NEUENKIRCH: Kameras sollen Vandalen fernhalten

Noch diesen Sommer wird die Gemeinde 17 Überwachungskameras in zwei Schulhäusern installieren. Die Bürger nehmen die stete Überwachung in Kauf – und auch hohe Kosten.

Niels Jost
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Überwachungskameras bei einem Schulhaus in Zürich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Überwachungskameras bei einem Schulhaus in Zürich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Sprayereien zieren die Fassade, die Fenster und den Boden. Pflanzen wurden aus der Erde gerissen, Briefkästen gesprengt. Zu oft ist es bei den Schulhäusern der Gemeinde Neuenkirch schon zu Sachbeschädigungen gekommen. Gegen Vandalen dieser Art möchte sie nun vorgehen. In den Sommerferien werden deshalb 17 Überwachungskameras installiert: 14 bei den Schulhäusern und bei der Sportanlage Sonne­weid im Neuenkircher Dorfzentrum, 3 beim Primarschulhaus Sempach Station nahe dem Bahnhof, sagt der zuständige Gemeinderat Balz Koller auf Anfrage.

Das Ziel: Vandalen sollen künftig dank der Aufzeichnungen gezielt identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden können. Zudem sollen die Kameras auch präventiv wirken und allfällige Täter abschrecken. «Wir sind uns bewusst, dass die Kameras nicht zu 100 Prozent Sachbeschädigungen verhindern werden. Mit den Bildern können wir aber die Verantwortlichen eruieren», sagt Koller. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es meist nur einzelne Jugendliche seien, die sich zu solchen Taten hinreissen lassen. Sie halten sich vor allem abends auf den besagten Arealen auf. Zudem sollen dank den Aufzeichnungen all jene Personen, welche sich in der Freizeit ebenso dort befinden, vom Verdacht befreit werden. Sie sollen das Areal ungezwungen benutzen können, so Koller.

Datenschützer zweifelt an der Wirkung

Trotzdem: Die Überwachung eines öffentlichen Raumes ist heikel. Jeder wird von den Kameras erfasst, ob man will oder nicht. Zudem ist die Wirkung von Überwachungskameras umstritten, sagt Reto Fanger, Datenschutzbeauftragter des Kantons. Dessen ist sich auch der Gemeinderat bewusst: «Wir haben verschiedene Massnahmen ins Auge gefasst, zum Beispiel auch einen Wachdienst oder eine Einzäunung der Areale», sagt Balz Koller. «Aber die Argumente für die Überwachungskameras überwiegen.» So haben laut Koller andere Gemeinden wie Malters, Adligenswil oder Sursee durchwegs gute Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gemacht. Die Sachbeschädigungen seien dort nach der Installation der Kameras deutlich zurückgegangen.

Koller rechnet mit Gesamtkosten von 60 000 Franken. Das sei vertretbar. «Alle sollen die Schul- und Sportanlagen als öffentlichen Raum nutzen können – und das in einem sicheren und sauberen Zustand.» Er stellt zudem einen Vergleich auf: Im Durchschnitt musste die Gemeinde für die Folgen von Vandalismus und Littering pro Jahr 15 000 bis 20 000 Franken aufwenden. Weiter falle der Unterhalt der Kameras finanziell kaum ins Gewicht.

Genau geregelt ist zudem, wer Zugriff auf die Aufzeichnungen haben wird. Dies ist ausschliesslich dem Rektor der Schule, den Leitern Hauswarte und Gemeindedienst sowie dem Liegenschaftsverwalter der Gemeinde vorbehalten. Jeder Zugriff wird zudem protokolliert. «Die Bilder werden nur dann analysiert, wenn es zu einem gesetzeswidrigen Vorfall gekommen ist», versichert Koller. Wird keine Widerhandlung festgestellt, werden die Aufnahmen automatisch nach 72 Stunden gelöscht. Zudem werden Schilder auf die Überwachung der Areale hinweisen.

Haben Jugendliche genügend Freiraum?

Die Neuenkircher Ortsparteien befürworten das Vorhaben der Gemeinde grundsätzlich. Einzelne kritische Voten hat es dennoch gegeben. So fragte sich etwa die SP, ob es in der Gemeinde denn überhaupt genügend Orte gebe, wo sich Jugendliche treffen könnten. Davon ist Gemeinderat Balz Koller überzeugt: «Da gibt es nebst den Schul- und Sportanlagen das ‹Pfadihuus›, samstags den Midnight-Fun, das Projekt ‹Tun statt Ruhn›, den Ferienpass, über 70 Vereine und andere Kultur- und Freizeitmöglichkeiten. Unsere Gemeinde hat ein grosses Angebot für die Jugendlichen und ist immer offen für Eigeninitiativen.»

Auch die Bevölkerung hat sich für die Überwachung der Schulhäuser ausgesprochen. An der letzten Gemeindeversammlung vom 23. Mai haben die 129 anwesenden Stimmbürger ein entsprechendes Reglement über die Videoüberwachung mit grosser Mehrheit gutgeheissen. Damit ist der Weg geebnet für dessen Umsetzung. Das Regelwerk tritt am 1. Juli in Kraft.