NEUENKIRCH: Fenster in eine Familientradition

Die Schreinerei Buchmann AG weist eine über 140-jährige Tradition auf. Sogar die Bänke der Dorfkirche stammen aus diesem Haus.

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Gute Aussichten: Erwin und Andrea Buchmann in ihrer 
zum Showroom umgebauten alten Schreinerei. (Bild Boris Bürgisser)

Gute Aussichten: Erwin und Andrea Buchmann in ihrer zum Showroom umgebauten alten Schreinerei. (Bild Boris Bürgisser)

Ernesto Piazza

Bei Erwin und Andrea Buchmann ist die Vorfreude gross. Am nächsten Freitag und Samstag zeigen sie der Öffentlichkeit in der ehemaligen Schreinerei-Werkstatt auf rund 170 Quadratmetern erstmals ihre Massivholz-Möbelausstellung. Augenfällig sind zwei mächtige Kronleuchter. «Damit soll die Handwerkerkunst ins passende Licht gerückt werden», sagt Erwin Buchmann. Zudem hat der Betrieb im Frühling in der fünften Generation nur wenige Meter vom alten Standort entfernt neue Produktionsräume bezogen. Mit diesen beiden Schritten rüstet sich die eine über 140-jährige Geschichte aufweisende Möbelschreinerei für die Zukunft.

Zwar bezieht die Buchmann Schreinerei AG am Wochenende neue Ausstellungsräume, trotzdem steht für die Neuenkircher Kleinfirma die auftragsbezogene Fertigung im Zentrum. «Wir stellen nur Unikate her», sagt Erwin Buchmann. Der Kunde kann zudem sein Holz selber aussuchen und in der Werkstatt beobachten, wie das eigene Möbelstück entsteht. «Damit geben wir ihm die Möglichkeit, eine eigene Beziehung zum Objekt herzustellen», so der Firmeninhaber. Mit viel persönlichem Kontakt versucht sich die Schreinerei Buchmann in einem hart umkämpften Markt auch künftig erfolgreich zu behaupten. Die Möbelstücke in der neu konzipierten Ausstellung sollen einem potenziellen Kunden vor allem «ein erstes Gefühl für seine Neuanschaffung ermöglichen», so Buchmann.

Das Geheimnis der Werkstatt

Bereits im frühen 20. Jahrhundert zeigte sich der Betrieb innovativ. Als die Kirche in Neuenkirch im Jahre 1939 wegen der ständig wachsenden Bevölkerung platzmässig an ihre Grenzen stiess, musste sie vergrössert und neu aufgebaut werden. Erwin Buchmanns Grossvater Leo bekam den Auftrag, neue Kirchenbänke zu erstellen. Dazu wurden lange Eichenstämme aus dem Elsass importiert und in der Schreinerei verarbeitet. Da die Werkstattmasse aber dazu nicht ausreichte, mussten die Stämme durchs Fenster in den Raum geführt werden. Dazu brauchte es extra eine Verbreiterung von einem der 20 ursprünglichen Fenster. Seither war dieses während Jahren von einer Maschine verdeckt.

Erst beim kürzlichen Umbau der Werkstatt zum Ausstellungsraum tauchte die Frage nach diesem Unikat auf. Erwin Buchmanns Vater Hugo wusste Bescheid, lüftete das Geheimnis. So konnten die rund 50 Kirchenbänke von jeweils zirka sechs Meter Länge an einem Stück gehobelt werden.

Frau hält Patron den Rücken frei

Erwin Buchmann hat den Betrieb vor 21 Jahren und in der fünften Generation von seinem Vater übernommen. Er beschäftigt zwei Fachkräfte und ebenso viele Lehrlinge. Während der Patron sein Hauptaugenmerk auf die persönliche Beratung legt, hält ihm seine Frau administrativ den Rücken frei.

Ein massives Standbein für den Kleinbetrieb bildet mittlerweile die einstige Marktnische, das sogenannte Hüsler Nest. Darauf wurde Erwin Buchmann im Jahre 1994 – nur einige Monate nach der Betriebsübernahme – aufmerksam. Ein Sportunfall zwang ihn zum Umdenken und liess ihn fortan persönlich und geschäftlich auf das Naturbett schwören.

Rauer Wettbewerb

In den vergangenen Jahren sieht sich das Schreinergewerbe mehr und mehr raueren Rahmenbedingungen ausgesetzt. «Der Kunde ist anspruchsvoller geworden und erwartet eine fachlich kompetente Beratung», weiss der Firmeninhaber. Man gebe zwar nach wie vor Geld für ein Möbelstück aus, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis müsse stimmen. Weiter vermutet Buchmann, dass die Aufhebung des Euro-Mindestkurses gewisse Auswirkungen auf seinen Geschäftsgang hat. «Monetär lässt sich dies jedoch kaum beziffern.» Was er aber weiss, ist: Bei den offerierten Leistungen liegt die Auftragsquote zwischen 80 und 90 Prozent. Und da der Neuenkircher Betrieb nicht die Schiene der Massenproduktion fährt, tangiert ihn auch der Einkaufstourismus von vielen Schweizer im nahen Ausland kaum.

Hinweis

Die Eröffnung der neuen Ausstellung erfolgt am Freitag, 13. November, von 17 bis 21 und am Samstag, 14. November, von 10 bis 17 Uhr.