.

Umbau und Renovation geplant

Mit den 9,5 Millionen Franken, die man für das Projekt Inwil bereitgestellt hatte, werden nun geplante Investitionen in Neuenkirch vorgezogen. So werden im Spätherbst 2014 auf der Westseite (Fahrtrichtung Basel–Luzern) Restaurant und Tankstellenshop neu gebaut. Später sollen auf der Ostseite umfassende Renovationen an Hotel, Restaurant und Laden folgen.

Mittlerweile beschäftigt die Raststätte 280 Personen in Voll- und Teilzeitstellen. «Wir möchten dafür sorgen, dass es allen gut geht. Deshalb haben wir neben dem 13. Monatslohn ein ergebnisabhängiges Bonussystem für alle Mitarbeiter ausgearbeitet», berichtet Müller. Geärgert hat er sich über die negativen Schlagzeilen im letzten September, als sich drei ehemalige Angestellte via diese Zeitung über die Arbeitsbedingungen beschwerten. Die Rede war von nicht eingehaltenen Lohnabmachungen, manipulierter Zeiterfassung und widerrechtlicher Kündigung. «Es ist schade, dass Leute auf diese Weise für Unruhe sorgen, anstatt sich bei den Vorgesetzten zu melden.» Es seien zwar Fehler passiert, diese seien aber unmittelbar nach Bekanntgabe bereinigt worden. Daneben sind zwei Verfahren wegen Änderungskündigungen vor dem Arbeitsgericht hängig. «Wir befinden uns rechtlich aber auf der korrekten Seite», ist Müller überzeugt.

Zeit für Reisen mit seiner Frau

Alfred Müller geht nun definitiv in den Ruhestand. Den ersten Schritt machte er vor vier Jahren, als er seine Treuhandfirma in Sempach an seine Tochter und seinen Schwiegersohn übergab. «Ich freue mich nun auf die spontanen Reisen mit meiner Frau. Ich habe die Michelin-Reiseführer aus Deutschland, Frankreich und Italien sowie Euros stets in meinem Auto.» Der Luzerner Raststätte in Neuenkirch prophezeit er eine viel versprechende Zukunft. «Die Nord-Süd-Achse war schon zu Zeiten der römischen Herrschaft wichtig. Das wird so bleiben. Auch die Mobilität der Menschen wird nicht kleiner werden.»