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Neuer Anlauf für Tempo 30 im Zentrum von Emmen

Flanieren und Einkaufen soll man an der Gerliswilstrasse können. Das wünschen sich die Grünen. Stattdessen dominiert heute der Verkehr die Hauptachse durch Emmenbrücke. Der Gemeinderat will die Strasse ebenfalls attraktiver machen – ein Anliegen, das schon über 10 Jahre alt ist.
Beatrice Vogel

Eine Augenweide ist sie nicht, eine Einkaufsmeile erst recht nicht. Vielmehr schlängelt sich permanent der Verkehr durch die Gerliswilstrasse, die Hauptachse, die sich vom Seetalplatz bis zur Sprengi durch Emmenbrücke zieht. Rund 20'000 Autos muss sie täglich schlucken, die Lärmimmissionsgrenzwerte werden entlang der ganzen Strecke überschritten. Die Lust, sich in ein Strassencafé zu setzen, kommt dabei kaum auf – wobei es überhaupt wenige Cafés gibt. Auch wegen den Geschäften kommt kaum jemand hierher. Der Verkehr dominiert heute klar:

(Bild: Boris Bürgisser, Emmenbrücke, 23. Januar 2019)

(Bild: Boris Bürgisser, Emmenbrücke, 23. Januar 2019)

Früher sah das noch anders aus. Bis in die 1980er Jahre war die Gerliswilstrasse eine pulsierende Einkaufsstrasse, die Hauptschlagader von Emmenbrücke. Hier spielte sich das Leben ab. In den 1960ern entwickelte sie sich zu einer «städtischen Flaniermeile», wie Beatrice Schumacher im Buch «In Bewegung – Geschichte der Gemeinde Emmen» schreibt.

(Bild: Hans Schürmann, 1959)

(Bild: Hans Schürmann, 1959)

Migros, EPA, aber auch Metzgerei, Gemüsehändler, Bäckerei, Drogerie, Mode- und Schuhgeschäfte belebten die Gerliswilstrasse:

(Bild: Mondo Annoni, 1985)

(Bild: Mondo Annoni, 1985)

Dann veränderte sich die Strasse, alteingesessene Läden zogen weg. Das Emmen Center wurde zum Konsumentenmagnet. Immer mehr Leute waren mit dem Auto unterwegs. Auch die Arbeiter aus der alten, 1980 stillgelegten Viscosefabrik strömten nicht mehr durch die Gerliswilstrasse. Viele alte Gebäude sind im Lauf der Zeit durch Betonbauten ersetzt worden.

Schade, könnte man sagen. Ist doch die Gerliswilstrasse die dominierende Achse in Emmenbrücke, die durchaus Treffpunkt sein könnte. Insbesondere jetzt, da das Tramhüsli am Centralplatz wiederbelebt, die Viscosistadt zum kreativen Hotspot und der Seetalplatz zum Wohn- und Arbeitsquartier wird. Das dürften sich auch die grünen Einwohnerräte Marco Huwiler und Andreas Kappeler gedacht haben. In einem Postulat fordern sie die Aufwertung der Gerliswilstrasse zum attraktiven Ortszentrum – mittels einer Tempo-30-Zone. Dort soll man flanieren und sich in Strassencafés treffen können. Die beiden schreiben in ihrem Vorstoss:

«Emmerinnen und Emmer klagen immer wieder, dass die Gemeinde über kein Ortszentrum mit attraktiven Treffpunkten für die Bevölkerung verfügt.»

Tempo 30 könne darüber hinaus viele Vorteile bringen, schreiben sie: Lärmschutz und Fussgängersicherheit würden stark verbessert, auch der Verkehr würde flüssiger. Es gebe neue Gestaltungsmöglichkeiten für den öffentlichen Raum, das Gewerbe erhalte attraktive Standorte. Die Menschen aus der Nachbarschaft würden wieder öfter zu Fuss einkaufen. Als Paradebeispiel für diese Veränderungen ziehen die Grünen die oft zitierte Gemeinde Köniz heran, deren Zentrum umgestaltet und mit Tempo 30 versehen wurde, und die auch Kriens als Vorbild dient.

Wie der Gemeinderat in seiner Antwort auf das Postulat schreibt, ist er dem Ansinnen der Grünen nicht abgeneigt – er will das Postulat entgegennehmen. Definitiv über die Überweisung entscheiden wird der Einwohnerrat Emmen an seiner Sitzung vom 19. März.

Seit 10 Jahren gibt es Pläne für eine Aufwertung

Tatsächlich gab es schon früher Pläne, die Gerliswilstrasse aufzuwerten. Am 13. Oktober 2009 berichtete unsere Zeitung, der Emmer Gemeinderat wolle Tempo 30 oder gar eine Baum-Allee für die Gerliswilstrasse prüfen. Seit rund zehn Jahren seien der Kanton Luzern und die Gemeinde Emmen bereits an der Projektentwicklung für den Abschnitt der Gerliswilstrasse zwischen Centralplatz und Sprengi, schreibt auch der Gemeinderat in der Postulatsantwort.

Warum geht es da nicht vorwärts? Laut dem Emmer Baudirektor Josef Schmidli (CVP) war der Seetalplatz ebenfalls Teil dieses Projekts und wurde prioritär behandelt. Ein weiterer Grund für die Verzögerung war, dass man den Entscheid zur Wiedereröffnung des Autobahnanschlusses Emmen Nord abwarten wollte. Diese beeinflusst das Verkehrsaufkommen auf der Gerliswilstrasse. Die vom Bundesamt für Strassen favorisierte Variante sieht eine fast vollständige Öffnung vor. Noch in der ersten Hälfte 2019 soll der definitive Entscheid fallen.

Des Weiteren habe es unterschiedliche Auffassungen über die Gestaltung des Strassenraums gegeben, sagt Schmidli. «Der Kanton legt bisher den Fokus vor allem auf die Verbesserung des Verkehrsflusses. Für uns ist hingegen die Siedlungsverträglichkeit der Strasse relevant.» Der Gemeinderat hoffe, dass sich diesbezüglich beim Kanton das Denken gewandelt hat. Schmidli:

«An der Strasse leben viele Menschen. Sie ist Aufenthalts- und Begegnungsort. Lärm ist ein Thema. Das hat auch mit Geschwindigkeit zu tun.»

Deshalb werde sich der Gemeinderat dafür einsetzen, dass Tempo 30 an der Gerliswilstrasse geprüft wird.

Glaubt Josef Schmidli, dass eine Umgestaltung tatsächlich den erwünschten Effekt hätte und die Gerliswilstrasse wieder zur florierenden Geschäftsstrasse, gar zum Treffpunkt werden könnte? «Nur wenn man es nicht versucht, gibt es keine Chance, dass es klappt», meint er pragmatisch. Das Beispiel Köniz zeige beeindruckend, dass eine positive Veränderung möglich sei. «Durch intelligente Gestaltung ist vieles machbar.»

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