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Neuer Anlauf für Seeuferweg im Seetal

Für den Wanderweg rund um den Baldeggersee bringen die Befürworter neue Vorschläge auf den Tisch – und zeigen sich optimistisch. Doch es bleiben noch einige Fragen offen.
Ernesto Piazza
Entlang des Baldeggersees soll ein Seeuferweg entstehen. Auf dem Bild zu sehen ist der Abschnitt im Bereich Tempikon in Blickrichtung Retschwil. Bild: Pius Amrein (11. Juli 2018)

Entlang des Baldeggersees soll ein Seeuferweg entstehen. Auf dem Bild zu sehen ist der Abschnitt im Bereich Tempikon in Blickrichtung Retschwil. Bild: Pius Amrein (11. Juli 2018)

Der Wunsch nach einem Seeuferweg rund um den Baldeggersee besteht seit nunmehr 40 Jahren. In der Vergangenheit scheiterte das Vorhaben aber immer wieder an unterschiedlichen Partikularinteressen (wir berichteten). Aktuell fehlen bei der rund 13 Kilometer langen Wanderroute noch zwei Teilstücke. 200 Meter dieser insgesamt 5,3 Kilometer befinden sich in Gelfingen. Die Realisierung der Strecke ist nach wie vor umstritten. Der wesentliche, ebenfalls umstrittene Abschnitt befindet sich indessen auf der Westseite des Baldeggersees.

«In den letzten Monaten haben diverse Personen weiter an Lösungen gearbeitet», sagt Urs Meyer, Präsident des Trägervereins Rundweg Baldeggersee. Dies in der Hoffnung, dass nun die wichtigsten Hürden genommen werden konnten. Letzte Woche wurden die vom Projekt betroffenen Grundeigentümer sowie Pro Natura Luzern über den neusten Stand informiert.

Dienstbarkeitsverträge für betroffene Landwirte

Im Wesentlichen handelt es sich um drei Punkte:

  • Erstens ist die neue Linienführung Tempikon-Retschwil-Stäfligen auf einem Landstreifen entlang des Seeufers in der Naturschutzzone (siehe Grafik) vorgesehen. Das würde bedeuten, dass das bisher als Strassenabschnitt oberhalb des Ufers vorhandene Teilstück Retschwil-Stäfligen als Wanderweg ersetzt wird.
  • Diese Änderung der Linienführung wird zweitens durch eine geringfügige Anpassung der kantonalen Naturschutzverordnung ermöglicht. Das kantonale Bau-, Umwelt und Wirtschaftsdepartement bietet dazu Hand. Das Teilstück Baldegg-Tempikon (ebenfalls siehe Grafik) soll künftig mittels kombiniertem Geh- und Radweg zur Verfügung stehen. Damit kann neben dem Wanderweg ein sicherer, direkter Schulweg gewährleistet werden. Das entspricht einem lange gehegten Wunsch und einer Petition von betroffenen Anwohnern. Diesen erfüllen die Gemeinden jetzt durch die neue Linienführung.
  • Und der dritte Punkt ist: Von den direkt betroffenen Bauern erwartet man, dass sie Dienstbarkeitsverträge unterzeichnen. Dadurch räumen sie der Öffentlichkeit ein Fusswegrecht ein. Damit wären die Voraussetzungen für einen etwa 2,3 Kilometer langen Weg entlang der Ufervegetation geschaffen. Die Eigentümer würden dafür entschädigt. Und zwar so, «wie wenn sie ihr Land verkauften», so der Präsident des Trägervereins. Die Variante bezweckt, dass deutlich mehr als die Hälfte der neuen Wegabschnitte nicht in der Naturschutz- sondern in der Landschaftsschutzzone verlaufen sollen.

Die Kosten belaufen sich auf rund eine halbe Million Franken. Davon bezahlen die vier Seeanstössergemeinden Hochdorf, Hohenrain, Hitzkirch und Römerswil insgesamt 90 000 Franken. Für den Restbetrag will der Verein Rundweg Baldeggersee ein Fundraising ins Leben rufen. Nach der Fertigstellung gehört der Seeuferweg den vier erwähnten Kommunen. Bereits 2013 hatten sie eine Absichtserklärung für die sofortige Realisierung eines Rundwegs unterzeichnet.

