NEUENKIRCH: Rehe und Rothirsche laufen künftig über die A2

Das Bundesamt für Strassen will bei der Raststätte eine 50 Meter lange Überführung für Wildtiere bauen. Autofahrer müssen dafür zwischenzeitlich auf die Bremse treten.

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Neuenkirch erhält einen neuen «Tunnel». Mit 50 Metern Länge einen freilich kurzen, wohlbemerkt. Dieser soll gemäss den nun aufliegenden Plänen des Bundesamtes für Strassen (Astra) gleich nach der Raststätte Neuenkirch (Richtung Sursee/Basel) entstehen (siehe Grafik) – und Wildtieren die Querung der Autobahn A2 ermöglichen. Es ist dies die dritte geplante Wildtierpassage bei der A2, neben jenen bei Langnau bei Reiden und Knutwil (Ausgabe vom 6. März).

Vorgesehen ist, 2020 mit dem Bau zu beginnen. Autofahrer müssen während der rund einjährigen Bauzeit zwischenzeitlich das Tempo von aktuell 120 Kilometern pro Stunde auf 100 sowie 80 reduzieren. Dies, weil die Pfeiler für die Überführung auf der Mittelplanke entstehen. Gemäss den Plänen werden aber immer beide Fahrspuren sowie die Ausfahrten passierbar sein.

Geringe Einschränkungen müssen auch die Benützer der Raststätte hinnehmen, wo etwa Coop pronto, Marché, Burger King oder das Hotel Holiday Inn Express einquartiert sind. Denn dort werden Materialien für den Bau sowie Bauschutt zwischengelagert.

Kosten: Über 10 Millionen Franken

Doch wieso möchte das Astra eine Über- und nicht eine Unterführung bauen? Gemäss den Plänen eigne sich die tief liegende Autobahn besser für eine begrünte Brücke. Um die Baustelle zu erschliessen, ist es zudem nötig, rund 3500 Quadratmeter Wald zu roden. Das entspricht ungefähr der Fläche eines halben Fussballfeldes. Die drei Grundstückbesitzer haben bereits ihr Einverständnis gegeben, ihre Waldflächen werden nach der Fertigstellung wieder aufgeforstet, ist den Plänen weiter zu entnehmen.

Das Projekt kostet rund 10,68 Millionen Franken, finanziert wird es vom Bund. Es ist Bestandteil der Wiederherstellung der Wildtierkorridore, welche mit dem Bau der A2 in den 1970er-Jahren unterbrochen wurden. Künftig sollen Rehe, Rothirsche, Wildschweine, Gämse oder Dachse also wieder ihre natürliche Wanderung von Ost nach West machen können. Das hat bereits für politische Vorstösse im Kantonsrat gesorgt: Man befürchtet, dass wegen der Wildtierpassagen deutlich mehr Wildschweine in den Kanton Luzern kommen und Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten (Ausgabe vom 30. Januar).

Das Projekt liegt noch bis am 27. Juni bei der Dienststelle Raum und Wirtschaft in Luzern sowie in der Gemeinde Neuenkirch öffentlich auf.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Das Baugesuch ist online unter www.rawi.lu.ch abrufbar.