NEUENKIRCH: Luzerner vor Seligsprechung

Niklaus Wolf von Rippertschwand war Bauer und Heiler. Nun soll er als erster Mann im Kanton Luzern seliggesprochen werden – sofern Rom sein Wunder anerkennt.

Christian Hodel
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Niklaus Wolf von Rippertschwand soll bald selig gesprochen werden. Auf dem Bild zu sehen ist sein Ehrengrab in Neuenkirch. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Niklaus Wolf von Rippertschwand soll bald selig gesprochen werden. Auf dem Bild zu sehen ist sein Ehrengrab in Neuenkirch. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sie war beinahe blind, doch eines Morgens wacht die Nonne auf und kann wieder sehen. Es war an einem Sonntag im Oktober 2006, als die damals 74-jährige Ordensschwester in der Pfarrkirche Neuenkirch einen Gottesdienst besuchte und zu Ehren von Niklaus Wolf von Rippertschwand (1756–1832) betete. Am Montag war sie von ihrer Krankheit geheilt. Es ist der Tag, auf den man in Neuenkirch seit Jahrzehnten gewartet hat. Das Wunder war da – die Voraussetzung, um die Seligsprechung von Niklaus Wolf in Rom voranzutreiben.

Rom prüft Wunder von Neuenkirch

«Derzeit wird das Wunder in Rom von Ärzten geprüft», sagt Stefan Tschudi, Diakon in der Kirchgemeinde Neuenkirch. Vor einem Jahr habe das Bistum Basel das entsprechende Dossier an die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse nach Rom eingereicht. «Parallel dazu überprüfen nun Theologen im Vatikan, inwiefern Niklaus Wolf ein tugendhaftes Leben geführt hat und die Voraussetzungen für eine Seligsprechung erfüllt sind.» Ist dies der Fall, wird Niklaus Wolf von Rippertschwand (siehe Kasten) neben der in Meggen geborenen Ordensschwester Maria Theresia Scherer (1825–1888) der erste Selige aus dem Kanton Luzern sein.

Verzögerung, weil Rom zu träge ist

Bereits seit 1955 setzt sich der katholische Volksverein des Kantons Luzern für die Seligsprechung von Niklaus Wolf ein, einem Bauern, Politiker und Heiler. 1973 wurde aus dem Verein die Niklaus-Wolf-Stiftung. «Die Vorbereitung war langwierig. Nun ist das Ziel in Sicht», sagt Tschudi. Den definitiven päpstlichen Entscheid erwarte er in den nächsten drei Jahren.

Drei Jahre sind eine kurze Zeitspanne, angesichts der langen Vorgeschichte. «Bereits in den 1930er-Jahren gab es erste Überlegungen für die Seligsprechung», sagt der Historiker Daniel Sidler, der sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit Niklaus Wolf beschäftigte. Doch erst 1997 wurde die Positio – ein gut 1000 Seiten umfassender historischer Abriss zum Leben und Wirken von Niklaus Wolf – eingereicht und später von Historikern in Rom genehmigt. Doch warum dauert der Prozess so lange? «Ein Grund ist die Trägheit des römischen Kurienapparates», sagt Sidler. Gleichzeitig sei das gesamte Verfahren einer Selig- oder Heiligsprechung bewusst auf mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte angelegt. «Die Kirche will im Allgemeinen nicht allzu schnell jemanden seligsprechen. Zuerst will sie prüfen, ob der Ruf eines Kandidaten auch in der heutigen Welt noch nachhallt.» Im Fall des Neuenkircher Bauernsohns sei dies der Fall.

Jeden Monat über 1000 Pilger

Die Bedeutung von Niklaus Wolf sei auch in heutiger Zeit gross, sagt auch Tschudi. Jeden Tag würden Gläubige ans Grab in der Wallfahrtskapelle, unterhalb der Neuenkircher Kirche, pilgern. «Pro Monat sind es über 1000 Besucher.» 20 000 Opferkerzen zu Ehren des wohl berühmtesten Neuenkirchers würden pro Jahr angezündet. «Wird Niklaus Wolf erst mal selig sein, wird es noch mehr Pilger geben.» Doch wie wahrscheinlich ist eine Seligsprechung wirklich? «Sie ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche», sagt Sidler. Es sei nur eine Frage des Zeitpunkts. «Bei der Selig- und Heiligsprechung von Niklaus von Flüe dauerte der Prozess beispielsweise mehrere Jahrhunderte.» Erst 1947 wurde der als Bruder Klaus (1417–1487) bekannte Einsiedler zu einem Heiligen. Er ist neben der katholischen Missionarin Maria Bernarda Bütler (1848–1924) der einzige Heilige der Schweiz aus neuerer Zeit. «Alle anderen Heiligen haben den vorgeschriebenen Verfahrensprozess nicht durchlaufen, sondern wurden aus der Tradition heraus zu Heiligen ernannt», sagt Sidler.

Wie viele Personen in der Schweiz seliggesprochen wurden, ist nicht bekannt. Es seien ein paar wenige, sagt Tschudi. «Viele dieser Personen werden regional verehrt und sind deshalb nicht so bekannt.» In der Neuzeit hat die Zahl der Heilig- und Seligsprechungen weltweit markant zugenommen. Allein Papst Johannes Paul II. hat während seines Pontifikats (1978–2005) weit über 1000 Selige und rund 500 neue Heilige gekrönt.

So lebte Vater Wolf

Niklaus Wolf von Rippertschwand war Bauer und ist heute vor allem als Krankenheiler bekannt. Er wurde 1756 in Rippertschwand bei Neuenkirch geboren und starb 1832 in St. Urban. «Vater Wolf», wie er auch genannt wurde, war Mitglied des luzernischen Grossen Rates, als dieser dem Kanton eine demokratische Verfassung verpassen musste.

Frei von Schmerzen durch Beten

1804 zog sich Niklaus Wolf aus der Politik zurück. Er hatte inzwischen seine Gabe, Kranke zu heilen, entdeckt. Betend heilte er fortan landauf, landab. Er selbst soll durch wundersame Weise durch ein Gebet von seinen Beinschmerzen geheilt worden sein. In Neuenkirch wird jährlich am ersten Sonntag im September ein Glaubensfest zu Ehren von «Vater Wolf» gefeiert. Seit 1952 ist sein Ehrengrab in der Wallfahrtskirche von Neuenkirch – unterhalb der Pfarrkirche.

HINWEIS: Mehr zu «Vater Wolf» gibt es hier.