«Grosser Fortschritt gegenüber früher»

Und wie schätzen die Beteiligten die neue Situation ein? Für Roland Emmenegger, Hochdorfer FDP-Gemeinderat und Leiter Netzwerk Gemeinden bei der Idee Seetal, ist die auf den Tisch liegende Variante «ein ausgewogener Kompromiss» für die vielen involvierten Interessengruppen. Er gibt dem jetzigen Projekt «sehr gute Chancen», dass es so umgesetzt werden kann. «Wir sind zielführend unterwegs», sagt Emmenegger optimistisch. Ihm ist aber klar: Eine Einigkeit aller Interessen sei nicht möglich. «Wir haben eine grosse Chance, zu einer Lösung zu kommen, von der alle etwas haben», ist Herbert Schmid überzeugt. Zudem sagt der CVP-Gemeindepräsident von Hohenrain: «Wir reden hier von einem grossen Fortschritt gegenüber den früheren Varianten.»

Elmar Lang, einer der betroffenen Grundeigentümer vom Westufer des Sees, sagt: «Wir teilen den Wunsch und die Bedürfnisse der Seetaler Bevölkerung für einen Rundweg um den Baldeggersee und bieten auch Hand für eine verträgliche und vor allem sinnvolle Lösung.» Ein künftiger Rundweg müsse die Ansprüche der Grundeigentümer sowie jene der Erholungssuchenden und Freizeitsportler decken. Gleichzeitig seien aber auch zwingend die Probleme im Bereich Verkehrssicherheit auf der heute stark befahrenen und gefährlichen Strasse zwischen Nunwil und Stäfligen zu entschärfen. Deshalb betont Lang: «Aus dem Grund kommt für uns nur eine Linienführung entlang der heutigen Strasse in Frage.» Diese könne von Fussgängern, von Velofahrern und Schulkindern benützt werden. Lang ist überzeugt, «dass für eine solche Lösung die Grundeigentümer auch bereit wären, ihr Land schnell und unkompliziert zur Verfügung zu stellen».

Pro Natura Luzern habe die Anpassungen zur Kenntnis genommen, erklärt Fachmitarbeiterin Marianne Baruffa. Weiter sagt sie: «Als Naturschutzorganisation sind wir verpflichtet, bei Beeinträchtigungen von diesbezüglichen Zonen genauer hin zu schauen. Ob Pro Natura Einsprache erhebt, wird zum Zeitpunkt des aufliegenden Bauprojekts entschieden. «Bis zu dem Zeitpunkt sind wir weiter mit der Projektorganisation im Gespräch.» Cornelius Müller, Geschäftsführer von Idee Seetal, betont, «dass alle zehn Verbandsgemeinden und das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern für die vorgeschlagene Linienführung des Rundwegs Baldeggersee einstehen».

So geht es nun weiter

Als nächster Schritt soll das Baugesuch vorbereitet werden. Zudem will man weitere Detailfragen mit den Grundeigentümern und Pro Natura bereinigen. Zu den Unterlagen des Baugesuchs gehört als integraler Teil des Eingabeprojekts auch ein vom Kanton geforderter Umweltbericht. Dieser ist durch einen externen Fachmann bereits in Bearbeitung. Darin werden unter anderem vorhandene Naturwerte, Auswirkungen des Weges auf die Natur sowie mögliche Ausgleichsmassnahmen aufgezeigt.

Geplant ist, das Baugesuch im Herbst durch Römerswil, stellvertretend für alle vier Seeanstössergemeinden, beim Kanton einzureichen. Dann legen es die besagten Kommunen auf. Parallel dazu nimmt der Kanton die Teilrevision der Schutzverordnung vor. Er bearbeitet ebenfalls mögliche Einsprachen. Urs Meyer vom Trägerverein Rundweg Baldeggersee hofft, dass im kommenden Frühling mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Doch er weiss auch: « Der ganze Fahrplan ist äusserst ambitioniert.» (ep)

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