Neuer Anlauf für Tempo 30 in Adligenswil – diesmal ohne Poller

Noch in diesem Jahr soll auf der Dorfstrasse in Adligenswil Tempo 30 eingeführt werden. Weil auch auf der Kantonsstrasse die Geschwindigkeit reduziert wird, kann das ganze Dorfzentrum verkehrsberuhigt werden.

Hugo Bischof
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Der Adligenswiler Gemeinderat erarbeitet zurzeit ein Umsetzungsprojekt für die Einführung von Tempo 30 im Dorfzentrum von Adligenswil. «Das Ziel besteht darin, mit Tempo 30 die Vorgaben bezüglich Lärmschutz zu erfüllen und die Sicherheit zu erhöhen», heisst es auf der Website der Gemeinde.

«Die Umsetzung soll ohne bauliche Massnahmen erfolgen, die den Verkehrsfluss beeinträchtigen und zu Staubildungen führen», schreibt der Gemeinderat weiter. Er reagiert damit auf Kritik, welche ein dreimonatiger Testversuch 2015 ausgelöst hatte. Damals war ein Abschnitt der Dorfstrasse künstlich verengt worden. «Unnötig», «schikanös», «zu teuer», urteilten viele Anwohner.

Die heutige Bauvorsteherin Gisela Widmer Reichlin bestätigt auf Anfrage:

«Der damalige Testversuch war zu stark durch Poller geprägt. Wir wollen diesmal auf verkehrseinengende Massnahmen verzichten.»

Wie das Projekt im Detail aussieht, will der Gemeinderat vor den Sommerferien entscheiden. Umgesetzt werden soll es noch in diesem Jahr.

Vorgesehen ist, die Dorfstrasse zwischen dem Kreisel Rössli bis zum Kreisel Widspüel als Tempo-30-Zone zu kennzeichnen. Dafür hat die Gemeinde Adligenswil mit dem Budget 2020 einen Betrag von 110'000 Franken verabschiedet. Zusätzlich wird auch der Kanton auf dem Abschnitt der Kantonsstrasse ab der Abzweigung Meiersmattstrasse über den Kreisel Rössli bis zum Kreisel Obmatt Tempo 30 einführen. «Das ist erfreulich», sagt Widmer Reichlin.

Politische Parteien sind mehrheitlich für Tempo 30

Bei den politischen Parteien der Gemeinde Adligenswil stösst die Einführung von Tempo 30 mehrheitlich auf Zustimmung. Für die CVP als Familienpartei sei Tempo 30 «ein sehr grosses Anliegen», sagt deren Präsidentin Susanne Wildhirt:

«Für die vielen Kinder, die sich im Zentrum auf dem Schul- oder Nachhauseweg befinden, braucht es eine Verkehrsberuhigung.»

Insbesondere auch, weil viele Verkehrswege und Parkbuchten in dichter Folge aus unterschiedlichen Richtungen in die Dorfstrasse einmündeten. Auch würden Velofahrer in diesem Gebiet häufig übersehen.

Mit Tempo 30 erfülle die Gemeinde ihre «Pflicht zur Einhaltung der Lärmschutzvorschriften», sagt SP-Vorstandsmitglied René Boog. Zudem: «Dank Beruhigung des Zentrums entstehen mehr Lebens- und Wohnqualität, erhöhte Schulwegsicherheit, mehr Sicherheit für alle Fussgänger.» Dank Fahrradstreifen könnten auch die Velofahrer gefahrloser verkehren.

Für die Grünliberalen sei Tempo 30 im Dorfzentrum «ein langjähriges Anliegen», sagt deren Präsident Patrick von Dach. Auch für ihn sind die Umsetzung der Lärmvorschriften sowie eine erhöhte Verkehrssicherheit insbesondere für den Langsamverkehr entscheidende Argumente. Dass der Kanton nun auch auf der Kantonsstrasse Tempo 30 bewillige, sei sehr erfreulich: «Damit kann eine durchgehend verkehrsberuhigte Zone zwischen den Kreiseln Obmatt und Widspüel realisiert werden.»

Zur Einhaltung der gesetzlichen Lärmwerte sei Tempo 30 notwendig, sagt Andreas Heggli von den Grünen. Noch wichtiger sei aber «eine Strassenraumgestaltung, die optisch – und nicht durch sogenannte ‹Schikanen› – den Verkehrsfluss verlangsamt und die Fussgängerinnen und Fussgänger ‹sichtbarer› macht».

SVP ist skeptisch

Skeptisch gegenüber der Einführung von Tempo 30 äussert sich Roger Rölli, Co-Präsident der SVP Adligenswil. Gemäss Experten bringe eine Geschwindigkeitsreduktion von Tempo 50 auf Tempo 30 bei verkehrsorientierten Strassen, zu denen die Dorfstrasse in Adligenswil gehöre, «keine Vorteile». Die Lärmreduktion sei «praktisch bei null», Motorengeräusche (Tourenzahl) sowie Pneu-Abriebgeräusche blieben unverändert. Zudem, so Rölli:

«Die Unfallgefahr nimmt eher zu als ab. Dies aufgrund des vermeintlichen Sicherheitsgefühls der Fussgänger und weiteren Verkehrsteilnehmer.»

Aus Sicht der SVP wäre es deshalb «sinnvoller, die geplanten Ausgaben anstelle einer unwirksamen Tempo-30-Zone direkt in die anstehende Gesamterneuerung der Dorfstrasse zu investieren». Nur so könnten «die Sicherheit verbessert und die vorgeschriebenen Lärmschutzmassnahmen korrekt umgesetzt werden». Die FDP war nicht erreichbar.

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