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NEUENKIRCH: Hier gurren die 3000 schönsten Tauben der Schweiz

Die nationale Taubenausstellung rückt bis Sonntag Tausende Vögel ins Rampenlicht. Auch solche, die den Schönheitstitel mit Tricks erschleichen wollten.
Evelyne Fischer
Taubenschläge und Preisrichter – die Neuenkircher Turnhalle ist kaum wiederzuerkennen. (Bild Eveline Beerkircher)

Taubenschläge und Preisrichter – die Neuenkircher Turnhalle ist kaum wiederzuerkennen. (Bild Eveline Beerkircher)

Zwei Taubenschönheiten liegen auf der Hand. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Juror Peter Schmid sucht die Details, die die Schönheit ausmachen. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Juror Hans Welti zwischen den Taubenschlägen. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Juror Peter Aeschlimann begutachtet eine Kandidatin. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
In Neuenkirch sind die Tauben zur 94. Schweizerischen Taubenausstellung aufgereiht. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Juror Hansruedi Kunz und seine Frau Vreni verteilen den Tauben Noten. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
6 Bilder

Schönheitswettbewerb der Tauben

«Gurr, gurr, gurr.» Wo sonst Schüler lärmen, Bälle an die Wand knallen und Gummimatten zu Boden klatschen, tummeln sich Tauben. 2917 Stück. Aus allen Ecken der Schweiz, sogar aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Für die 94. Schweizerische Ausstellung wurde die Neuenkircher Turnhalle zum riesigen Taubenschlag. In den Käfigen plustern Vögel ihr Federkleid auf, trippeln auf Wellkarton herum, picken Körner aus Plastikkaffeetassen. Männer in weissen Kitteln beäugen sie. Einer von ihnen: der Surseer Peter Aeschlimann (65). Karierte Schirmmütze, Krausbart, unter den 40 Preisrichtern nicht zu übersehen.

Tauben mit Seltenheitswert

Für den ersten Augenschein bleibt das Tier im Käfig, später nimmt Aeschlimann die Taube in beide Hände, streift mit den Fingern über den Kopf, drückt die 12 Schwanzfedern auseinander. 129 Rassen von 261 Züchtern sind in Neuenkirch vor Ort, jede hat ihre eigenen Merkmale. Zeile für Zeile im Handbuch aufgeführt. «Ein Chrampf» sei die Bewertung, witzelt Aeschlimann. Und doch macht er diesen Job seit nunmehr 42 Jahren. Maximal 97 Punkte sind zu vergeben. Rund 100 Tauben durften sich gestern mit der Höchstmarke schmücken. Acht davon werden morgen zum Schweizer Meister gekürt.

Schon mehrmals den Schnabel vorn hatten die Tauben von Toni Kohler (70). Der Neuenkircher hält Komorner. Eine Rasse, die neben ihm in der Schweiz nur zwei Sempacher Jungzüchter halten. Auffällig sind die Muschelhauben dieser Tiere – es scheint, als wäre das Federkleid mit einem überdimensionalen Kragen geschmückt. Kohler darf sich mehrfacher Europameister nennen. Um in der höchsten Liga mitzuspielen, wird die Haube gerichtet, das Federkleid geputzt, das Bärtli gestutzt. Bei den schönsten Exempeln ist der Schnabel leicht nach unten geneigt, die Rosette am Hinterhals ausgeprägt. Herzförmig die Zeichnung der Federn, erdbeerrot die Augenränder. Etwas Babyöl bringt sie zum Leuchten. Nachfärben ist tabu.

Wer schummelt, wird überführt. Etwa jener Züchter, der der glatten Haube mit etwas Kleber nachgeholfen hat. Preisrichter Aeschlimann entging dies nicht. Solche Mängel werden neben Vorzügen und Wünschen auf der Bewertungskarte festgehalten. Widerstand ist zwecklos.

Budget von 100 000 Franken

Ab heute Freitag ist die Taubenausstellung fürs Publikum geöffnet. Mit gegen 400 Besuchern wird am Sonntag der grösste Ansturm erwartet. Drei Jahre lang sehnte der Taubenzüchterverein Neuenkirch dieses Wochenende herbei. Ein Grossanlass, den die 15 Züchter nur dank vieler Helfer zu stemmen vermögen. 100 000 Franken beträgt das Budget. «Dank Festwirtschaft, Tombola, Sponsoren und Startgeld sollte für uns ein schöner Batzen herausschauen», sagt Vereinspräsident Hans Brunner (57). Als 12-Jähriger erhielt er sein erstes Zuchtpaar. Berner Weissschwänze, vom Grossvater geschenkt. Eigenhändig zimmerte er ihnen einen Taubenschlag. Heute besitzt er sieben Paare, steht täglich eine halbe Stunde im Schlag und misst seine Zucht regelmässig an Ausstellungen. «Die Geselligkeit hat an solchen Anlässen einen grossen Stellenwert. Aber natürlich packt einen beim Wettbewerb auch ein gewisser Ehrgeiz.» Brunner hat gut reden. Einer seiner West- of-England- Tümmler – gelber Farbenschlag, weiss der Kopf und die Schwanzfedern – wurde bei der letzten Taubenausstellung in Ruswil zum Schweizer Meister gekürt.

Rund 3000 Taubenzüchter zählt die Schweiz. Jährlich verschwindet ein Zehntel davon. Während es bei ihnen mit Nachwuchs hapert, folgt jener der Tauben demnächst: Anfang Jahr startet die Paarungszeit. Und damit die Selektion, wer bei den nächsten Ausstellungen mit Tausenden Tauben um die Wette gurren darf.

Evelyne Fischer

Hinweis

Öffnungszeiten: heute 17 bis 21 Uhr; Samstag, 19. Dezember, 9 bis 19 Uhr; Sonntag, 20. Dezember, 9 bis 15 Uhr. Sporthalle Grünau, Neuenkirch. Weitere Infos: www.tzvneuenkirch.ch

Taubenausstellung: Weitere Impressionen finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

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