NEUENKIRCH/HELLBÜHL: Auf besonderem Weg zum Diakon

Ende Monat geht Diakon Stefan Tschudi in Pension. Doch auch im Ruhestand bleibt er weiter aktiv – vor allem ein Thema liegt ihm speziell am Herzen.

Ernesto Piazza
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Stefan Tschudi bei einer Station des Gedenkweges für Vater Niklaus Wolf in Neuenkirch. (Bild: Eveline Beerkircher (26. Januar 2017))

Stefan Tschudi bei einer Station des Gedenkweges für Vater Niklaus Wolf in Neuenkirch. (Bild: Eveline Beerkircher (26. Januar 2017))

Niklaus Wolf nimmt bei Stefan Tschudi einen wichtigen Platz ein. Vater Wolf, wie er auch genannt wird, lebte von 1756 bis 1832. Sein Geburtsort ist der Weiler Rippertschwand in der Gemeinde Neuenkirch. Der Bauer mit der Gabe der Heilung ist in der Wallfahrtskapelle unterhalb der Pfarrkirche begraben und soll als erster Mann im Kanton seliggesprochen werden. Daher ist es für den 65-Jährigen ein «eigentlicher Glücksfall», dass er in den vergangenen acht Jahren in der Heimatpfarrei von Niklaus Wolf als Diakon wirken durfte. Ende Januar geht Tschudi nun in den Ruhestand.

Dass er aber einmal diesen beruflichen Weg einschlagen würde, war alles andere als absehbar. Der in Mauensee wohnhafte verheiratete Vater von fünf Kindern hatte an der ETH Zürich Naturwissenschaften studiert und arbeitete die erste Hälfte seines Erwerbslebens als Biologie- und Chemielehrer. Ein «Wüstenerlebnis», wie er es beschreibt, öffnete ihm die Augen für eine neue berufliche Herausforderung. Anlässlich eines Gottesdienstes auf einer Wallfahrt zwischen Ägypten und Israel sei der Gedanke, Diakon zu werden, plötzlich «da» gewesen, erinnert sich Tschudi. Schon bald folgten Abklärungen, was die Neuorientierung bedeuten würde. «Meine Frau stimmte meinem Ansinnen auch zu», sagt er. «Das war die Voraussetzung für diesen Weg.» Die Idee, beruflich nochmals ein neues Tätigkeitsgebiet kennen zu lernen, wurde für ihn immer greifbarer. Und so startete er schon bald mit den entsprechenden Ausbildungen. Diese führten 2002 zur Diakonweihe. Bevor er am 1. Dezember 2008 nach Neuenkirch kam, arbeitete er bereits in Hochdorf, Beromünster und Sins in diversen kirchlichen Funktionen.

Der Glaube spielt im Leben von Stefan Tschudi seit jeher eine wichtige Rolle. Bei der Jugendseesorge lernte er auch seine Frau kennen. Und trotzdem sagt er: «Es war ein grosser Schritt. Denn ich arbeitete gerne als Kantonsschullehrer.» Seinen heutigen Beruf übt er als eigentlich Spätberufener mit viel Akribie aus. Ob beim Predigtdienst, beim Religionsunterricht, bei Taufen, bei Beerdigungen oder bei der Betreuung von Katecheten: Tschudi spricht von einem «vielfältigen» und «spannenden» Tätigkeitsfeld in der von Pfarrer Gregor Illi geführten Pfarrei. Diese zählt heute in Neuenkirch rund 3100 Pfarreiangehörige. 2013 kamen 600 Personen von Hellbühl dazu.

«Die Menschen stehen und bewegen sich mit beiden Beinen in dieser Welt», sagt Tschudi. Dabei sei der eine Fuss gleichbedeutend mit dem Glauben, der andere stehe für die heutige Realität. «Um im Gleichgewicht vorwärtszugehen, braucht es jedoch beide», betont der Diakon.

«Die Verbundenheit mit der Kirche geht zurück»

Als besondere Herausforderung bezeichnet er die Flexibilität. Denn die Aufgaben würden stets wechseln. Wichtig ist für ihn auch: sich abgrenzen können, den einzelnen Themen nicht zu viel Raum geben, Schwerpunkte setzen. Zudem müsse man sich eingestehen können, nicht perfekt zu sein. «Wir müssen uns voll und ganz einsetzen, dürfen aber gleichzeitig auf den Geist Gottes vertrauen. Er hilft uns.»

Bei seinem Engagement stellt Tschudi vermehrt fest, dass «die Verbundenheit mit der Kirche zurückgeht». Der Glaube sei bei vielen Menschen mittlerweile an einem kleinen Ort zu finden. «Ich be­gegne auch immer wieder Situationen, bei denen Kinder, die gerne beim Sternsingen, beim Krippenspiel oder beim Ministrieren mitmachten, dies nicht dürfen.» Der Grund sei darin zu suchen, dass viele Jugendliche heute überall dabei sein wollten, oft (zu) vielen Hobbys nachjagen. «Und dann wird auch das Gute zu viel.»

Kraft und Energie holt Tschudi aus dem Gebet und in der Natur – in der Schöpfung. Schliesslich sei er ja auch Biologe, betont er. Die Kirchenräte von Neuenkirch und Hellbühl schätzten «seine ruhige, besonnene, zielführende und kompetente Art», schreiben sie. Ganz wird er den Kirchgemeinden aber nicht verloren gehen. So nimmt er in einem kleinen Pensum die Aufgaben um die Wallfahrt von Vater Wolf weiter wahr. In diesem Zusammenhang hofft Tschudi, dass Rom das am Grab von ihm geschehene Wunder bald anerkenne – und ihn dafür seligspreche.

Äusserlich habe er nach der Pensionierung keine grossen Pläne, sagt er. «Nach innen geht meine Reise aber weiter.»

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch