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NEUENKIRCH: Neue Hoffnung für Jenische dank Neuenkircher Biobauer

Eine Bauernfamilie will den Jenischen einen Platz auf ihrem Grundstück anbieten. Das Angebot liegt bereits seit April beim Kanton. Dieser benötigt allerdings noch «eine geraume Zeit» für die Evaluation.
Gabriela Jordan
Jenische in Kriens im Oktober. (Bild: Pius Amrein)

Jenische in Kriens im Oktober. (Bild: Pius Amrein)

Die Protestaktion der Jenischen vom April scheint doch noch Früchte zu tragen. In Neuenkirch will die Familie Grüter den Jenischen einen Standplatz auf ihrem Grundstück zur Verfügung stellen. Die Familie betreibt den Biobauernhof Waldhus, der sich in der Nähe der Golfanlage Rastenmoos befindet. «Wir haben uns bereits im April zu diesem Schritt entschieden, als wir von der Not der Jenischen gelesen haben», sagt Familienvater Sepp Grüter.

Damals besetzten Jenische den Kiesplatz neben dem Krienser Schlund-Kreisel, um auf die fehlenden Plätze für Fahrende im Kanton Luzern aufmerksam zu machen. Weil der Kiesplatz für die Luga benötigt wurde, durften die Jenischen als Übergangslösung ins Krienser Nidfeld-Areal ziehen. Dort befinden sie sich noch jetzt. Jenische sind in der Schweiz eine anerkannte Minderheit, teilweise ohne fes­ten Wohnsitz.

Wohnwagen-Liebhaber wollen helfen

Wo künftig die Wohnwagen der Jenischen stehen könnten, grasen zwischen jungen Kastanienbäumen heute noch die Schafe der Familie Grüter. Diese will ihre Wiese aus verschiedenen Gründen zu Verfügung stellen. Einer davon überrascht angesichts des gegenüber der Wiese parkierten Wohnwagens nicht. «Wir sind selber Wohnwagen-Liebhaber und fuhren mit unseren fünf Kindern schon mehrmals so in die Ferien», sagt Sepp Grüter. Dass die Grüters mit dem Vermieten des Platzes einen Nebenerwerb hätten, ist ebenfalls ein Grund – für Sepp Grüter jedoch nicht der wichtigste, wie er erklärt: «Vor ­allem wollen wir den Jenischen helfen und ihre Situation verbessern. Dass die Kantone bisher so wenige Plätze geschaffen haben, ist wirklich unglaublich.» Als zwei Vertreter der Jenischen, die derzeit in Kriens weilen, die besagte Wiese besichtigt hätten, seien sie begeistert gewesen. Für eine Auskunft waren sie gestern jedoch nicht erreichbar. Trotz seiner Bereitschaft zweifelt Grüter aber daran, dass sein Vorhaben bald gelingen wird. Nach eigenen Aussagen hat er den Kantonsplaner Mike Siegrist bereits im April kontaktiert, bisher jedoch keine Antwort bekommen. «Die Situation der Jenischen gehört einfach zu denjenigen Problemen, mit denen sich niemand beschäftigen will.» Dass noch viele Fragen – wie auch die des Mietpreises – offen sind, ist sich Grüter bewusst.

Kanton evaluiert mehrere mögliche Plätze

Eine Anfrage beim Kanton zeigt aber, dass doch etwas im Gang ist. Der Platz Waldhus sei – neben anderen – ein möglicher Standort, der noch vertieft evaluiert werde, erklärt Mike Siegrist. «Wir sind dankbar über das Angebot der Familie Grüter», führt er aus. Für einen solchen Platz müssten aber verschiedene Kriterien wie Grösse, Lage, Erschliessung oder Zonenkonformität erfüllt sein.

Bis es einen neuen offiziellen Platz geben wird, braucht es laut Siegrist noch eine «geraume Zeit». Zumindest bis Ende März 2017 können die Fahrenden noch auf dem Nidfeld-Areal bleiben. Mit der Eigentümerin Coop konnte eine Nutzungsverlängerung vereinbart werden – zumal der bisherige Betrieb reibungslos verlaufen ist, wie Siegrist ausführt. Damit der Kanton sein Soll an Plätzen für Jenische erfüllt, müsste er nebst dem bestehenden Platz in Ibach je nach Grösse noch ein bis drei weitere definitive Plätze stellen.

Gabriela Jordan

Wiese auf dem Biohof am Dienstag in Neuenkirch. (Bild: Nadia Schärli)

Wiese auf dem Biohof am Dienstag in Neuenkirch. (Bild: Nadia Schärli)

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